Immobilienwirtschaftliches Glossar

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Einträge zu Gr – GRS

Graben (anthropogen): Eine rinnenartig ausgehobene Hohlform mit befestigten oder unbefestigten Einfassungsflächen.

Graben, gefütterter: Ein mit befestigten, zumeist gemauerten Seitenflächen bzw. Flanken versehener → Graben.

Grabenbär (Wehrbau): Ein Wasser stauender Querdamm innerhalb eines Burg- oder Festungsgrabens.

Grabenbreite: Der direkte horizontale Abstand zwischen den oberen Rändern eines Grabens.

Grabendach: Eine zusammengesetzte Dachform, die – je nach Betrachtungsweise – aus einer Abfolge aneinander anschließender → Schmetterlings- oder → Satteldächer besteht.

Grabengeld (historisch): Eine Bürgerabgabe, die in die Errichtung und den Unterhalt der Stadtbefestigung(en) floss.

Grabenkoffer (Festungsbau): Ein freistehend im Festungsgraben errichtetes, meist zweistöckiges Werk, das es ermöglicht, den Graben in beide Richtungen zu bestreichen. An den auf die Grabenlängsachse ausgerichteten Seiten befinden sich → Ausfallhöfe. Derartige Werke sind mittels einer → Poterne mit der Hauptfestung verbunden. Inhaltsgleiche Ausdrücke sind »Grabenwehr« und »Kaponniere«.

Grabenprofil: Der Querschnitt eines Grabens.

Grabenrand: Der Übergangsbereich zwischen dem (ebenen) Umfeld und der Böschung bzw. Flanke eines Grabens.

Grabensohle: Der Boden eines → Grabens.

Grabentiefe: Der vertikale Abstand zwischen Grabenrand und → Grabensohle.

Grabenwand (Burgen- / Festungsbau): Eine aus Erdreich bestehende oder durch Mauerwerk befestigte Grabenseite.

Grabenwand, äußere (Burgen- / Festungsbau): Fachsprachlich als »Kontereskarpe« bzw. »Contrescarpe« bezeichnet. Eine geböschte, aus Erdreich bestehende oder durch Mauern gestützte Grabenseite, die sich auf der feldnahen Seite befindet.

Grabenwand, innere (Burgen- / Festungsbau): Fachsprachlich als »Escarpe« bezeichnet. Eine geböschte, aus Erdreich bestehende oder durch Mauern gestützte Grabenseite, die sich auf der Mauer- bzw. Wallseite befindet.

Grabenwehr (Festungsbau): Ein freistehend im Festungsgraben errichtetes, meist zweistöckiges Werk, das es ermöglicht, den Graben in beide Richtungen zu bestreichen. An den auf die Grabenlängsachse ausgerichteten Seiten befinden sich → Ausfallhöfe. Zugänglich sind derartige Werke mittels einer → Poterne an die Kernfestung angebunden. Andere Bezeichnungen sind »Grabenkoffer« und »Kaponniere«.

Grader: Eine gewöhnlich dreiachsig konstruierte, mit Rädern versehene Baumaschine, die entwickelt wurde, um große ebene Flächen zu schaffen. Sie wird insbesondere im Straßenbau eingesetzt. Über der hinteren Achse bzw. Doppelachse befinden sich Antriebseinheit und Führerhaus. Die lenkbare Vorderachse trägt einen schwenk- und kippbaren, seitlich beweglichen Schild (= Schar).

Gradiente (Verkehrswegebau): Der Höhenverlauf einer → Trasse.

Grand Hotel: Ursprünglich eine Bezeichnung für architektonisch auffallend gestaltete, oft im Palast- bzw. Palaisstil gehaltene, luxuriös ausgestattete Häuser, deren Gäste sich insbesondere aus dem Kreis wohlhabender Bildungsbürger rekrutierten. Die Bezeichnung hob und hebt einerseits auf die Klientel, zum anderen tatsächlich auf die Hotelgröße sowie eine vermittelte baulich-gestalterische und servicebezogene »Großartigkeit« ab.

Gräfte: Eine vor allem in Nordrhein-Westfalen (insbesondere im Münsterland) gebräuchliche Bezeichnung für einen künstlich angelegten, teils sehr breiten Wassergraben, der ursprünglich zum Schutz von → Niederungsburgen bzw. Adelssitzen diente. In späterer Zeit wurden Gräften vielfach um die Höfe wohlhabender Bauern angelegt.

