5.4 Trend zur Informationsgesellschaft?
Neuerdings bestehen umfassendere Informationsmöglichkeiten als je zuvor. Nur, steht diesen eine unüberschaubare Informationsfülle gegenüber, die sich u. a. aus multiplizierter Produktvielfalt, rapide verkürzten Produktlebenszyklen, allgemeiner Erkenntnisschwemme usw. ableiten. Pointiert läßt sich feststellen, daß immer mehr Leute über immer weniger Sachgebiete / Produkte usw. informiert sind, bis sie schließlich über Nichts die volle Information besitzen. Kurz: Wahrscheinlich gab es nie vormals eine - bezogen auf das Gesamtangebot - uninformiertere Gesellschaft als heute. Sie sieht sich überschwemmt mit Information, die häufig bloße Werbung darstellen.
5.5 Trend zur Bildungsgesellschaft?
Der Wissensstand der Menschheit expandiert stürmisch. Dieser Sachverhalt impliziert beschleunigte Verfalls- bzw. Halbwertszeiten von Wissen. Sie waren nie kürzer als heute. Nahezu unausweichlich gewinnt ein Pragmatismus an Bedeutung, der sich auf die Vermittlung von Problemlösungsinstrumentarien, die Fähigkeit des Umganges mit inflationierenden, immer kurzlebigeren Informationen stützt. Er verlangt auch danach, Überholtes rasch und effizient auszumustern, zu vergessen.
Die neue Form von Bildung dient vorrangig Erlangung und / oder Sicherung persönlicher Wettbewerbsfähigkeit an diffuser werdenden, von Spezialistentum gekennzeichneten Arbeitsmärkten. Dieser Trend richtet sich klar gegen Bildungsvorstellungen klassischer Prägung. Das humanistische Bildungsideal, ja Bildung per se, verliert ihren soziokulturellen Stellenwert. Es entwickelt sich
Dieser Trend steht in engem Zusammenhang mit dem
5.6 Trend zur Job-Gesellschaft
Früher wurden Berufe - häufig Familientradition - erlernt und in der Regel über die gesamte Erwerbstätigenphase hin ausgeübt. Heute geraten mehrmalige Wechsel von Tätigkeitsfeldern zur Normalität. Der Bezug von Beruf und Berufung löst sich auf. Der Zweck des Gelderwerbs erfährt eine stärkere Betonung, das Einkommen einen höheren sozialdifferenzierenden Stellenwert. Beruf wandelt sich zum Job. Dieser Trend verkörpert soziale, ethische und kulturelle Umbrüche, die US-amerikanischen Mustern folgen. Ziel ist es, viel Geld zu verdienen - gleich wie, womit und mit welchen Folgen. Kinder jobben, Senioren jobben und alle anderen jobben ebenso. Der Schlosser hat keinen Beruf, sondern einen Job und so verhält es sich bei Anwälten und Lehrern. Einerseits verleiht dies den USA einen vitalen Zug, der u. a. eine weit größere Reaktivität auf sich wandelnde Arbeitsmarktbedingungen gewährleistet, andererseits manifestieren sich in diesem Phänomen Zwänge und soziale Desintegrationsprozesse. Verantwortungsbewußtsein und -willen fördert dieser Trend sicherlich nicht.