US-Städte: Stand und Entwicklung

3.1.4.2 Einkaufs- und Multifunktionszentren

Die geschlossene Mall dürfte zu den wirkungsmächtigsten baulich-funktionalen Neuerungen des 20. Jahrhunderts zählen. - Im Grunde ist sie ein verkapptes Imitat herkömmlicher Stadtzentren mit aufgesetztem Dach, festungsartig gegen das Umfeld abgeschottet, mit riesigen Stellplatzarealen versehen, von vorn bis hinten durchgeplant und - selbstredend - rundum überwacht. Malls sind Surrogate gewachsener Erlebniswelten. Ihre Bedeutung veranschaulicht die Mall of America: Hier getätigte Jahresumsätze entsprechen dem Bruttosozialprodukt Afghanistans (vgl. Christ, W.: Los Angeles 2001 - Europäisierung von Stadt und Center, Kongreß Stadt und Center, Frankfurt / Main, 15.11.2001). Und, Malls vereinen die Hälfte landesweiter Einzelhandelsumsätze auf sich. Zum Vergleich: In Deutschland banden Einkaufszentren im Jahr 2004 rund ein Zehntel aller Umsätze.

Viele Einkaufszentren erheben sich fernab größerer Städte, an Autobahnkreuzen, in "Edge Cities", inmitten eines Teppichs gewucherter Suburbs. Viele Komplexe übertreffen die "Downtowns", die Innenstädte veritabler Mittelstädte ausdehnungsmäßig mehrfach. Selbst Bostons zentraler Einkaufsbereich wirkt winzig im Vergleich.

Manches Shopping Center bot den Kristallisationskern für die Entstehung einer Edge City. - Häufig von Entwickler- und / oder Eigentümerseite forciert, um jeweilige Zentren zu stützen, deren Umsatzbasis zu festigen und somit ihre langfristige Werthaltigkeit zu gewährleisten. Vorausschauend sicherte sich etwa der Eigentümer der Aventura Mall in Florida Grundstücke im Nahbereich, die schrittweise mit Wohnhochhäusern bebaut werden.

Center der jüngsten Generation inszenieren Warenwelten kunstfertig. Ein sehenswertes Beispiel bietet die Dolphin Mall im Westen Miami's.

3.1.4.3 Einfamilienhäuser

Im Land finden sich Eigenheimsiedlungen aller Art, jedoch fast ausschließlich zusammengesetzt aus Einzelhäusern. In Europa übliche Reihen- und Doppelhäuser widerstreben den meisten US-Amerikanern. Anzutreffen sind sie in älteren, reliktisch in europäischen Traditionen verhafteten Städten wie Boston oder Philadelphia.

Vom exklusiven Villenviertel mit eingehegten bzw. ummauerten Großgrundstücken bis hin zu Fertighausquartieren reicht die Palette. Jeweilige Siedlungen sind nach Eigentümerstatus getrennt. In Suburbs gelegene Häuser flankieren - der Leser erahnt es - zumindest zwei Autos fassende Garagen.

Besonders eindrücklich offenbart sich die durch die Verbreitung des Einfamilienhauses gezeugte "städtebauliche" Langweiligkeit im Raum Los Angeles; er erweckt den Eindruck einer "urbanen Tundra", einer von bodenkriechenden Gewächsen geprägte Landschaftsformation.