Immobilienwirtschaftliches Glossar

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Einträge zu Bauh – Bauk

Bauhauptgewerbe: Eine zusammenfassende Bezeichnung für Unternehmen, die sich vorwiegend mit der Ausführung von Rohbauten im Hoch- und Tiefbau sowie dem Landschaftsbau befassen. In Deutschland werden auch Gerüstbauer, Zimmerer und Stuckateure dem Bauhauptgewerbe zugerechnet.

Bauhaus (Lehrstätte): Eigentlich »Das Bauhaus«. Die bekannteste, der Klassischen Moderne zuzählende, von Walter Gropius gegründete Architektur-, Design- und Kunstschule im deutschsprachigen Raum. Sie entstand 1919 in Weimar, zog 1925 nach Dessau um und wurde 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen.

Bauhaus-Architektur: Siehe → Bauhausstil.

Bauhaus-Funktionalismus: Siehe → Bauhausstil.

Bauhausstil: Eine baulich-gestalterische Linie der Klassischen Moderne, die u. a. dem Internationalen Stil starke Impulse verlieh und zu einer inspirativen Quelle moderner Produktdesigns und Raumausstattungskonzepte wurde. Mit der Bauhaus-Architektur sind insbesondere die Namen Walter Gropius, Marcel Breuer und Mies van der Rohe verbunden. Im Stil des Bauhaus' errichtete Gebäude kennzeichnen schnörkellose, funktionsorientierte Konzepte, die auf einfache geometrische Formen setzten. Auf Helligkeit bzw. Lichte abhebende bauliche Ansätze verbinden sich mit einer auf die vier Grundfarben sowie Grau, Schwarz und Weiß beschränkten Farbgebung. Materialwahl und Formensprache einzelner Elemente orientierten sich an den Möglichkeiten industrieller Massenproduktion. Die angestrebte Breitenwirkung – vor allem innerhalb der Industriearbeiterschaft – erreichte der avantgardistische bzw. funktionalistische Stil nie.

Bauheben: Ein anderes Wort für »Richtfest», also eine Zeremonie, die abgehalten wird, wenn Rohbau und Dachstuhl (oder das Dach) vollendet sind.

Bauhelfer (gewerblich): Siehe → Bauhilfsarbeiter.

Bauhelferunfallversicherung: Eine private Zusatzsicherung, die ergänzend zur verpflichtenden berufsgenossenschaftlichen → Bauhelferversicherung abgeschlossen werden kann. Gedacht ist sie für private → Bauherren und auf der Baustelle mithelfende Personen, die nicht Angestellte oder Inhaber einer der beauftragen Baufirmen (im weiteren Sinn) sind (Bekannte, Verwandte, Freunde).

Bauhelferversicherung: Bauherren, die nicht bei beauftragen Bauunternehmen angestellte Bauhelfer beschäftigen (Bekannte, Verwandte, Freunde), sind verpflichtet, diese bei der → Berufsgenossenschaft für Bauwirtschaft (BG Bau) zu versichern. Dies gilt unabhängig davon, ob die Mitarbeit bezahlt oder unbezahlt erfolgt. Die Beiträge erweisen sich als vergleichsweise hoch, die Leistungen im Schadensfall vielfach als unzureichend. Bauherren (und Ehepartner) versichert die BG Bau nicht. Ihnen bietet sich die Möglichkeit, eine private → Bauhelferunfallversicherung (für sich und ihre Helfer) abzuschließen.

Bauherr: Eine natürliche oder juristische Person, die eigene oder fremde Bauvorhaben rechtlich und wirtschaftlich verantwortlich vorbereitet, durchführt oder beauftragt.

Bauherrenhaftpflicht: Jedem → Bauherren obliegt es, im Rahmen seines Bauvorhabens bestehenden Verkehrssicherungspflichten zu entsprechen bzw. die Verkehrssicherung zu gewährleisten. Wenngleich diese Pflichten regelhaft dem jeweiligen Bauunternehmer (sofern mehrere Baufirmen beteiligt sind, einem zu ernennenden Koordinator) übertragen werden, bedeutet das für den Bauherren keine Haftungsbefreiung; vielmehr hat er nun sicherzustellen, dass der beauftragte Unternehmer bzw. Koordinator bestehenden Pflichten nachkommt. Nachvollziehbar ist dies allenfalls bedingt.