Gräftenhof: Ein großbäuerlicher, besonders im Münsterland verbreiteter, von einem künstlich angelegten Wassergraben eingefasster Hof.

Granit: Ein grobkristalliner, harter, witterungsbeständiger Plutonit, der einen wichtigen Baustoff darstellt. Verwendet wird er u. a. als Mauer-, Bord- und Pflasterstein, als Wandverkleidung und Bodenbelag oder als Schotter.

Grat (Dach): Bei geneigten Dächern eine außenliegende Kante, die von zwei aufeinandertreffenden Dachflächen gebildet wird. Mit anderen Worten: eine außenliegende Verschneidungslinie zweier Dachflächen.

Gratbogen (Gewölbe): Die → Wangen und → Kappen eines → Tonnengewölbes definierende Linien. Der Gratbogen ergibt sich, wenn ein Gewölbegrundriss durch gedachte Diagonalen segmentiert wird und diese Diagonalen auf die → Laibung projiziert werden.

Gratsparren: Ein die → Dachhaut tragendes Element, das eine Stelle einnimmt, an der zwei geneigte Dachflächen aneinandergrenzen und eine Außenecke ausbilden.

Graue Energie: Energie, die in Zusammenhang mit Produktion, Transport und Entsorgung eines Gutes (oder einer Leistung) benötigt wird. In dieses Glossar ging der Begriff ein, weil die graue Energie im Rahmen einer energetischen Bilanz verschiedener Typen von → Energiesparhäusern an sich in die jeweilige Berechnung eingehen müsste. Beispielsweise ist zweifelhaft, ob ein Plusenergiehaus unter Berücksichtigung der grauen Energie seine Bezeichnung tatsächlich verdient.

Gravitationsleitung: Eine Rohrleitung, die ein Gefälle, letztlich also die Schwerkraft nutzt, um Flüssigkeiten zu transportieren. Der Leitungsquerschnitt ist - im Unterschied zu Druckrohrleitungen - regelhaft nicht vollständig flüssigkeitsgefüllt. Der Leitungstyp wird auch »Freispiegelleitung« genannt.

Gravur (Freskotechnik): Die aus der Nähe betrachtet hervortretende plastische bzw. dreidimensionale Struktur, die entsteht, wenn der noch feuchte Feinputz (Intonaco) mit einem harten, spitzen Gegenstand bearbeitet wird. »Gravur« bezeichnet auch den entsprechenden Arbeitsschritt.

Grd (Wohnen / Gewerbe): Eine gebräuchliche Verkürzung von → »Grund« bzw. → »Grundstück«.

Greißler: Eine in Österreich und Teilen Bayerns geläufige Bezeichnung für einen auf kleiner Fläche anbietenden Lebensmittelhändler bzw. ein entsprechendes Geschäft. Der Greißler entspricht dem Tante-Emma-Laden.

Greißlerei: Die Bezeichnung für die Geschäftsräume bzw. die Ladenflächen eines → Greißlers.

Grenadierschicht (Mauer): Ein oberer Abschluss einer Mauer bzw. eine → Mauerkrone, die aus aufrecht stehenden Steinen besteht.

Grenzattest: Eine andere Bezeichnung für die → Grenzeinhaltungsbescheinigung.

Grenzbescheinigung: Siehe → Grenzeinhaltungsbescheinigung.

Grenzeinhaltungsbescheinigung: Amtliche Bestätigung, dass ein Gebäude innerhalb der gültigen Grundstücksgrenzen (unter Wahrung vorgeschriebener Abstandsflächen) errichtet wurde bzw. wird. Falls das jeweilige Gebäude bereits im Kataster erfasst ist, kann die Bescheinigung vom zuständigen Katasteramt auf Grundlage dieser Unterlagen ausgestellt werden. Bei Neubauten ist ein öffentlich bestellter Vermessungsingenieur zu beauftragen. Derartige Bescheinigungen werden häufig im Rahmen von Baukreditvereinbarungen gefordert.

Grenzeinhaltungsbestätigung: Siehe → Grenzeinhaltungsbescheinigung.

Grenzkataster (Grundstückswesen, Österreich): Von den Vermessungsämtern geführtes öffentliches Register, das dazu dient, Grundstücksgrenzen verbindlich nachzuweisen und bestimmte tatsächliche Grundstücksverhältnisse ersichtlich zu machen.

