Immobilienwirtschaftliches Glossar

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Einträge zu Er – EZ

Erbbaurecht: Auch als »Erbpacht« bezeichnet. Das gegen Zahlung eines regelmäßig fälligen Betrages – dem Erbbauzins – erworbene und grundbuchlich gesicherte Recht, ein fremdes Grundstück zu bebauen bzw. in vertragsgerechter Form über einen fest vereinbarten, üblicherweise mehrere Jahrzehnte langen Zeitraum hinweg zu nutzen.

Erbbaurechtsgeber: Regelhaft der Eigentümer eines Grundstückes, der dieses einem Dritten gegen regelmäßig zahlbares Entgelt – grundbuchlich gesichert – zur langfristigen Nutzung überlässt.

Erbbaurechtsnehmer: Der gegen turnusmäßige Zahlung an den Eigentümer zur grundbuchlich gesicherten Nutzung eines Grundstücks Berechtigte.

ErbbauRG (Deutschland): Das Kürzel für »Erbbaurechtsgesetz», amtlich »Gesetz über das Erbbaurecht«.

ErbbauVO (Deutschland): Steht für »Erbbaurechtsverordnung«.

Erbbauzins: Der von einem Erbbaurechtsnehmer an den Erbbaurechtsgeber zu entrichtende Geldbetrag.

Erbpacht: Ein anderer Begriff für »Erbbaurecht« bzw. – in Österreich, Liechtenstein und der Schweiz – »Baurecht«.

Erdaushub (gegenständlich): Bei der Schaffung von Baugruben, Tagebau- und Tunnelbauprojekten, beim Bau von Teichanlagen usw. entferntes Erdreich.

Erdaushub (prozessual): Eine Entfernung von Erdreich, die sich die Schaffung einer Vertiefung, eines Hohlraumes übersetzt.

Erdbau (prozessual): Bauliche Maßnahmen, in deren Verlauf Boden umgelagert und / oder hinsichtlich seiner Eigenschaften verändert wird. Im Zuge erdbaulicher Prozesse kann Boden u. a. abgetragen, auf- oder eingebracht, gelöst, verbaut oder verdichtet werden.

Erddruckmauer: Eine andere Bezeichnung der als Stützmauer dienenden → Futtermauer.

Erdfaulbecken: Ein oben offener Faulbehälter, in dem Klärschlamm in anaerobem Milieu stabilisiert bzw. zu Faulgas und Faulschlamm abgebaut wird.

Erdgas-Röhrenspeicher: Insbesondere mit Blick auf die Bedienung kurzfristigen Spitzenbedarfs konzipierte Erdgasspeicher mittleren Fassungsvermögens, die mit hohem Druck betrieben werden. Diese Speicher bestehen aus eisernen oder stählernen Rohren, die parallel zueinander auf Grund (dann regelhaft mit Erde bedeckt) oder wenige Meter unter Bodenoberkante verlegt sind.

Erdgeschoss: Ein oberirdisches, zu ebener Erde liegendes Stockwerk, eine auf der Zugangsebene eines Gebäudes oder Bauwerks liegende Etage. Eine andere Bezeichnung ist »Parterre«.

Erdgeschoss, anlaufendes: Ein ebenerdiges Stockwerk bzw. Erdgeschoss, dessen Außenmauer bis zur Höhe des Cordonsteins leicht nach innen geneigt ist.

Erdhobel: Eine zumeist dreiachsig konstruierte, mit Rädern versehene Baumaschine, die entwickelt wurde, um große ebene Flächen zu schaffen. Sie wird vor allem im Straßenbau eingesetzt. Über der hinteren Achse bzw. Doppelachse befinden sich Antriebseinheit und Führerhaus. Die lenkbare Vorderachse trägt einen schwenk- und kippbaren, seitlich beweglichen Schild (= Schar). Andere Bezeichnungen sind »Grader« oder »Planierer«.

Erdholländer: Eine seltenere Bezeichnung für den Grundsegler. Es handelt sich um eine Spielart der → Holländer- bzw. → Kappenwindmühle. Der auf Niveauhöhe (oder einer angedeuteten Aufschüttung) errichtete Erdholländer besitzt bis knapp über den Erdboden reichende Flügel, die mit Segeln bespannt werden können.