Bauherrenhaftpflichtversicherung: Namensgemäß eine Versicherung, die Haftungsrisiken eines → Bauherren monetär absichern soll. Der Schadensfall erweist sich als Nagelprobe. Es empfiehlt sich, genau zu prüfen, welche Schäden unter welchen Bedingungen gedeckt sind. Besteht bereits eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung, gewährleistet diese in aller Regel eine begrenzte Absicherung von Haftungsrisiken.

Bauhilfsarbeiter: Ein im Baubereich tätiger, un- oder angelernter Arbeiter, also ein Beschäftigter ohne baufachlichen Berufsabschluss. Ungeachtet ihrer tatsächlichen Fähigkeiten, die durchaus dem Niveau von Facharbeitern entsprechen können, sind Bauhilfsarbeiter nicht zur selbständigen Erledigung von Aufgaben berechtigt, die (haftungsrechtlich) einen formalen Berufsabschluss voraussetzen.

Bauhilfsgewerbe: Sammelbezeichnung für gewerbliche Betriebe, die unverzichtbare Aufgaben im Rahmen von Bauprojekten erfüllen, ohne Bau- oder Ausbauleistungen zu erbringen. Zu den Aufgabenfeldern gehören u. a. Baustofftransport, Abraumentsorgung und Baureinigung.

Bauhof: Ein gewöhnlich mit Freiflächen, Hallen und anderweitigen Betriebsgebäuden ausgestattetes Areal, das als Lagerplatz für Baumaschinen, Bau- und Wartungsgeräte sowie Baustoffe dient. Bauhöfe werden von Bauunternehmen wie von Städten und Gemeinden eingerichtet.

Bauhöhenbegrenzung: Siehe → Bauhöhenbeschränkung (Bauplanungswesen).

Bauhöhenbeschränkung (passiv): 1. Eine Gebäude- bzw. Bauwerkshöhe, die aufgrund technischer und / oder kostenbezogener Limitationen nicht überschritten werden kann. 2. Die Tatsache, dass die Bauhöhe begrenzende Umstände technischer und / oder kostenbezogener Natur vorliegen.

Bauhöhenbeschränkung (Bauplanungswesen): Die verbindliche Festsetzung einer maximalen Bauhöhe für einzelne Gebäude, meist jedoch für die Bebauung bzw. Neubauten innerhalb eines größeren städtischen bzw. gemeindlichen Teilraumes. Höhenbeschränkungen sind ein städtebauliches Steuerungsinstrument, das auf eine längere Anwendungsgeschichte zurückblickt. Beispiele: In Philadelphia (Pennsylvania, USA) durften Gebäude nicht höher sein als das von einer Statue des Stadtgründers gekrönte Rathaus. In München (Deutschland) sind innerhalb des Ringes keine Bauhöhen zulässig, die zu einer Beeinträchtigung der sichtbezogenen Dominanz der Frauenkirche führen.

Bauhöhenlimitation (passiv): Siehe → Bauhöhenbeschränkung (passiv).

Bauholz: Eine Sammelbezeichnung für als Baustoff eingesetzte → Voll- und → Brettschichthölzer sowie entsprechende Holzwerkstoffe.

Bauindustrie: Sammelbezeichnung für mittelständische und große, vielfach Konzernstrukturen aufweisende Unternehmen des Bauhauptgewerbes.

Bauinstallationsgewerbe: Ein handwerklich ausgerichteter Gewerbebereich, der sich mit dem versorgungstechnischen Ausbau von Gebäuden und Bauwerken befasst. Zu den vertretenen Berufsgruppen zählen → Spengler, Sanitärinstallateure (Gas, Wasser), Elektroinstallateure, Heizungs- und Lüftungsbauer u. a. m.

Baukante (Bauleitplanung): Ein älteres Wort für »Baulinie», »Fluchtlinie« und die (ebenfalls überholte) »Bauflucht«. Die Grenze zwischen Bebauung bzw. der Grenze einer statthaften Bebauung und Verkehrsflächen (Gehwege, Grünstreifen, Straßen). Sofern eine Baulinie festgesetzt ist, muss die Gebäudefront unmittelbar an dieser liegen.

