Hilfe für Südwest Sri Lanka

Bericht über die sechste Hilfsreise vom 08.10. - 29.10.2006 (Teil 2)

Zehnter Tag

Den Sprengstoffanschlag in Hawarane (im Norden) haben wir erst zwei Tage später der Presse entnommen, während wir von dem Angriff auf den Armeestützpunkt in Galle (im Süden) bereits am frühen Morgen durch SMS von singhalesischen Freunden informiert wurden.

Trotz heftiger Monsunregenfälle besuchten wir zehn Familien, davon fünf, für die bereits eine Patenschaft besteht, drei, deren Schicksal uns veranlasst hat, neue Patenschaften zu vermitteln und zwei bei denen wir auf Grund der ärmlichen Verhältnisse Kochgeschirr, Betten, Matratzen, Moskitonetze, Tische, Stühle und Lebensmittelpakte zur Verfügung gestellt haben.

Da es für Jungen und Mädchen mit schlechtem Schulabschluss kaum eine Möglichkeit gibt, eine Lehrstelle zu bekommen, haben wir ein Förderprogramm für die Lehrlingsausbildung von fünf Jungendlichen in Gang gesetzt. Auch der einmal pro Woche stattfindende Lehrlingsunterricht wird durch uns finanziert.

Mit einem Betrag von € 850 unterstützten wir die Einrichtung einer Förderschule für 40 Kinder mit abgebrochener Schulausbildung in Brahakkmanewatte / Balapitiya, nachdem uns eine Singhalesin ein passendes Gebäude kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Außerdem bestellten wir einer älteren Dame, die durch eine Nierenkrankheit dauerhaft bettlägerig und dadurch wundgelegen ist, für € 75 eine Wassermatratze. Eine bessere Lösung schied durch fehlenden Stroman-schluss in diesem Haus aus. Am Abend besprachen wir dann die Organisation des am folgenden Tag stattfindenden "Hörgeräte-Tages".

Elfter Tag

Wir haben in Deutschland von verschiedenen Hörgeräteakustikern insgesamt 14 analoge Hörgeräte erhalten. Da uns viele Einheimische auf ein Hörgerät angesprochen hatten, baten wir Herrn Dr. Kiriella aus dem Krankhaus in Gonagalle, unseren "Ohrentag" zu begleiten. Ohne irgendwelche Kostenberechnung konnte er 9 von 15 untersuchten Personen mit einem Hörgerät helfen. Beeindruckend war, dass ein 8-Jähriger, der aufgrund seines Hörschadens bisher noch nicht sprechen konnte, zum 1. Mal in seinem Leben Laute vernehmen konnte. Seine Eltern waren vorher nicht in der Lage, die € 200 für ein Hörgerät aufzubringen. Und sehr schön für uns anzusehen waren die strahlenden Gesichter der Patienten, als sie endlich wieder etwas hören konnten. Für ein 15-jähriges Mädchen hat uns der Arzt eine relativ schlechte Prognose gestellt. Für sie kamen nur sehr starke digitale Hörgeräte für beide Ohren in Frage, die mit Kosten von ca. € 700 verbunden sind. Alternativ wäre nur eine Ohrenoperation für ca. € 20.000 in Frage gekommen. Deshalb entschlossen wir uns, die digitalen Hörgeräte für dieses Mädchen anzuschaffen. Anschließend fuhren wir zu einer 58-jährigen Dame, der beide Beine komplett amputiert worden waren. Für sie, den Bruder und ihre Schwester, die in einem Haushalt leben, war es bisher nicht möglich, die Kosten für einen Rollstuhl ( ca. € 80) aufzubringen. Es ist unbeschreiblich, wie sich die Behinderte gefreut hat, in weniger als 1 Minute von einem Zimmer ins andere zu gelangen und mehr zu sehen, als die eigenen vier Wände. Nachfolgend besuchten wir noch acht Not leidende Familien. Für fünf Familien konnten wir neue Patenschaften vermitteln, sodass zukünftig der Lebensunterhalt der Familien und der Schulbesuch der Kinder sichergestellt sind. Bei drei weiteren Familien waren - für Europäer unverstellbar - in den mehr oder weniger baufälligen Häusern überhaupt keine Möbel vorhanden. Großeltern, Eltern und Kinder schliefen auf dem nackten Boden. In diesen Fällen sorgten wir für Betten, Matratzen, Moskitonetze, Tische, Schränke, Stühle usw.