Erdhügelburg: Eine andere Bezeichnung der »Motte«. Es handelte sich um eine überwiegend aus Holz erbaute Spielart der → Burg. Motten wurden (anders als → Turmburgen) auf aufgeschütteten Erdhügeln errichtet. Ihr zweites prägendes Merkmal ist die Dominanz eines auf diesem Hügel hochgezogenen, von einem Graben und / oder Wällen bzw. Palisaden eingefassten Turms, der Wohn- und Wehrzwecken diente. Bei großflächigen Erdaufschüttungen wurden hier gewöhnlich auch Wirtschaftsgebäude angesiedelt. Die meisten Motten besaßen jedoch eine oder mehrere Vorburgen, wodurch der Wohnturmbereich zur Kern- bzw. Hochburg wurde. In der oder den Vorburgen fanden sich die Wirtschaftsgebäude. Zu unterscheiden sind einteilige Anlagen, bei denen die Kernburg innerhalb der Vorburg liegt, und mehrteilige Anlagen, bei denen Kern- und Vorburg(en) neben- bzw. hintereinander angeordnet sind.

Erdkegelburg: Siehe → Erdhügelburg.

Erdpech: Eine andere Bezeichnung des → Naturasphalts.

Erdplanum: Eine eingeebnete Fläche, die als Untergrund für zu errichtende Bauwerke dient.

Erdschüttdamm: Ein wasserbauliches Absperrbauwerk, dessen → Stützkörper im wesentlichen aus Erde bzw. erdigem Material besteht.

Erdtraverse (Festungsbau): Ein quer zur Mauerlinie zum Schutz vor feindlichem Seitenfeuer aufgeschütteter Wall.

Erdwall (Burgen- / Festungsbau): Eine aus Erdreich hergestellte Aufschüttung, die zur Einhegung eines Bereiches dient. Erdwälle waren wichtige Bestandteile vieler vorgeschichtlicher bis mittelalterlicher Verteidigungsanlagen; bei neuzeitlichen → Festungen dienten sie häufig aus Vorbefestigungen bzw. Außenwerke.

Erdwerk (Burgen- / Festungsbau): Eine aus Erdreich erstellte Aufschüttung, die gewöhnlich (nahezu) vollständig oder in Teilen von einem Graben umlaufen war, aus dem die für den Wall verwendete Erde (großteils) stammte.

Eremitage: Die Wohnstätte eines Einsiedlers.

Eren: Eine andere Bezeichnung für den »Ern», einen im Erdgeschoss fränkischer Bauernhäuser befindlichen Flur.

Erfolgshonorar (Immobilienmaklerwesen): Eine Courtage oder eine Teilcourtage, die ein → Immobilienmakler bei Vollzug einer Immobilientransaktion erhält, die durch seine Vermittlung zustande kam bzw. ermöglicht wurde.

Erhaltungssatzung (BauGB, Deutschland): Eine im Baugesetzbuch, § 172, beschriebene Satzung, die zur Erhaltung baulicher Anlagen und der Eigenart von Gebieten dient. In § 172 heißt es: »(1) Die Gemeinde kann in einem Bebauungsplan oder durch eine sonstige Satzung Gebiete bezeichnen, in denen 1. zur Erhaltung der städtebaulichen Eigenart des Gebiets auf Grund seiner städtebaulichen Gestalt ..., 2. zur Erhaltung der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung ... oder 3. bei städtebaulichen Umstrukturierungen ... der Rückbau, die Änderung oder die Nutzungsänderung baulicher Anlagen der Genehmigung bedürfen.« Und weiter: »In den Fällen des Satzes 1 Nr. 1 bedarf auch die Errichtung baulicher Anlagen der Genehmigung.»

Erholungsheim: Ein regelhaft der → Parahotellerie zuzuordnender Beherbergungsbetrieb der öffentlichen Hand oder privater Träger (Genossenschaften, Stiftungen, Vereine), der gewöhnlich nur vorab buchende Personen bzw. Gruppen aufnimmt. Namensgemäß dient er Erholungszwecken; dementsprechend liegen Erholungsheime mehrheitlich in landschaftlich begünstigten bzw. ländlich geprägten Räumen.