Grenzwarte: Eine zwecks Feindsichtung und -beobachtung bzw. territorialer Sicherung in einer Grenzlage erbaute → Warte. Zumeist handelte es sich um wehrhafte Turmbauten, die in geländebeherrschenden Lagen errichtet wurden; manche strategisch gelegene Grenzwarte wurde im Laufe der Zeit zur Burganlage fortentwickelt.

Grey Pearl (Gestein): Ein grobkörniger, mittelgrauer Granit, der in Argentinien gewonnen wird. Er eignet sich für bauliche Anwendungen im Innen- und Außenbereich.

Griha: Ein fensterloser, vergleichsweise kleiner bzw. kammerartiger Raum hinduistischer Tempel, der das Allerheiligste birgt. Andere Bezeichnungen sind »Garbha« und »Garbhagriha«.

Groberschließung (Forstwirtschaft): Die Anbindung eines Forstes oder Waldes an eine von Lkw befahrbare Straße sowie die Anlage von Hauptwegen und primären Zubringerwegen. Die Groberschließung wird auch als »Basiserschließung« bezeichnet.

Groberschließung (Städtebau, Schweiz): Die Anbindung eines zur Bebauung vorgesehenen Gebietes an die Hauptstränge des Ver- und Entsorgungsnetzes sowie an das Straßen- bzw. Verkehrswegenetz.

Grobkies: Ein loses fluviales Sediment mit Korngrößen innerhalb einer Spanne von > 20 mm bis zu 63 mm. Im Baubereich dient er vor allem als Schüttgut (Wegebau usw.), aber auch zur Herstellung von Boden- und Terrassenbelägen.

Grobspanplatte: Im Roh- und Innenausbau als Decken-, Wand- und Verlegeplatte eingesetztes Holzelement, das aus langen, gerichteten und unter Druck verleimten Spänen besteht. Die Grobspanplatte ist biegefester als gewöhnlich Spanplatten; infolge beträchtlichen Leimanteils entwickelt sie einen hohen Dampfdiffusionswiderstand. Eine andere Bezeichnung ist OSB-Platte (das Kürzel steht für »oriented strand board« und die seltenere Bezeichnung »oriented structural board«).

Groma (historisch, Militärwesen): Der exakt in der Mitte der → via principalis verortete primäre Vermessungspunkt bei der Errichtung römischer Militärlager. Die Bezeichnung wurde von dem gleichnamigen Vermessungsinstrument auf diese Stelle übertragen.

Großfläche (Einzelhandel): Eine branchenübliche Verkürzung von »großflächiger Einzelhandelsbetrieb«. Siehe → großflächiger Einzelhandel.

Großflächenmieter (Einzelhandel, planungsrechtliches Verständnis): Nutzer, der Räumlichkeiten mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 qm oder einer Geschossfläche von mehr als 1.200 qm anmietet bzw. angemietet hat.

Großflächenmieter (gebäudebezogen, relativ): Ein Nutzer, der eine gemessen an der Gesamtfläche eines Gebäudes große Fläche anmietet bzw. angemietet hat.

Großflächiger Einzelhandel (Planungswesen, Deutschland): Planungs- und genehmigungsrechtlich bedeutsame Einordnung, die Einzelhandelsbetriebe und einheitliche geplante betriebliche → Agglomerationen betrifft, deren Verkaufsfläche 800 qm übersteigt oder deren Geschossfläche 1.200 qm überschreitet. Im Rahmen planungs- und genehmigungsrechtlicher Verfahren unterstellen zuständige Behörden, dass die Errichtung derartiger Betrieb negativ auf die städtebauliche Entwicklung und Ordnung sowie auf die Verwirklichung raumordnerischer Ziele zurückwirken kann. Großflächige Betriebe unterliegen somit der → Regelvermutung. Die über alle Branchen und Betriebsformen hinweg geltende Flächenschwelle ist logisch widersinnig. Praktisch verfehlt sie nicht nur ihren eigentlichen Zweck, eine geordnete städtebauliche Entwicklung zu gewährleisten, sondern öffnet unerwünschten Auswirkungen sogar Tür und Tor. Dass sie wettbewerbsverzerrend wirkt, kommt hinzu. Beispielsweise begünstigt sie → Lebensmitteldiscounter gegenüber → Super- und → Verbrauchermärkten.

Großflächiger Einzelhandelsbetrieb: Siehe → großflächiger Einzelhandel.

Großflächigkeit (Einzelhandel): Siehe → großflächiger Einzelhandel.

