US-Städte: Stand und Entwicklung

3.1.2 Funktionsräumliche Gliederung

Die zentralen, von Bürotürmen durchsetzen großstädtischen Geschäftsviertel umkränzen Übergangszonen (transition zones), zumeist abgewirtschaftete, oft flächenhaft brachgefallene Industrie- und Lagerareale, verfallene Wohngebiete, von Spielhöllen und billigen Pensionen geprägte Quartiere. Viele dieser Gebiete beheimaten Zuwanderer der ersten Generation. Nach außen hin schließen Arbeiterwohnviertel an, weiter entfernt von den Innenstädten die Vorstädte bürgerlicher Mittelschichten.

Gegenüber Deutschland sind Büro-, Handels-, Wohnnutzungen usw. räumlich schärfer voneinander abgesetzt. Proppere Büro- bzw. Geschäftsviertel liegen teils den sprichwörtlichen Steinwurf von trostlosen Slumgebieten entfernt. So finden sich wenige Blocks abseits des White House - ein sich im umgebenden Rasenflächen verlierendes, in Nachrichtensendungen herangezoomtes Gebäude - heruntergekommene, von ersichtlicher Not gekennzeichnete Viertel.

Viele Innenstädte verloren und verlieren an Bedeutung als Einkaufs- und Geschäftskerne und lassen Verfallserscheinungen erkennen. - Nicht zuletzt infolge rasanter Suburbanisierung bzw. des abgeschmolzenen Wohnanteils. Beispiele niedergegangener Innenstädte bieten Detroit (MI) oder New Ark (NJ), deren Kerne streckenweise anmuten wie nach einem B52-Angriff. Kaum augenfällig, doch dramatische funktionale Umbrüche abbildend, entwickelte sich der Einzelhandel im Raum Washington DC: Von einst sechs großen Warenhäusern der Kapitale blieb nur eines standorttreu. Umgekehrt siedelten sich in zwei in Tyson's Corner, einer nahen Edge City, errichteten Einkaufszentren acht dieser Betriebe an.

3.1.3 Sozialräumliche Gliederung

US-Städte kennzeichnen sozial und ethnisch gleichförmige Quartier (vertiefend siehe Hintergründe der Suburbanisierung). Verbreitet bestehen flächenmächtige Ghettos und Elendsviertel. Beispiele bieten Atlanta oder Los Angeles. In Georgias Metropole bedeckt ein afro-amerikanisches Hyper-Ghettos nahezu das halbe Stadtgebiet. Im "Dorf der Engelkönigin" - das spanische El Pueblo de Nuestra Senora la Reina de los Angeles - durchmessen die Elendsgebiete von South Central und South East rund 15 km.

Entgegen ihrer Selbsteinschätzung waren die USA nie ein ethnischer Schmelztiegel - der viel zitierte "melting pott". Seit jeher regiert eine ausgeprägte ethnisch-soziale Segregation. Dies belegen die bis in jüngere Vergangenheit offizielle Rassentrennung in Bussen und Bahnen des Südens, die Schwarzen-Ghettos vieler Großstädte, Chinatowns, Little Italies, Little Sicilies, Miami's Little Haiti, die Vielzahl "rein" weißer Vorstädte oder die Ausbildungs- und Einkommensverhältnisse.

Der Sozialgradient US-amerikanischer Städte bzw. Stadtlandschaften steigt regelhaft von innen nach außen.