Erholungsort: Nach offizieller Lesart ein klimatisch und landschaftlich begünstigtes Gebiet, das Erholungszwecke fördernde Infrastrukturen aufweist und diese auch vermarktet.

Erker: Ein geschlossener, von Kragbalken oder Konsolen getragener, über ein oder mehrere Stockwerke hinweg entwickelter Fassadenvorbau mit Dachabschluss.

Erkerdecke: Ein gewöhnlich aus Holz gefertigter oberer Raumabschluss bzw. die Deckenkonstruktion eines → Erkers.

Erkundungsstuhl (Burgenbau): Eine von einer zinnenbewehrten Brüstung umlaufene Plattform auf der Krone einer Wehrmauer, die an einen etwa mannshohen Turmstumpf erinnert. Ein Beispiel findet sich neben dem Rabenturm im thüringischen Mühlhausen.

Erlösgruppe(n) (Hotellerie): Die wenigsten Hotels beschränken sich auf die Logisfunktion, also die reine Zimmervermietung. Regelhaft binden sie gastronomische Komponenten ein, oft Wellnessbereiche, Fitnesseinrichtungen usw. Einzelne Funktionskreise tragen in unterschiedlichem Maß zum betrieblichen Gesamtergebnis bei; sie bilden Erlösgruppen. Die wichtigsten sind Logis (Übernachtungen), F & B (Speisen und Getränke) und das Tagungsgeschäft (Raum- / Saalvermietung). Hinzu treten sonstige Erlöse (Telefon, Pay-TV, Reinigung usw.).

Erlös je verfügbarem Zimmer (Hotellerie), durchschnittlicher: Im internationalen Branchenjargon als »Revenue per Available Room« bzw. »RevPAR« bezeichnet. Der Wert errechnet sich nach einer einfachen Formel: → Auslastungsquote (Occupancy) mal → durchschnittlicher Zimmerpreis (Average Daily Rate) gleich durchschnittlicher Zimmererlös. Der RevPAR beinhaltet alle einem Zimmer zurechenbaren Abteilungsumsätze.

Ermitage: Siehe → Eremitage.

Ern: Die Bezeichnung eines im Erdgeschoss fränkischer Bauernhäuser befindlichen Flurs.

Ernhaus (Landwirtschaft): Ein mittelalterlicher, vor allem in Süd- und Mitteldeutschland verbreiteter, in Fachwerk oder Massivbauweise ausgeführter Haustyp. Die Bezeichnung geht auf den fränkischen Ausdruck »Ern», einen zentralen, beheizbaren Flur, zurück. Es handelt sich um ein über die Traufseite erschlossenes Gebäude, das Wohnbereich und Stall unter einem Dach vereint.

Erosion (Boden): Ein unerwünschter, in aller Regel wirtschaftlich nachteiliger Bodenabtrag durch Wind- oder Wassereinwirkungen bzw. äolische und fluviale Prozesse.

Ersatzmieter: Ein → Mieter, der in ein bestehendes Mietverhältnis eintritt, das der bisherige Objektnutzer vor Ablauf der Kündigungsfrist auflösen will. Sofern der Mietvertrag keine → Ersatzmieterklausel enthält, sind Vermieter (in Deutschland) nicht verpflichtet, einen benannten Nachfolger zu akzeptieren; praktisch müssen (im Wohnsegment) allerdings gewichtige Gründe geltend gemacht werden, um sich erfolgreich verweigern zu können.

Ersatzmieterklausel (Mietvertragswesen): Ein (selten aufgenommener) mietvertraglicher Passus, der Regelung beinhaltet, die bestimmen, unter welchen Umständen bzw. Bedingungen es einem Mieter möglich ist, einen → Nachmieter zu stellen.

Erscheinungsbalkon: Eine regelhaft aus dem Obergeschoss eines öffentlichen bzw. repräsentativen Zwecken dienenden Gebäudes vorspringende Plattform, die zwei- oder dreiseitig von einer Brüstung oder einem Geländer umlaufen ist. Derartige Balkone finden sich u. a. bei Schlössern oder großen städtischen Rathäusern. Sie dienten dazu, Herrschern, hohen Amtsträgern usw. einen distanzierten Auftritt vor dem Volk bzw. der Menge zu gestatten.