Baukastentreppe: Eine → Treppe, die aus einem Bausatz zusammengesetzt ist bzw. werden kann. Vertiefend siehe → Treppenbausatz.

Baukonsortium: Eine von mehreren Unternehmen begründete Arbeitsgemeinschaft zur Abwicklung eines Bauvorhabens. Ziel ist es, sich gemeinsam um einen Bauauftrag zu bewerben bzw. ihn gemeinschaftlich zu erfüllen.

Baukörpermodell (Wien, Österreich): Eine von drei Komponenten des »dreidimensionalen Stadtmodells« der österreichischen Hauptstadt (die anderen sind das → digitale Geländemodell und die → Flächen-Mehrzweckkarte). Das Baukörpermodell bildet alle Gebäude der Stadt als Prismen ab. Stand 2012 waren rund 200.000 Gebäude mit über 650.000 Baukörpern erfasst. Das Baukörpermodell stellt eine wertvolle Planungsgrundlage dar. Vertiefend siehe → Internet-Auftritt der Stadt Wien.

Baukostenindex: Eine statistische Zeitreihe, die Veränderungen tatsächlicher Baukosten abbildet, die leistenden Unternehmen entstehen.

Baukran: Eine auf Baubelange abgestimmte, händisch oder durch Motorkraft angetriebene Konstruktion zur senk- und waagrechten Bewegung bzw. Verlagerung von Lasten über sehr kurze Strecken hinweg.

Baukredit (Schweiz): Ein Kontokorrentkredit, der dazu dient, während der Bauzeit anfallende Rechnungen zu begleichen. Die Zinssätze für Baukredite sind in der Regel geringfügig höher als bei Hypotheken. Spätestens bei Fertigstellung des Gebäudes bzw. der baulichen Maßnahme wird der Baukredit konsolidiert, also in eine zinsgünstigere Hypothek übergeführt.

Baukultur: Die Gesamtheit aller Faktoren, in denen sich der gesellschaftliche Ansatz des Umgangs mit gebauten Umwelten und letztlich die räumlich-funktionale und sozio-kulturelle Organisation des Zusammenlebens im Wandel der Zeit spiegelt. Unschwer erkennbar geht der Begriff inhaltlich deutlich über reine Bau- und Architekturbetrachtungen hinaus, insofern er wesentlich auf die Art und Weise der menschlichen Organisation im Raum und von Räumen anspielt. So deckt er stadtplanerische Ansätze ebenso ab, wie Denkmalschutz und Denkmalpflege oder auch die Einpassung von Verkehrsbauwerken in die Landschaft. Baukultur ist evolutionär; sie steht im Spannungsbogen von Bewahrung und Wandel – der im Extrem eine radikale Abkehr von hergebrachten Ansätzen und Strukturen bedeuten kann.

Baukunst (allgemein): Eine Bezeichnung für »Architektur« bzw. das systematische Planen, Entwerfen und an ästhetischen Vorstellungen ausgerichtete Gestalten von Gebäuden, Bauwerken, baulichen Komplexen und Räumen.

Baukunst, avantgardistische (materiell): Eine gegenständliche Manifestation (Bauwerk, Gebäude) eines baulich-gestalterischen Verständnisses, das Ansätzen und Moden seiner Zeit vorauseilt.

Baukunst, barocke: Der in Italien aufgekommene Baustil einer von ca. 1570 bis 1770 währenden europäischen Kulturepoche. Der bzw. das Barock folgte auf die Renaissance und ging in den → Klassizismus über. Kennzeichnend ist die kontrapunktische Ablösung der von Schlichtheit getragenen renaissancezeitlichen Formensprache durch schwingende Formen. Das Zusammenspiel üppig verzierter Kuppeln, Giebel, Säulen, Portale, Türen und Fenster verdichtet sich – vom Früh- zum Spätbarock verstärkt – zu einem opulenten, lebenslustigen Eindruck. Der prunkende, der lebensfrohe Barock vollendete sich vor allem im deutschsprachigen Raum; in Frankreich, den Niederlanden und anderen Ländern herrschte eine weniger verspielte Formensprache vor. Ein herausragendes Beispiel barocker Schlossarchitektur liefert die Würzburger Residenz, die laut UNESCO als Synthese des europäischen Barocks aufzufassen ist.

