USA - Triebfedern der Siedlungsentwicklung

3.4 Politik

Die Bundesregierung fördert Dezentralisierungsprozesse grundsätzlich weiterhin, setzt jedoch Kontrapunkte. Dies, beispielsweise, im Bereich der Umweltschutzgesetzgebung oder durch gewährte Steuernachlässe für Erhaltungsaufwendungen. Das wuchernde Suburbia wird durchaus als problematisch begriffen. Vor allem die Einzelstaaten verabschieden Umweltschutzgesetze, forcieren Denkmalschutz und Stadterneuerung; sie sind es, die versuchen, die ungezügelte Suburbanisierung einzudämmen. Stellvertretend genannt seien Maryland mit dem Programm "Smart Growth and Neighborhood Conservation" von 1997 oder New Jersey, das gezielt Land ankauft, um die Siedlungsentwicklung steuern zu können. Auch Städte versuchen sich daran, das ungehemmte Wachstum zu kanalisieren. Ein Beispiel bietet Austin (TX) mit der "Smart Growth Criteria Matrix".

C Ausblick

Das US-amerikanische Siedlungssystem bzw. mit dessen bisheriger Entwicklung verbundene Folgen betrachten zahlreiche Stadt- und Regionalplaner, Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen seit langem besorgt. Neuerdings werden sich auch immer weitere Bevölkerungskreise nachteilger Auswirkungen des Wildwuchses bewusst. Teils besinnen sich im suburbanen Raum lebende Bürger um, ziehen zurück in die Kernstädte. Noch ist ihre Anzahl gering, doch steigt sie.

Die künftige Entwicklung größerer Städte hängt entscheidend davon ab, inwieweit es gelingt, die einseitige Pkw-Orientierung der Verkehrssysteme durch den Auf- und Ausbau leistungsfähiger öffentlicher Personennahverkehrssysteme zu mindern. - Und die Bevölkerung zu motivieren, letztere anzunehmen. Unter den Metropolen besitzen einzig einige 24-Stunden-Städte, nämlich Boston, Philadelphias und New York bestens ausgebaute S- und U-Bahnsysteme. Auch Washington D. C. verfügt über eine ausgezeichnete Metro, die allerdings, im Gegensatz zu "Big Apple", nur bedingt angenommen wird. In zahlreichen metropolitanen Räumen laufen schienenorientierte Verkehrsprojekte, doch gestaltet es sich einerseits schwierig, diese umzusetzen, zum anderen können sie selbst in fortgeschrittenem Ausbauzustand lediglich Bruchteile der Bevölkerung bedienen.

Ein besonders wichtiges Moment hinsichtlich der Zukunft US-amerikanischer Städte ist im gesellschaftlichen Bereich angesiedelt: Entgegen des nationalen Selbstportraits sind die USA kein Schmelztiegel ("melting pott") vielfältiger ethnisch-sozialer Bevölkerungsteile. Versagt das Land weiterhin, dahingehend zu reifen, die traditionelle Segregation zu durchbrechen, die gegenseitige Abschottung aufzuheben, werden seine Städte mehrheitlich allenfalls pseudo-urbane Züge erlangen können.

Die Chancen einen Wandel herbeizuführen, stehen schlecht. Die rasante Verbreitung der vielen Spielarten von Gated Communities verdeutlicht vielmehr eine beschleunigte, ständig krasser aufscheinende Neigung, sich sozial voneinander zu isolieren und räumlich zu separieren. Aussichten, das suburban geprägte Siedlungssystem flächendeckend grundsätzlich zu wandeln, bestehen selbst im günstigsten Fall schwerlich. Tendenziell überdurchschnittlich gut dürften sich diesbezügliche Chancen längerfristig in zunehmend von hispanischen Kulturträgern geprägten Landesteilen, voran Südkalifornien und Florida, darstellen. Dies einmal, insofern die hispanische Tradition vergleichsweise stadtfreundlich ist, zum anderen angesichts begrenzter erschließbarer Landreserven.