Erschliessung: Schweizer Schreibweise von → Erschließung.

Erschließung (Gebäude): Die Gesamtheit aller Zugangswege, Bauteile, Räume und technischen Einrichtungen, die einzelne Gebäudebereiche bzw. -einheiten (Büros, Wohnungen, Ladeneinheiten usw.) für Nutzer sowie Ver- und Entsorgungsdienstleister erreichbar machen. Zu den horizontalen Erschließungselementen zählen Atrien und Flure, zu den vertikalen Aufzugsanlagen, Rampen, Rolltreppen und Treppen.

Erschließung (Grundstück): Auch als »Aufschließung« bezeichnet. Bauliche Maßnahmen (und rechtliche Vorgänge), die dazu dienen, ein Grundstück oder eine Reihe von Grundstücken einer wohnungswirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen, gewerblichen Nutzung usw. zuzuführen. Angesprochen sind Anschlüsse an das Ver- und Entsorgungsnetz sowie das Straßen- und Wegenetz.

Erschließungsbauteil: Ein Gebäude- bzw. Bauwerksteil, das Nutzern einzelne Objektbereiche zugänglich macht, aber auch eine bauliche Komponente, die zur Ver- und Entsorgung dient. Typische Erschließungsbauteile sind → Treppen.

Erschließungsbeitrag: Eine verpflichtende finanzielle Beteiligung von Grundstückseigentümern an Erschließungsmaßnahmen.

Erschließungskostenbeitrag: Siehe → Erschließungsbeitrag.

Erschließungsmaßnahme(n): Siehe → Erschließung.

Erstarrungsbeschleuniger: Betonzusatzmittel, die bei Frischbeton eine verkürzte Abbindezeit bedingen. Verwendet werden sie u. a. beim Einsatz von Spritzbeton im Tunnelbau oder wenn Termindruck nach einer raschen Ausschalung verlangt. Eine andere Bezeichnung ist »Abbindebeschleuniger«.

Erstarrungsverzögerer: Betonzusatzmittel, die dazu dienen, das Abbinden des Zements hinauszuzögern, um den Beton länger ver- bzw. bearbeiten zu können. Als Zusatzmittel kommen organischen und / oder anorganischen Substanzen zum Einsatz (Phosphonate, Zuckerderivate usw.). Ein anderer Begriff ist »Abbindeverzögerer«.

Erstarrungswärme (Betonbau): Gewöhnlich »Abbinde-« bzw. »Hydratationswärme« genannt. Diese entsteht bei einer Mischung von Wasser und Zement infolge einer chemischen Reaktion. Für die Wärmeentwicklung ist besonders der Aluminiumanteil im Beton verantwortlich.

Erste Abteilung (Grundbuchwesen, Deutschland): Bei einem Grundbuchblatt die erste von drei auf die → Aufschrift (Deckblatt) und das → Bestandsverzeichnis folgenden Abteilungen. Hier werden grundstücksbezogene Eigentumsverhältnisse erfasst, also der Eigentümer, zudem die Grundlage der Eintragung (Auflassung, Erbübergang usw.) vermerkt.

Ertragsmanagement (Hotellerie): Ein Aufgabenkreis, der einer gezielten Mobilisierung bzw. Abschöpfung bestehender Marktpotentiale für einen Hotelbetrieb dient. Er wird auch als »Abschöpfungsmanagement« und »Preis-Mengen-Steuerung« bezeichnet. Englische Bezeichnungen sind »Revenue Management« und »Yield Management«.

Ertragsvervielfältiger (reinertragsbezogen): Der (geschätzte) → Verkehrswert (oder Kaufpreis) eines → Grundstücks bzw. einer → Immobilie geteilt durch den (projizierten) jährlichen Reinertrag.

Ertragsvervielfältiger (rohertrags- / kaufpreisbezogen): Der Quotient aus dem Kaufpreis einer → Immobilie und der nachhaltig erzielbaren jährlichen Nettokaltmiete bzw. dem Rohertrag.