Baukunst, brutalistische: Eine baulich-gestalterische Strömung, deren Namen sich von »béton brut« (Sichtbeton) ableitet. Es handelt sich um einen reduktionistischen Bau- bzw. Architekturstil, der zwischen den frühen 1950er und den ausgehenden 1960er Jahren Triumphe feierte. Kennzeichnend sind auf reine geometrische Körper setzende Gestaltungsansätze sowie – namensgebend – die Sichtbarkeit des als Baumaterial genutzten Betons (und anderer Baustoffe). Die Oberflächen wurden gewöhnlich keiner Überarbeitung unterzogen. Die Frühphase dieses Stils kennzeichnete die Materialbetonung, während der folgenden Phase regierte die Offenlegung der Gebäudetechnik als bestimmendes Moment.

Baukunst, des Historismus: Eine dem → Klassizismus folgende baulich-gestalterische Strömung, die ab 1890 nach und nach dem Jugendstil wich. Anders als der Klassizismus orientierte sie sich nicht nur an antiken Vorbildern, sondern an der jeweiligen Formensprache einer ganzen Reihe älterer Stilepochen. Sie lehnte sich vor allem an Baustile bzw. Schmuckmotive an, die für repräsentative Gebäude kennzeichnend waren. Vielfach wurden Elemente verschiedener Vorläufer in einem Gebäude verschmolzen. Da diese uneinheitliche Stilrichtung eine dem deutsch-französischen Krieg von 1870 / 1871 folgende Phase stürmischer Unternehmensgründungen im industriellen Bereich dominierte, wird sie auch »Gründerzeitstil« genannt.

Baukunst, des Jugendstils: Eine Sammelbezeichnung für baulich-gestalterische Modeströmungen, die sich gegen Leitbilder des → Historismus wandten und zwischen 1890 und 1920 verbreitet waren. Gemeinsam ist ihnen die Vorliebe für geschwungene Linienführungen, großflächige Floralelemente und eine Ablehnung alles beherrschender Symmetrien. Ein Leitgedanke war es, Fassadengestaltung, Innenausbau und Innenausstattung als harmonisches Ganzes zu entwickeln und die Kunst in den Rang einer Alltagserfahrung zu erheben. Zugleich versuchte der Jugendstil, die Funktion eines Gebäudes bzw. Bauwerkes in dessen Erscheinungsbild zu spiegeln.

Baukunst, des Rokoko: Eine dem → Barock folgende bzw. dessen Spätphase begleitende, höfisch inspirierte baukünstlerische Strömung, die gegen 1730 aufkam und um 1780 auslief. Sie brach mit den strengen, an Symmetrien orientierten Gestaltungsleitbildern, der Monumentalität und der für barocke Schlösser typischen Verschränkung von Wohn- und Repräsentationsfunktionen. Die bauliche Anmutung wird leichter, schwingender, zierlicher, verspielter. Dekorativen Elementen kommt im Fassadenbereich, in der Gartengestaltung, im Innenausbau und bei der Möblierung herausragende Bedeutung zu.

Baukunst, eklektische: Ein uneinheitliches Gestaltungsprinzip bzw. dessen verwirklichtes Ergebnis, das unterschiedliche Kulturepochen typisierende Stilelemente, aber auch Materialien und Objekte zu einem eigenständigen Gesamtbild verschmilzt. Die Eklektik beruht im Allgemeinen auf individuellen Vorlieben bzw. einem willkürlich anmutenden Ansatz. Eklektische Ansätze spiegeln sich in den meisten architektonischen und innenarchitektonischen Strömungen seit dem Aufkommen des → Klassizismus'.

Baukunst, eklektizistische: Siehe → Baukunst, eklektische.