Großgarage: Ein ein- oder mehrstöckiges Bauwerk, in dem sich zahlreiche → Stellplätze für Kraftfahrzeuge (Pkw, Motorräder, seltener Lkw) befinden. Großgaragen kommen in Form von → Hoch- und → Tiefgaragen vor.

Großhandel: Ein Handelszweig, der Waren in Selbstbedienung offiziell nur an Gewerbetreibende bzw. Wiederverkäufer veräußert, warenlogistisch und wertschöpfungsbezogen also zwischen den jeweiligen Produzenten und endverbraucherorientierten Betrieben steht.

Großhandelsgebäude: Siehe → Großhandelsimmobilie.

Großhandelsimmobilie: Eine regelhaft vergleichsweise großflächige, schmucklose → Immobilie, die auf die betrieblichen Bedürfnisse von → Großhandelsbetrieben zugeschnitten ist.

Großhandelslage (räumlich): Ein mehr oder minder scharf abgrenzbarer Funktionsraum, dem Großhandelsnutzungen, also auf den Absatz an Einzelhändler und institutionelle Kunden ausgerichtete Betriebseinheiten sein Gepräge verleihen.

Großhandelsobjekt: Siehe → Großhandelsimmobilie.

Großmarkt: Eine stehende Marktveranstaltung, die regelhaft in großflächigen → Hallen abgehalten wird. Der Handel findet zwischen Produzenten und Zwischenhändlern auf der einen Seite und Einzelhändlern bzw. gewerblichen Wiederverkäufern und institutionellen Verbrauchern auf der anderen Seite statt. Der Großmarkt stellt eine Betriebsform des Großhandels dar.

Großmarkthalle: Eine regelhaft flächenmächtige → Halle, in der Produzenten und Zwischenhändler während festgesetzter Zeiten Waren an Einzelhändler bzw. gewerbliche Wiederverkäufer und institutionelle Verbraucher vertreiben. Die Großmarkthalle stellt somit eine → Großhandelsimmobilie dar.

Großmieter (Bürobereich): In deutschen Metropolen bzw. Großstädten erster Ordnung werden zumeist Nutzer, die Flächen ab 5.000 qm anmieten, als Großmieter eingestuft. Tatsächlich lassen sich keine pauschalen Schwellenwerte begründen. Die Einordnung ist abhängig von lokalen Maßstäben und / oder Gebäudegrößen vorzunehmen. Beispielsweise sind Mieter von 400, 500, 600 qm in vielen Kleinstädten als Großmieter einzustufen, in → Bürohochburgen fallen sie hingegen in das Kleinflächensegment. Oder: Bezogen auf 2.000 qm Mietfläche bietende Gebäude stellen 500 qm eine Großfläche dar, in 50.000 qm großen Komplexen eine kleine Einheit.

Großraumbüro: Ein auf großer, offener Fläche umgesetztes Bürokonzept. Vielfach werden – ohne stichhaltige Begründung – 300 qm oder 400 qm Nutzfläche als Definitionskriterium genannt, teils 100 Arbeitsplätze als unterer Schwellenwert betrachtet. Großraumlösungen kennzeichnet eine flächenbezogen hohe Mitarbeiterzahl; die Büroform erweist sich somit als flächenwirtschaftlich. Die Bandbreite raumgestalterischer Möglichkeiten ist groß. Verbreitet werden vorhandene Flächen durch Raumteiler in Zellen und Gänge gegliedert. Als typisches Gestaltungsmodul werden Boxen bzw. »cubicles« eingesetzt, die halbhoch abgegrenzte Einzel- oder Gruppenarbeitsbereiche schaffen. Als nachteilige Merkmale von Großraumkonzepten gelten unterschiedliche Arbeitsplatzqualitäten (fensternah / fensterfern), die notwendige künstliche Beleuchtung, anfallende Klimatisierungskosten, mangelnde Privatheit, hohe Geräuschpegel usw. Als Vorzüge gelten – neben der Flächeneffizienz – kurze Verständigungswege sowie eine erleichterte Arbeitsüberwachung und Arbeitssteuerung.

Großraumkonzept (Bürobereich): Ein organisatorisch-gestalterischer Ansatz, der auf die Nutzung einer Großfläche zugeschnitten ist bzw. eine solche voraussetzt.

Großsiedlung: Eine missverständliche Bezeichnung für eine → Großwohnsiedlung.