Ertragsvervielfältiger (rohertrags- / verkehrswertbezogen): Der (geschätzte) → Verkehrswert einer Immobilie geteilt durch den (projizierten) jährlichen Rohertrag.

Ertragswert (Grundstückswertermittlung): Die Summe anzunehmender künftiger Netto-Einnahmen aus der Bewirtschaftung einer Immobilie oder eines Portfolios. Die Berechnung des Ertragswertes beruht auf einer fundierten Ertragsschätzung und einer Abzinsung projizierter Einnahmen auf den Bewertungsstichtag. Vertiefend siehe → Ertragswertverfahren.

Ertragswertansatz: Siehe → Ertragswertverfahren (Grundstückswertermittlung).

Ertragswertermittler (Grundstückswertermittlung): Ein → Ertragswertgutachter oder jede andere Person, die eine Grundstückswertermittlung auf Grundlage des → Ertragswertverfahrens durchführt(e).

Ertragswertermittlung: Siehe → Ertragswertgutachten und → Ertragswertverfahren (Grundstückswertermittlung).

Ertragswertgutachten (Grundstückswertermittlung): Idealtypisch ein auf Grundlage eingehender Markt- und Objektanalyse sowie nachvollziehbarer Prämissen und begründeter Schlussfolgerungen erstellter Bericht, in dem der → Ertragswertwert eines bebauten oder unbebauten Grundstücks abgeleitet wird. In der Praxis – beispielsweise in Bezug auf → Einzelhandelsimmobilien – unterbleiben fundierte Markt- bzw. Wettbewerbsanalysen vielfach; statt dessen ziehen viele Gutachter z. B. Mietbandbreiten und / oder Liegenschaftszinssätze heran, die in der einschlägigen Fachliteratur ausgewiesen sind. Die Gründe reichen von der Unkenntnis marktanalytischer Ansätze und mangelnder sektoraler Erfahrung über Zeit- und Kostendruck bis hin zu blanker Bequemlichkeit. In vielen Fällen können entsprechende Gutachten nicht als qualifiziert erachtet werden. Ein Grund liegt darin, dass sich die Ertragspotentiale von Immobilien maßgeblich aus Standortqualitäten ableiten, die wiederum relative Größen darstellen, also ausschließlich vor dem Hintergrund eines Vergleiches bestimmbar sind.

Ertragswertgutachter (Grundstückswertermittlung): Ein Sachverständiger, der einen relevante Markt- und Objektmerkmale beschreibenden und bewertenden Bericht auf Grundlage des → Ertragswertverfahrens erstellt.

Ertragswertmethode: Siehe → Ertragswertverfahren.

Ertragswertverfahren (Grundstückswertermittlung, Deutschland): Eine normierte Methode zur Ermittlung von Immobilienwerten, die auf einer Kapitalisierung von Netto-Erträge beruht. Im (deutschen) Ertragswertverfahren werden Grund und Boden sowie aufstehende Gebäude zunächst gesondert bewertet. Wesentliche Größen sind der Bodenwert (der idealtypisch über einen unmittelbaren Vergleich bestimmt wird), der Liegenschaftszinssatz, eine dauerhaft erzielbare Miete bzw. der jährlich erzielbare Rohertrag sowie die Restnutzungsdauer. Eine abgeleitete Größe ist der Vervielfältiger, der sich aus Liegenschaftszinssatz und Restnutzungsdauer ergibt. Rechenschema: Schritt 1: Rohertrag abzüglich Bewirtschaftungskosten (Betriebs-, Verwaltungs-, Instandhaltungskosten, Mietausfallwagnis) gleich Jahresreinertrag. Schritt 2: Bodenwert mal Liegenschaftszinssatz gleich Bodenertrag (bzw. Bodenwertverzinsung). Schritt 3: Reinertrag minus Bodenertrag gleich Gebäudeertrag. Schritt 4: Gebäudeertrag mal Vervielfältiger gleich Gebäudeertragswert (z. B. bei ersichtlichem Instandhaltungsstau ist dieser Wert – sofern nicht bereits bei Ansatz der Restnutzungsdauer berücksichtigt – anzupassen) Schritt 5: Gebäudewert plus Bodenwert gleich Ertragswert.

