5 Gated Communities
Während der Jahre kamen (nicht nur) in Suburbia geschlossene, vom Umfeld abgeschottete Nachbarschaften auf - die "gated communities" (bei minderem Abschottungsgrad auch "guarded communities" genannt). Gegen Ende des des zwanzigsten. Jahrhundert lebten schätzungsweise neun Millionen US-Amerikaner in rund zwanzigtausend dieser Siedlungen.
Die Bedeutung der "gated communities" schwankt je nach Region. Fallweise sind sie massiv verbreitet. Dies veranschaulicht Phoenix (AZ) - jene Großstadt mit dem zwischen 1980 und 2000 landesweit stärksten Einwohnerzuwachs (+ 106 %). Hier beläuft sich der Anteil "Schutzbedürftiger" auf reichlich zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung. - Tendenz steigend. Neuerlich drückt sich der Hang aus, all das, was dem Lebensideal dieser oder jener Bevölkerungsgruppe widerspricht, aus deren Wohnumfeld auszuschließen. Bemerkung am Rande: In dieser zunehmenden Abschottung manifestiert sich ein beängstigendes, ein selbst komponiertes Spottlied auf die selbstbeweihräuchernde Propaganda vom "Land der Freien und Mutigen"; sie deckt eine von zahlreichen Sozialpathologien auf, die einer Geisteshaltung entsprangen, die den Colt als "Peacemaker" verstand.
6 Strip Cities
Diese Siedlungsform stellt keine Stadt im Sinne herkömmlicher Definitionen dar. Sie wird verschiedentlich als Spielart der Suburb aufgefasst. Allerdings fehlt zumindest über weite Strecken hin eine Voraussetzung hierfür: Die ältere, als Ausgangspunkt ihrer Entwicklung dienende Kernstadt. Schräg ausgedrückt stellen Strip Cities "Suburbs" bedeutender Verkehrsadern dar. Diese miteinander verketteten, nahezu lückenlos entwickelten Gebilde erstrecken sich teils über Hunderte Kilometer. Beispiele finden sich entlang des Interstate 85, zwischen Atlanta (GA) und Raleigh (NC) oder zwischen Washington DC und Norfolk (VA). Diese "freeway corridors" kennzeichnen Abfolgen gering verdichteter Büro-, Industrie-, Einzelhandels- und Wohngebiete.
7 Edge Cities
Den Begriff "Edge City" prägte Joel Garreau (vgl. u. a. Edge City: Life on the New Frontier, New York, 1991.) Die Siedlungsform verquickt jene Nutzungen miteinander, die Nordamerikas drei große Suburbanisierungswellen trugen: Wohnen (Träger der 1. Suburbanisierungsphase), Einzelhandel (2. Phase), Büronutzungen (3. Phase). Ihre Entstehung gründet darauf, dass gewerbliche Nutzungen die Nähe zu Bevölkerungsschwerpunkten und Arbeitskräften suchten bzw. diesen gleichsam nachzogen. Folgende Merkmale liegen einer Einordnung als Edge City im Sinne des Wortstifters zugrunde: Über 450.000 qm Bürofläche, mehr als 55.000 qm Einzelhandelsfläche, mehr Arbeitsplätze als Wohnungen und (neuerdings) Einpendlerüberschüsse.
Zahlreiche Edge Cities sind privat geplante, errichtete und vermarktete Gebilde. Diesbezüglich unterscheiden sie sich von der wild gewachsenen "Zwischenstadt", dem Meer aneinander gereihter Suburbs, das ein Ergebnis schwacher Planungseingriffe ist (zur Zwischenstadt siehe Sieverts, Th.: Zwischenstadt: zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land, Braunschweig / Wiesbaden 1997),
Viele Edge Cities bieten ein verschwommenes Bild, erscheinen als Stadt ohne eindeutig bestimmte Mitte; sie besitzen verschiedene mehr oder minder funktionsspezialisierte Bereiche, stellen sich als Flickenteppich aus Wohngebieten, Einkaufszentren, Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Industrie- und Freizeitparks sowie Bürogebäuden einschließlich Hochhausansammlungen dar. Musterbeispiele dieses Stadttyps finden sich westlich der Landeshauptstadt, Washington DC, im Rosslyn-Ballston-Korridor (Arlington, VA).
Edge Cities liegen gehäuft an Autobahnkreuzen. In der Kernzone des Einzugsgebietes (bis fünfzehn Minuten Fahrzeit) wohnen regelhaft mehr als eine Viertelmillion Menschen. Anfangs der 90er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gab es landesweit zweihundert dieser Konglomerate, darunter siebzehn im Großraum New York und sechzehn um Washington DC. Eine Reihe Edge Cities lässt Probleme wie wachsende Büroleerstände erkennen.
Die Verwaltung der Edge Cities obliegt privaten Gesellschaften. Neuerlich gibt sich eine auf sozialen Ausschluss bzw. Zugangskontrolle ausgerichtete Siedlungsform zu erkennen.