Großstadt: Gemäß Konvention der Internationalen Statistikkonferenz von 1887 eine Stadt mit mindestens 100.000 Einwohnern. Angesichts der weltweit rasanten Verstädterung und enormen Stadtwachstums erscheinen in vielen Ländern höhere definitorische Schwellenwerte sinnvoll.

Großsteinbau (Technik): Siehe → Großsteinbauweise.

Großsteinbauweise: Zumeist als »Megalithbauweise« bezeichnet. Es handelt sich um eine in Nord- und Westeuropa zwischen 4.500 und 800 v. u. Z. verbreitete Technik, die → Megalithe zur Errichtung von Großgräbern und Kultstätten einsetzte. Tatsächlich beschreibt der Begriff z. B. auch die mykenische Stadtmauer ausgezeichnet, die aus sehr großen Blöcken gefügt wurde, die anders als beim typischen → Zyklopenmauerwerk horizontale Fugen aufweisen. Auch das Zyklopenmauerwerk selbst ist logisch betrachtet der Großsteinbauweise zuzuordnen, insofern oft mehr als mannshohe, unregelmäßig geformte polygonale Gesteinsblöcke verbaut sind.

Großsteingrab (Zentral- und Nordeuropa): Auch »Megalithgrab«. Ein vor allem in Norddeutschland und dem südlichen Skandinavien verbreiteter, Grabtyp; er entstand vor allem während der Jungsteinzeit (dem letzten Abschnitt der Steinzeit!). Diese Anlagen wurden aus mächtigen Stein- bzw. Findlingsblöcken erbaut. Die überwiegend aus Tragsteinen und oft gewaltigen Decksteinen bestehende Struktur umschließt die eigentliche Grabkammer; ursprünglich waren diese Bauwerke mehrheitlich mit Erde bedeckt und hügelartig ausgeformt.

Großtafelbauweise: Eine andere Bezeichnung der Plattenbauweise. Es handelt sich um eine Form des Fertigteilbaus, bei der industriell vorgefertigte Deckenplatten und Wandscheiben aus → Beton zu einem Gebäude zusammengesetzt werden. Die Bauweise wurde und wird u. a. in vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks bei der Errichtung von → Großwohnsiedlungen eingesetzt.

Großwohnanlage (Siedlung): Siehe → Großwohnsiedlung.

Großwohngebiet: Zumeist als Entsprechung der → »Großwohnsiedlung« verwendet.

Großwohnsiedlung: Ein städtischer Teilraum bzw. ein Stadtteil, den eine vergleichsweise dichte Bebauung mit ausnehmend großen Geschosswohnbauten prägt. Kennzeichnend sind hochgeschossige, vielfach zeitgleich hochgezogene Gebäude. Weiterhin charakteristisch ist, dass keine organische, keine gewachsene Verbindung zu anderen städtischen Teilräumen besteht – ein Merkmal, das Großwohnsiedlungen z. B. von gründerzeitlichen Mietskasernengebieten unterscheidet. Zum Kreis der Großwohnsiedlungen zählen viele → Plattenbausiedlungen im einstigen Ostblock. Anders als zahlreiche ihrer westlichen Gegenstücke aus der »Betonära« besaßen z. B. die Großwohnsiedlungen der DDR vergleichsweise gut entwickelte Versorgungsinfrastrukturen; so war eine funktionierende Nahversorgung Standard. In Schwellenländern werden Großwohnsiedlungen – wie in Europa während der ersten Jahrzehnte nach dem letzten Weltkrieg – als Fortschrittssymbole und soziale Errungenschaft betrachtet; hier stellen sie begehrte Wohnorte aufkommender Mittelschichten dar. Anders die Situation im westlichen Europa: Hier verkamen zahlreiche ältere Großwohnsiedlungen zu sozialen Brennpunkten, ja regelrechten Notstandsgebieten.

Großwohnviertel: Siehe → Großwohnsiedlung.

Grottenburg: Eine selten anzutreffende Spielart der → Felsenburg, die gänzlich oder teilweise in eine Höhle bzw. eine höhlenähnliche Felsenformation eingebettet und nur einseitig zugänglich ist. Ein sehenswertes Beispiel bildet Burg Predjama (dt. Lueg), nahe Postojna, Slowenien. Dieser Burgtyp wird auch »Höhlenburg« genannt.

GrStG (Steuerrecht, Deutschland): Das Kürzel für »Grundsteuergesetz«.