Erzbergwerk: Siehe → Erzgrube.

Erzgrube: Ein → Bergwerk, in dem metallhaltige Mineralgemenge abgebaut werden.

Erzkasten (Bergbau): Ein Zwischenlager für gewonnenes Erz. Hinweis: Der Begriff wurde als Spitzname auf den im Schwarzwald gelegenen Schauinsland (Berg) übertragen.

Erzmine: Ein → Bergwerk bzw. Bergbau, in dem erzhaltige Mineralgemenge gewonnen werden.

Escarpe (Festungsbau): Die innere Wand eines im Wallvorfeld angelegten Grabens. Escarpen können einfache Erdböschungen darstellen oder durch Futtermauern begrenzt sein.

Escarpemauer: Siehe → Escarpenmauer (Festungsbau).

Escarpenmauer (Festungsbau): Die Futtermauer an der inneren, der an einen Wall anschließenden Grabenseite.

Eselsrücken: Eine vor allem während der Spätgotik modische Spielart des → Spitzbogens, der im Bereich des Schlusssteins einen kleinen Gegenbogen aufweist.

Eselsweg (Burgenbau): Ein zwischen → einer Burg und einem stehenden oder fließenden Gewässer verlaufender Pfad, über den – zumeist mittels Eseln – Frischwasser in die → Zisternen einer Anlage gebracht wurde.

ESG (Glas, Bauwesen): Das gebräuchliche Kürzel für → »Einscheiben-Sicherheitsglas«.

Eskarpe (Festungsbau): Auch »Escarpe«. Die innere Wand eines vor einem Wall angelegten Grabens. Eskarpen können einfache Erdböschungen darstellen oder durch Futtermauern begrenzt sein.

Eskarpenmauer (Festungsbau): Die Futtermauer an der inneren, der wallnäheren Grabenseite.

Esonarthex: Ein das Kircheninnere einbezogener → Narthex.

Esse (regionalsprachlich): Im östlichen Mitteldeutschland eine Bezeichnung für einen → Schornstein.

Esse (Schmiede): Eine offene, mit Abzug versehene Feuerstelle einer Schmiede. Die Sauerstoffzufuhr erfolgt mittels Blasebalg oder Gebläse.

Essfeuer (Schmiede): Eine alte Bezeichnung für die → Esse einer Schmiedewerkstatt.

Essgemach: Siehe → Essstube (historisch).

Essstube (historisch): Eine andere Bezeichnung der Tafelstube: Es handelt sich um einen beheizbaren, seit dem 15. Jahrhundert in vielen deutschen Schlössern eingerichteten Raum, welcher der fürstlichen Familie – im Gegensatz zur → Hofstube – als privates Esszimmer diente.

Estrade (Architektur): Ein um eine oder mehrere Stufen erhöhter Abschnitt eines Raumes. Früher dienten Estraden vor allem dem Zweck, die Bedeutung einer Person bzw. einer Personengruppe zu unterstreichen, heute werden sie vorwiegend zur optischen Raumgliederung genutzt.

Estremoz (Gestein): Ein feinkörniger, in Portugal gebrochener Calcitmarmor, der vor allem für den gehobenen Innenausbau verwendet wird. Das farbliche Spektrum reicht – mehr oder weniger ausgeprägt geäderter – von dunklem Weiß über Hellbeige bis Rosa.

Estrich (Fußbodenbau): Ein fugenloser bzw. möglichst wenige Fugen aufweisender, aus einer erhärtenden Masse oder Trockenbauelementen gebildeter Unterboden bzw. ein Untergrundaufbau für Bodenbeläge.

Estrich (Raum): In der Schweiz eine Bezeichnung für → »Dachboden« bzw. »Dachraum«.

Estrich, schwimmender: Ein → Estrich, der keinen Wärme oder Schall übertragenden Zusammenhang mit anderen Gebäudeteilen aufweist. Die Basis bildet eine von Dämmstreifen eingefasste Dämmplatte, die mit einer Polyethylenfolie abgedeckt wird.

