Deutschland 2020: Trends und Perspektiven

4.2 Altersschichtung

Deutschlands mittelfristiges Bevölkerungswachstum begleiten gravierende Altersgruppenumschichtungen. Die Zahl von Kindern und Jugendlichen sinkt, das Gewicht höherer Altersgruppen steigt.


Jahr Gruppe in % Jugend- Alten-
< 19 20 - 59 60+ quotient quotient
1992 21,5 58,1 20,4 37,0 35,0
2000 21,2 55,7 23,1 38,1 41,4
2010 18,6 56,5 24,9 32,9 44,4
2020 17,1 54,6 28,2 31,4 51,7
2030 16,8 49,6 33,6 33,9 67,8
Statistisches Bundesamt

Der Überalterung entspringende Auswirkungen auf Wirtschaft, soziale Verfassung, und Marktgegebenheiten reichen weit tiefer als andere Entwicklungstrends. Es handelt sich um den Schlüsseltrend schlechthin!

Die Alterspyramide überträgt sich kostenmäßig in gravierenden Standortnachteile. Und, die Überalterung macht vor politischen Gestaltungsprozessen nicht halt: Senioren werden demokratische Mehrheit nutzen (wollen), um den Staat auf ihrer Bedürfnisse zuschneiden. In Konsequenz sehen sich ständig höher belastete jüngere Jahrgänge politischer Durchsetzungsmöglichkeiten beraubt, zumal ihnen weniger Zeit verbleiben wird, sich der Politik zu widmen. Die Gesellschaft wandelt sich von einer Schaffens- zur Unterhalts- und Pflegegesellschaft. Sie wird zur Zehrgesellschaft. Wie lange kann das funktionieren? - Horrorszenarien eröffnen sich.

4.3 Haushaltsgröße und -anzahl

Während Westdeutschlands Bevölkerungszahl zwischen 1975 und 1994 um 7,5 % wuchs, nahm die Anzahl privater Haushalte um über 26 % zu. - Ein beispielsweise für den Einzelhandel hochgradig relevanter Trend.

Die Zunahme der Haushalte ist vorwiegend zahlenmäßigen Gewinnen von Ein- und Zwei-Personenhaushalten zuzuschreiben, die zwischen 1975 und 1995 ein Plus von 63,3 % bzw. 39,5 % verzeichneten. Als auslösende Momente wirkten: a) Frühe Gründung eigener Haushalte, die teils wachsenden Zahlen auswärts Studierender zuzuschreiben sowie aus der Verselbständigung geburtenstarker Jahrgänge erklärbar ist. b) Steigende Scheidungsraten bei gleichzeitig abnehmender Wiederverehelichungsbereitschaft und c) Großmaßstäbige Wanderungsgewinne. Parallel zur zahlenmäßigen Zunahme privater Haushalte, entwickelte sich deren mittlere Größe rückläufig. Auch in diesem Phänomen schlagen sich frühzeitige Haushaltsgründungen nieder. Maßgeblich geht es jedoch auf abnehmende Geburtenraten zurück, zudem auf die höhere Lebenserwartung der Frau.

Hinsichtlich ihrer Auswirkungen - z. B. auf den Einzelhandel - sind aktiver und passiver Übergang in den Kleinhaushaltstyp zu unterscheiden. Der aktive Kleinhaushalt ist eine im wesentlichen stadtgebundene Erscheinung. Bezogen auf die Gesamtsumme verfügbarer Einkommen steigen z. B. die Aufwendungen für Mieten, Mietnebenkosten oder Versicherungen. Insgesamt liegt in diesem Segment ein hoher Anteil einkommensschwacher Haushalte vor. Der passiv in kleine Haushaltsgrößen gelangende Typus - insbesondere der Seniorenhaushalt - zeichnet sich durch hohe Proportionen überdurchschnittlich gutsituierter Haushalte aus. Akkumulierte Geld- und Sachvermögen (Wohneigentum) usw. führen zu überdurchschnittlicher Kaufkraft, die sich freilich nicht notwendig in Kaufbereitschaft übersetzt.

Hinter dem Trend zu kleinen Haushaltsgrößen verbirgt sich ein weitreichendes Phänomen: Eine wachsende Zahl von Frauen und Männern hat Beruf und Haushalt zu vereinbaren. Dieser Sachverhalt tangiert u. a. den Einzelhandel, weil Männer verstärkt über den Kauf von Alltagsprodukten entscheiden, während Frauen zunehmend Gewicht als Käufer technischer Produkte entfalten. Wichtiger erscheint eine tiefer greifende Deutung: Die Zunahme kleiner Haushalte verbindet sich mit einer Auflösung tradierter Rollenmuster. Die klassische Trennung in männliche und weibliche Tätigkeitsfelder löst sich sachbezogen und räumlich gleichermaßen auf. Die Gesellschaft wird gleichsam androgyn.