Betriebsformen & Zentrentypen (Teil 2)

4.2 Zentrentypologie

Vorstehend beleuchtete Faktoren übersetzen sich in Zentrensysteme. Einerseits bilden Städte und Gemeinden untereinander funktionale Rangfolgen aus. Ihre Bedeutung verringert sich von Metropolen über Groß-, Mittel- und Kleinstädte hin zu Landgemeinden. [11] Zum anderen prägen sich innerörtliche Zentrenhierarchien aus. Die Bedeutung ihrer Glieder fällt vom Hauptzentrum (City) über Stadtteilzentren zu Nahbereichszentren unterschiedlichen Entwicklungsgrades hin ab. Grundsätzlich gilt: Je größer und bedeutender eine Stadt (im Handelssektor) ist, umso mehr Zentrenglieder und -typen besitzt sie. Und, je bedeutender eine Stadt, desto mächtiger ist ihr Hauptzentrum entwickelt, desto mehr Betriebsformen sind am Ort vertreten. Beispielsweise stehen metropolitane Hauptzentren hinsichtlich des absoluten Flächenbestandes, des Angebotsfächer, und anderer Merkmale mehr, über großstädtischen Pendants. Und, Hauptzentren kleiner Ortschaften sind besatzbezogen häufig als mehr oder minder entwickelte Nahbereichszentren einzustufen. Hochrangige Zentren bieten neben sämtlichen Angeboten nachgeordneter Gegenstücke ein signifikantes Mehr an Funktionen bzw. Angeboten. Feststellbar ist weiterhin, dass die Ausprägung von Wohn- und Grundversorgungsfunktionen mit dem Zentrenrang korreliert: Grundversorgungsfunktionen und Wohnnutzungen nehmen mit sinkendem Zentrenrang relativ zu. Hier deutet sich ein weiterer immobilienbezogen wesentlicher Bezug an: Mit steigendem Zentrenrang nimmt der Handelsanteil innerhalb einzelner Gebäude zu. Während in Hauptlagen hochrangiger Zentren Immobilien mit vielgeschossiger Handelsnutzung vorherrschen, kennzeichnen rangniedere Gegenstücke hohe Anteile stark mischgenutzter Objekte. Die Handelskomponente wandelt sich gleichsam zum Additiv.

Werden jeweilige Zentren über Besatz- und Nutzungsmerkmale definiert und räumlich scharf abgegrenzt, lassen sich verschiedene Typen gewachsener innerörtlicher wie planmäßig entwickelter Zentren in eine Matrix transponieren, die sie mit dem Zentrenrang des Makrostandortes in Beziehung setzt und somit risiko- und ratingtechnisch klassifiziert. Es ergeben sich gleichsam Zentrenäquivalente. Das resultierende Ordnungsschema bildet folgendes (vereinfachte) Tableau ab. – Die Zentrenmatrix.


Zentrenrang

Innerörtlich

Interkommunal

Z1

Z2

Z3

Z4

Z5

Z6

Z7

Z1 (Metropole) HZ NC STZ - - NBZ - - - -
Z2 (Großstadt) - - HZ STZ NBZ - - - -
Z3 Mittelstadt) - - - - HZ - - - - NBZ - -
Z4 (Kleinstadt) - - - - HZ - - - - NBZ
Z5 (Sonstige) - - - - - - HZ - - - -
Einkaufszentrum - - EZ1 EZ2 EZ3 - -
Fachmarktzentrum - - FMZ1 FMZ2 FMZ3 - -

HZ = Hauptzentrum, NC = Nebencity, STZ = Stadtteilzentrum, NBZ = Nahbereichszentrum. Quelle: In Anlehnung an Soethe, Pfeiffer (2007), op. cit.

Nachfolgend werden Zentren verschiedener Ordnung charakterisiert. Manche Merkmale sind verschiedenen Zentrenklassen gemein, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihres jeweiligen Ausprägungsgrades. Um Wiederholungen zu vermeiden, werden diese grundlegenden Charakteristika im Rahmen der Beschreibung des hierarchisch höchsten Zentrentyps vorgestellt.

Fußnote

[11] Die Raumordnung spricht von Ober-, Mittel-, Unter-, Kleinzentren, ohne die Metropole gesondert auszuweisen. Hinzuweisen ist darauf, dass die Raumordnung von gesellschaftspolitischen Leitbilder unterlegt ist, die keinesfalls zwingend Marktmechanismen spiegeln. Da der Markt ihm zuwiderlaufende Konstrukte überspült, eignen sich raumordnungspolitische Einordnungen nicht als Ratinggrundlage.