Estrichbeschichtung: Eine unmittelbar auf den Estrich aufgebrachte, verbreitet auf Epoxidharzbasis hergestellte Beschichtung, die vielfach den letztlichen Bodenbelag bildet.

Estrichbeton: Ein stark belastbarer Spezialbeton für den Fußbodenunterbau. Die Korngröße des Zuschlags liegt gewöhnlich unter 8 mm.

Estrichfräse: Ein zumeist als »Beton- und Estrichfräse« bezeichnetes Motorgerät, das genutzt wird, um aus Beton, Metall oder Stein hergestellte Böden zu bearbeiten. Es eignet sich u. a. dazu, Beschichtungen zu entfernen und Oberflächen zu reinigen oder aufzurauen.

Estrichleger: Eine Fachkraft, die Unterböden für Fußbodenbeläge oder Nutzböden baut. Teil der Arbeit ist die Installation von Wärme- und Schalldämmungen, häufig auch die Verlegung von Fußbodenbelägen. In Deutschland ist das Handwerk ein anerkannter Ausbildungsberuf nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung. Die Ausbildung erstreckt sich über drei Jahre.

Estrichverleger: Eine umgangssprachliche Bezeichnung für den → Estrichleger.

ETAG (Europa, Technik): Das Kürzel für »European Technical Approval Guidelines», zu Deutsch: »Leitlinien für Europäische technische Zulassungen«.

Etage: Eine Gebäudeebene bzw. sämtliche horizontal verbundenen Räume ein und derselben Zugangsebene. Inhaltsgleiche Begriffe sind »Stockwerk« und »Geschoss« bzw. »Geschoß« (Österreich).

Etagenbahnhof: Ein Bahnhof der Eisenbahn, der Gleisanlagen auf zwei oder mehr Ebenen besitzt. Die Anzahl der Stockwerke entspricht regelhaft der Anzahl ein- bzw. ausgehender Bahnstrecken, die sich im Bahnhof niveaufrei kreuzen.

Etagenzählung: Auch »Geschoss-« oder »Stockwerkzählung« genannt. Eigentlich eine Zählweise, bei der → Gebäudeetagen von unten nach oben durchnummeriert werden. Beispielsweise erhält das erste Obergeschoss in Deutschland und England die Nummer 1, während in den USA dem → Erdgeschoss die 1 zugewiesen wird. Oder: Bisweilen wird die 13 aufgrund abergläubischer Vorstellungen nicht vergeben.

Eternit: Ein Markenname für Faserzement. In Deutschland verbreitete sich das Produkt dermaßen stark, dass sich der Name zu einem Synonym entwickelte.

Etg (Wohnen / Gewerbe): Eine vor allem in Immobilienanzeigen gebräuchliche Verkürzung von → »Etage«.

Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk: Ein synthetischer Kautschuk (Gummi) bzw. ein terpolymeres Elastomer hoher Ozon-, Temperatur- und Witterungsbeständigkeit. Verwendet wird der Stoff u. a. zur Herstellung von Schläuchen (Dampf, Heißwasser), Dichtungen und Beschichtungen.

Ethylen-Propylen-Dien-Monomer: Siehe → Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk.

Étoile: Eine aus sternförmig auseinanderlaufenden Wegen gebildete Anlage (Gärten, Alleen usw.).

Etruskische Ordnung: Siehe → Etruskische Säulenordnung.

Etruskische Säulenordnung: Auch »tuskische», zumeist jedoch »toskanische« Säulenordnung genannt. Es handelt sich um eine der fünf »klassischen« Säulenordnungen gemäß Vitruv. Diese römische Ordnung vermengt griechische und etruskische Stilmerkmale; sie kann als Ableger der dorischen Säule verstanden werden. Die toskanische Säule besteht aus einer zweigeteilten Basis, die einer Plinthe (Sockelplatte) aufsitzt. Der sich aufwärts verjüngende Schaft besitzt keine Kannelierung (Riffelung), den Abschluss bildet ein dorisches Kapitell. Bei Fassaden, die sich über mehrere Etagen erstrecken, nimmt die toskanische Ordnung das unterste Stockwerk ein.

