5.2 Was Einkaufszentren nicht sind
Bevor Planungsgrundsätze vorgestellt werden, empfiehlt es sich, einer ebenso verbreiteten wie falschen Gleichsetzung zu begegnen: Einkaufszentren sind keine Handelszentren.
|
Handelszentrum |
Einkaufszentrum |
|
|
Im wahren Wortsinne Handeln autonomer Personen, die sich miteinander auseinandersetzen, feilschen, wettstreiten Hoher Erlebniswert auch für Dritte Faszination der Begegnung, Kommunikation, Aktivität |
Primär logistische bzw. Warenverteilfunktion Wenig handlungsorientiert, kein Handel(n) im klassischen Sinne Versuch, Kaufverhalten auszulösen Faszination von Waren und Centergestaltung |
|
|
"Aktives" Modell |
"Passives" Modell |
Die Gegenüberstellung stellt vielfach gepriesene Erlebnisqualitäten moderner Einkaufszentren in Frage. Den mäßigen Erlebniswert vieler Exemplare offenbaren weitere Sachverhalte. Viele Center erheben den Anspruch, Wohlfühl-Komplexe zu sein, die Kunden zu möglichst langen Aufenthalten bewegen wollen. Das trifft so allenfalls ausnahmsweise zu: Kunden sollen wohlkalkulierte Zeitquanten in den Centers verbringen. - In reinen Einkaufszentren höchsten anderthalb Stunden. Über diese Spanne hin bleibt die Kauflust erhalten, danach flaut sie rapide ab. Will sagen: Besucher, die sich bei einem Tee stundenlang in einem Café unterhalten, belegen in florierenden Einkaufszentren Kapazitäten. Gleiches gilt für Zeitgenossen, die eine ausgiebige Warenschau betreiben, ohne einzukaufen. Dabei stört weniger ihre Gegenwart; vielmehr passt die Belegung oft knapper Stellplätze nicht ins Konzept. Dieselbe Sichtweise ist auf Citylagen, Stadtteil- und Nahbereichszentren (siehe Kurzprofile) übertragbar. Eine Ausnahme bilden mangelhaft ausgelastete Center. Hier wirken Dauergäste belebend und signalisieren eine gewisse Attraktivität jeweiliger Komplexe.
Ein weiteres Merkmal spricht gegen hohe Erlebniswerte von Einkaufszentren, zunehmend auch gewachsener Lagen: Sie stellen durch und durch kommerzialisierte Räume dar. Dieser Zug weist sie als Verkaufsmaschinen aus. Als solche sind sie - hier schließt sich der Kreis zum vorigen Absatz - auf hohen Kundendurchfluss ausgelegt. Ein derber Spruch aus Händlermund bringt es auf den Punkt: "Gute Geschäfte macht man dort, wo sich die Ärsche reiben." Pardon für die ungeschminkte Wiedergabe.