9 Wider Suburbia
Das heutige Siedlungssystem der US frisst buchstäblich Lebenszeit und verschwendet Energie. Lange Berufswege und auch in den USA längst schmerzhaft hohe Treibstoffkosten bedingen ein ansatzweises Umdenken. Einseitig auf eine Revitalisierung alter Stadtzentren gerichtete Ansätze greifen freilich zu kurz. Erfolg oder Misserfolg eingeleiteter Maßnahmen hängend entscheidend davon ab, ob es gelingt, das Wuchern der Vorstädte einzudämmen. Mit anderen Worten: Gefordert ist eine duale Strategie.
Gegen den anhaltenden "Urban Sprawl" gerichtete Bestrebungen können unter dem Begriff nachholende bzw. zurückholende Verdichtung zusammengefasst werden. Landesweit mehren sich vielversprechende Initiativen. So versucht Denver (CO) dem Stadtwuchern mittels verschärfter Planungsmaßgaben bzw. genehmigungsrechtlicher Restriktionen zu begegnen. Oder: In Arlington (VA) folgen die Edge Cities entlang der von Washington ausgehenden Metrolinie einem verdichtungsförderlichen Christbaumprinzip: Unmittelbar um Metrostationen herum hohe zulässige Bebauungsdichten fallen mit zunehmender Entfernung ab. Nahe der ÖPNV-Stationen durchgeführte Projektentwicklung versprechen also höhere Profite, hier getätigte Investitionen erhöhte Sicherheit.
Auch ethnische Verschiebungen können sich hinsichtlich der Stadtentwicklung günstig auswirken. So dürfte das zunehmende Gewicht hispanischer Bevölkerungen, die einer traditionell urbanen Kulturlinie entstammen, die "Rückkehr der Stadt" im Süden beflügeln. Weiterhin fördert die steigende Seniorenzahl eine Wiederbesinnung auf urbane Qualitäten.
10 Schlussbetrachtung
Die Betrachtung des US-amerikanischen Siedlungssystems erbringt ein aus mitteleuropäischer Sicht womöglich überraschendes Ergebnis: Nordamerika besitzt ein vielfältigeres Ortstypengefüge als Deutschland. Wenngleich viele Siedlungen in sich gleichförmig aufgebaut sind und sich Siedlungstypen zigfach über das Land hinweg multipliziert wiederfinden, ist die Anzahl klar unterscheidbarer Spielarten bemerkenswert groß.
Der unübersehbaren, mit Suburbias Wuchern verbundene Krise der Großstadt zu begegnen, erfordert einen langen Atem. Ursächlich für die frühzeitig einsetzende Stadtflucht US-amerikanischer Mittelschichten zeichnete maßgeblich die materielle wie ethnische Polarisierung der "Gesellschaft" gepaart mit einer rücksichtslosen, Land hemmungslos verschleißenden zivilisatorischen Grundhaltung. Die Zukunft der US-Stadt hängt davon ab, inwieweit es gelingt, (potenziellen) Suburbaniten die immensen Folgekosten des Sprawl bewusst zu machen. Spitzzüngig formuliert: Die gewohnheitsmäßigen Dollarjäger lassen sich am ehesten an der privaten Geldbörse packen.