Baukunst, gotische: Eine zwischen → Romanik und Renaissance stehende architektonische Linie. Voran die sakrale, von augenfälligem Höhenstreben geprägte Architektur dieser Ära weist ein Hauptmerkmal auf: Eine auf Raumwirksamkeit und Lichtdurchflutung setzende Bauweise. Die Außenwände zeigen sich von großflächigen Fenstern durchbrochen, die Innenräume bestechen durch hohe Strebepfeiler und Kreuzrippengewölbe. Gewölbemassen und Wandstärken sind gegenüber romanischen Vorläufern deutlich verringert. Tragende konstruktive Elemente sind weitgehend aus dem Inneren in den Außenbau verlagert; sie stellen sich vielfach als eindrucksvolle Strebewerke dar. Die Konstruktion gotischer Bauwerke wurde durch eiserne Ring- und Zuganker unterstützt, die sich im 13. Jahrhundert verbreiteten. Zwei typische architektonische Elemente sind das → Spitzbogenfenster (dermaßen hervorstechend, dass der Stil zunächst »Spitzbogenstil« genannt wurde) und das Maßwerk, ein um 1215 erstmals aufscheinendes Zierelement. Der Begriff »Gotik« kam im 16. Jahrhundert in Italien auf; er wurde seinerzeit abfällig verwendet.

Baukunst, gründerzeitliche: Eine andere Bezeichnung für die Architektur des Historismus. Die auf den → Klassizismus folgende baulich-gestalterische Strömung wich ab 1890 nach und nach dem → Jugendstil. Anders als der Klassizismus orientierte sie sich nicht ausschließlich an antiken Vorbildern, sondern an der jeweiligen Formensprache zahlreicher früherer Stilepochen. Sie lehnte sich vor allem an Baustile bzw. Schmuckmotive an, die repräsentative Gebäude kennzeichneten. Vielfach wurden Elemente verschiedener Vorläufer in einem Gebäude verschmolzen. Der Name dieser uneinheitlichen Stilrichtung rührt daher, dass sie während der dem deutsch-französischen Krieg von 1870 / 1871 folgenden Phase stürmischer Unternehmensgründungen im industriellen Bereich die im deutschsprachigen Raum vorherrschende Architekturströmung darstellte.

Baukunst, islamische: Ein Oberbegriff für baulich-gestalterische Ansätze, die prägend für den islamischen Kulturkreis sind bzw. Bauwerken, Gebäuden und (Alt)Städten in einzelnen Großregionen innerhalb dieses Kulturkreises ein typisches Erscheinungsbild verleihen. Angesichts der großen Erstreckung dieser Gebiete – sie reichen von Südspanien über West- und Nordafrika, den Nahen und Mittleren Osten über Indien bis nach Indonesien – naheliegend, unterscheiden sich jeweilige Architekturen mehr oder weniger deutlich voneinander. Akzentuierend wirkte u. a., dass die Blütezeiten einzelner Reiche in verschiedene Epochen fielen. Zudem stehen rein islamische Gebiete neben Großregionen, in denen unterschiedliche Kulturen mit ursprünglich eigenständigem Architekturverständnis einander beeinflussten (etwa auf dem indischen Subkontinent). So hebt sich die maurische Architektur von der iranischen ab, diese von der osmanischen, diese wiederum von der indo-islamischen. Gleichwohl bestehen zahlreiche Gemeinsamkeiten. Gleichwohl bestehen zahlreiche Gemeinsamkeiten. »islamische Architektur« deckt – im Gegensatz zum Begriff der »christlichen Architektur», der sich nur auf Sakralbauwerke bezieht – sowohl den sakralen als auch den profanen Bereich ab.

Baukunst, klassizistische: Die → Architektur einer ab 1770 den → Barock ablösenden baustilistischen Periode, die gegen 1850 auszuklingen begann. Kennzeichnend war eine formensprachliche Orientierung am antiken Tempelbau griechischer Prägung, teils auch eine Rückbesinnung auf baulich-gestalterische Leitbilder der frühen italienischen Renaissance.

Baukunst, manieristische: Eine architektonische Linie im Übergang von der Hochrenaissance zum Frühbarock. Manieristische Bauten und Anlagen kennzeichnet eine gezierte, überkandidelte, teils ins Groteske spielende Anmutung; ihre allegorischen Elemente gaben dem »gemeinen Volk« Rätsel auf.

Baukunst, monastische: Die Klosterbaukunst bzw. eine für → Klöster verschiedener Epochen und Kulturkreise typische bauliche und gestalterische Strömung, aber auch eine Sammelbezeichnung für all diese Strömungen.

