Deutschland 2020: Trends und Perspektiven

4.4 Ausländeranteil

Die Zahl in der Republik lebender Ausländer wächst durch Zuwanderung und noch höhere Geburtenraten. Lebten 1996 7 Mio. bzw. 8,5 % ausländische Mitbürger in Deutschland, dürfte sich ihr Anteil bis 2010 auf 11 Mio. bzw. 13 % erhöhen. Vor allem westdeutsche Großstädte bzw. Verdichtungsräume weisen einen hohen Ausländerdurchsatz auf: In der Spitze 20-30 % der Bevölkerung - Tendenz steigend.

Die Zunahme des Ausländeranteils verführt Berufene dazu, einen Trend zur Multikulturellen Gesellschaft zu postulieren. - Fälschlicherweise, da sich

Eine historische Betrachtung zeigt denn auch, daß entweder Durchmischungsprozesse stattfinden, die eine

Die Internationalisierung der Bevölkerung tangiert soziale, kulturelle und wirtschaftliche Gefüge. Sie stellt ein vorrangig (groß)städtisches Phänomen dar und prägt Ostdeutschland in geringerem Maße als den Westen der Republik. - Ein Kontrast, der sich vertiefen wird.

Eine weitere Divergenz besteht darin, daß ein Gutteil in Westdeutschland lebender Ausländer der zweiten, teils dritten Generation angehört. Realiter sind sie Eingeborene, sprich Deutsche. Auch in zeitlicher Perspektive sind Unterschiede zu konstatieren. Während der 60er und 70er Zuziehende arbeiteten, zahlten Steuern, leisteten gewichtige Beiträge zum nationalen Wohlstand. Heute dominiert eine langfristig auf Wohlfahrtsleistungen angewiesene Zuwanderung.

Wachsende Ausländeranteile verjüngen nicht nur den Altersaufbau, sondern unterstützen - in klassischen Einwanderungsländern erfahrbar - eine qualitative Veränderung des Verhältnisses von Jung und Alt. Hierzu nur ein Hinweis: Während den Eltern Sprache und Sitten noch fremd sind, weiß Junior längst, wo es langgeht. Über größere Zeiträume hinweg reagiert die Gesellschaft mit krampfhaft anmutenden Verjugendlichungsmanien, die sich nicht nur in den USA u. a. in einer textilen Juvenierung der Seniorenschaft niederschlagen. Daß sich diese Grundtendenz zu Zeiten inflationierender Seniorenanteile und einander überrollender Innovationen - etwa im Bereich der EDV, die eine Art altersgruppengebundenen Analphabetentums schafft - verstärkt ausprägen wird, liegt nahe.