Eulenloch: Eine kleine Öffnung im Giebelfeld bäuerlicher Häuser mit → Sattel- oder → Krüppelwalmdach. Diese Öffnungen dienten ursprünglich als Rauchlöcher, später als Ein- und Ausfluglöcher für nistende Greifvögel (vor allem Eulen), aber auch Schwalben. Erstere waren als Mäuse- und Rattenvertilger gerne gesehen, Letztere als Insektenfresser willkommen.

Europastraße: Eine gemäß Beschluss der europäischen Verkehrsministerkonferenz gekennzeichnete → Straße, die im Rahmen des europäischen Fernstraßennetzes als bedeutend eingestuft ist.

Euthynterie: Die obere Abschlussschicht des → Stereobats. Diese Fundamentschicht antiker griechischer Tempel besteht aus fein behauenen Quadern; sie ist nivelliert und geglättet und ragt ein Stück über die Geländeoberkante hinaus. Die deutsche Entsprechung ist »Richtschicht«.

Eventhotel: Siehe → Event-Hotel.

Event-Hotel: Eine »denglische« Bezeichnung für ein Veranstaltungshotel, also einen Betrieb mit Beherbergungsschwerpunkt, der sich als Ausrichtungsort von gewerblich und privat getragenen Veranstaltungen unterschiedlicher Art vermarktet. Betriebliche Vorbedingungen sind entsprechend dimensionierte, technisch angemessen ausgestattete Räumlichkeiten sowie ein leistungsfähiger Küchenbetrieb.

Event Room Occupancy (Hotellerie): Die Auslastungsquote von Veranstaltungsräumen.

Exedra (allgemein): Eine größere, nischenartige, oftmals mit Sitzgelegenheiten ausgestattete Erweiterung eines Hofes oder einer Halle bzw. – umgekehrt betrachtet – ein nischenartiger Raum, der sich zu einem Hof bzw. einer Halle öffnet. Die Exedra besaß häufig eine halbrunde Form.

Exedra (frühchristliche Kirchenarchitektur): Eine erhöht platzierte Nische im Altarbereich, die u. a. die Sitzplätze (höherer) Geistlicher beinhaltete. Diese Form der Exedra entsprach der → Apsis.

Exfiltration (Klimatechnik): Ein planungswidriger Luftaustritt aus einem Gebäude, der infolge fehlerhaft erstellter und / oder beschädigter Isolierung der Hülle oder einzelner Bauteile eintritt.

Exit (Immobilienanlagen): Der Ausstieg aus einem Immobilienengagement bzw. die Verwertung einer Immobilie oder eines Portfolios durch deren Eigentümer. Regelhaft handelt es sich um einen Verkauf des jeweiligen Objekts.

Exklusivität (Immobilienmaklervertrag): Das einem Immobilienvermittler eingeräumte ausschließliche Vermarktungsrecht an einer Immobilie bzw. eine ausschließliche Vermittlungsermächtigung. Mit anderen Worten: Neben dem jeweilige Makler werden keine weiteren Marktmittler beauftragt.

Exonarthex: Ein der Fassade außen angegliederter → Narthex.

Expansionsgefäß: Ein Ausdehnungsbehälter als Teil einer wärmetechnischen Anlage bzw. eines Wärmekreislaufs.

Exposition: Die (passive) Ausrichtung eines Grundstücks, Gebäudes oder Bauwerks nach Himmelsrichtung bzw. bezogen auf die Einwirkflächen natürlicher Faktoren (Licht, Wind).

Externes Treppenhaus: Ein außerhalb der Gebäudekubatur errichtetes Außentreppenhaus, das durch einen oder mehrere Stege mit dem zu erschließenden Gebäude bzw. Bauwerk verbunden ist.

ExWOST: Das Kürzel für »Experimenteller Wohnungs- und Städtebau«.

EZ (Grundbuchswesen, Österreich): Das Kürzel für »Einlagezahl«.

EZ (Hotellerie): Das Kürzel für »Einzelzimmer«.

EZW (Wohnsektor): Ein u. a. in Immobilienanzeigen verwendetes Kürzel für → »Einzimmerwohnung«.