Baukunst, monumentale: Eine Sammelbezeichnung für baulich-gestalterische Ausdrucksformen, die Größe betonen bzw. deren Leitmotiv Größe ist. Bezogen auf die physische Dimension handelt es sich um → Bauwerke, die alltägliche Maßstäbe sprengen, ins Gigantische überhöhen und Betrachter bzw. Besucher gleichsam verzwergen. Derartige Bauwerke spiegeln eine Geisteshaltung, die Größe mit Bedeutung gleichsetzt. Teils bezwecken Monumentalbauwerke, Menschen einen Eindruck individueller Bedeutungslosigkeit zu vermitteln, teils dienen sie dazu, Stolz einzuimpfen, das Bewusstsein, einer Gemeinschaft (Klasse, Volk usw.) anzugehören, die anderen technisch und / oder kulturell überlegenen ist. Einen ins Groteske übersteigerten Hang zur Monumentalität lassen ideologisch und / oder von Personenkulten getragene Diktaturen erkennen. Beispiele: Hitlers absurde Planung von Germania (Berlin) und die gigantomanischen Projekte stalinistischer Prägung.

Baukunst, neogotische: Siehe → Baustil, neugotischer oder → Neugotik.

Baukunst, neoromanische: Siehe → Baustil, neuromanischer oder → Neuromanik.

Baukunst, neugotische: Die baulich-gestalterische Ausdrucksform einer die gotische Formensprache aufgreifenden Strömung, deren Blütezeit zwischen 1830 und 1900 lag. Die mittelalterliche Vorbilder idealisierende und optisch häufig glättende Linie prägte insbesondere den Kirchenbau sowie den Bereich staatlicher Einrichtungen (Postämter, Rathäuser, Schulen, Universitäten usw.). Mit Blick auf bauliche Details wird fühlbar, dass neugotische Bauwerke stilistisch »reiner« als die meisten ihrer bemühten, über die Zeit hinweg überformten Vorbilder anmuten. Auch fällt auf, dass verbreitet industriell hergestellte Bauelemente eingesetzt wurden.

Baukunst, neuromanische: Eine baulich-gestalterische Strömung, die während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufkam und bis um 1925 verbreitet war. Namensgemäß lehnte sich der Stil stark an romanische Vorbilder des westlichen Europa an, amalgamierte zugleich jedoch Elemente der byzantinischen Architektur; in den Kirchenbau flossen zudem gotische Konstruktionselemente (Kreuzrippengewölbe usw.) ein. Die Neuromanik verbreitete sich zunächst vor allem im kirchenbaulichen Bereich, griff später jedoch zunehmend auf Profanbauten über. Ein bekanntes Beispiel für ein neuromanisches Bauwerk (mit eklektischer Innenausstattung) ist Schloss Neuschwanstein in Hohenschwangau bei Füssen.

Baukunst, platereske: Siehe → Baustil, plateresker (Spanien) oder → Plateresco (Architektur, Spanien).

Baukunst, profane: Baustile bzw. bauliche Moden und Bauweisen, die typisch für nicht religiös genutzte Gebäude und Bauwerke sind.

Baukunst, romanische: Eine europäische Architekturlinie, die vom Anfang des 11. Jahrhunderts bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts, in manchen Regionen bis um 1350, vorherrschte. Der Begriff spielt auf eine unverkennbare Orientierung an der römischen Baukunst an. Von dieser entlehnt, jedoch zu einer eigenen Mischung fortentwickelt, wurden Gewölbeformen, Pfeiler, Säulen und – vor allem – der Rundbogen. Kennzeichnend sind starke, von vergleichsweise wenigen, häufig kleinflächigen Fenstern aufgelöste Mauern, der bereits erwähnte Rundbogen und von → Würfelkapitellen abgeschlossene Säulen. Gegenüber lichtdurchfluteten gotischen Bauwerken stellen sich die Innenräume profaner wie sakraler romanischer Bauwerke schummrig bzw. düster dar. Häufig wird der romanische Stil – wie eine stilistische Linie des Spätklassizismus – als »Rundbogenstil« bezeichnet.

Baukunst, sakrale: Baustile bzw. bauliche Moden, Formensprachen und Bauweisen, die Gebäude und Bauwerke kennzeichnen, deren Errichtung religiös motiviert ist.