Zwölfter Tag

Heute besuchten wir im Hinterland von Induruwa eine arme Familie, die in einem halben Rohbau-Haus lebt. Der Vater ist Gelegenheitsarbeiter und verdient entsprechend unregelmäßig Geld. Im selben Haushalt leben noch seine Frau, die Großmutter und fünf Kinder zwischen einem und vierzehn Jahren. In den zwei Zimmern gab es für acht Familienmitglieder nur ein Bett, einen Schrank, einen Tisch und ein paar Stühle. Für diese Familie haben wir einige Möbel angeschafft und eine Patenschaft vermittelt. Anschließend führte uns unser Weg in das Regionalkrankenhaus in Gonegalle im Hinterland von Induruwa. Dieses Krankenhaus besteht aus 4 Baukörpern und ist 60 Jahre alt. Die Räume erwecken den Eindruck, dass auch seit 60 Jahren keinerlei Reparaturen mehr vorgenommen worden sind. Das gesamte Krankenhausequipment ist völlig überaltert. Es fehlt z. B. ein Generator, um die Stromversorgung sicherzustellen, da regelmäßig in den Trockenzeiten der Strom für mehrere Stunden unterbrochen ist. Drei Ärzte teilen sich den 24-Stundendienst. Die beiden angestellten Hebammen müssen auch gleichzeitig den Krankenschwesterndienst übernehmen, da inklusive Hausmeister und Putzfrau nur 8 Personen angestellt sind. Dieses Krankenhaus wird täglich von 200 bis 300 Patienten konsultiert. Je acht Betten umfassen die Männerstation, die Frauenstation und die Entbindungsstation. Das Krankenhaus hat ein Budget von 700.000 Rupies p. a. (ca. € 55.000) und muss davon sämtliche Kosten inklusive Medikamente bestreiten. Trotz hunderter Briefe an die Regierung erhält dieses Krankenhaus seit Jahren keine zusätzliche Unterstützung. Entsprechend katastrophal sind die Zustände. Wir haben uns entschlossen, diesem Krankenhaus zu helfen. Dazu hat uns der Chefarzt eine "Wunschliste" zusammengestellt, die wir bei den nächsten Reisen sukzessive abarbeiten.

Dreizehnter Tag

Anlässlich des 1-jährigen Bestehens unserer Steinhaussiedlung "Coconut Garden" veranstalteten die Bewohner eine kleine Zeremonie mit einem buddhistischen Mönch. In diesem Rahmen haben wir an zwei behinderte Personen Rollstühle übergeben und einem Querschnittgelähmten ein Tricycle, da sein bisheriges Arbeitsgerät als Losverkäufer zu Bruch gegangen war. Weiterhin übergaben wir einem am Bein schwer verletzten Gelegenheitsarbeiter ein Tuk-Tuk, damit er nun seinem neuen Beruf als Tuk-Tuk-Fahrer nachgehen kann.

Vierzehnter Tag

Vormittags haben wir einer buddhistischen Sonntagsschule in einer kleinen Zeremonie 40 Kinderstühle aus Plastik übergeben.

Fünfzehnter Tag

Am Vormittag übergaben wir einer halbseitig gelähmten Witwe mit drei Kindern einen Rollator. Dem 17-jährigen Sohn, der seine Schulausbildung abgeschlossen hat, aber ohne Weiterbildung keinen Job findet, vermittelten wir eine kostenlose Weiterbil-dungsschule einer englischen Hilfsorganisation.

Nachmittags besuchten wir drei Familien in Beruwala, Bentota und Payagala, denen wir neue Patenschaften vermittelt haben. Außerdem haben wir eine bettelarme Familie besucht, der wir eine Lebensmittelhilfe und Einrichtungsgegenstände zur Verfügung stellten.

Sechszehnter Tag

Mit dem neuen Bürgermeister von Bentota, einem langjährigen Bekannten von uns, besuchten wir heute sechs Familien, die uns als besonders hilfsbedürftig geschildert wurden. Dank der zweckgebundenen Spenden zweier Mitglieder konnten wir mit deren Spenden insgesamt vier Herzoperationen für Kinder finanzieren (3 Mädchen und ein Bub). Für eine weitere Herzoperation steht bereits ein Spender zur Verfügung. Allerdings fehlt noch die Zusage der Beteiligung des Präsidentenfonds mit 140.000 Rupies, die wir spätestens im Februar nächsten Jahres erwarten; anschließend werden wir die Operation veranlassen.

Weiterhin besuchten wir zwei sehr, sehr arme Familien, die in Lehmhütten wohnen, bei denen die Väter als Gelegenheitsarbeiter bzw. Zimtschäler nur saisonal arbeiten können und deshalb nicht genügend Unterhalt für die Familie und zur Bezahlung des Schulgeldes verdienen. Hier haben wir jeweils eine Patenschaft vermittelt.

Große Freude, endlich wieder lesen zu können, herrschte in Komalla und Haburugalla, als wir zusammen rund 200 Lesebrillen an die Personen übergeben haben, die uns vorher ihre Brillenrezepte hatten zukommen lassen. An dieser Stelle noch einmal ein großer Dank an alle Mitglieder, die für uns Brillen gesammelt haben und an Monika von Design Optik in Duisburg, die die meisten Brillen angefertigt hat. Schließlich besuchten wir noch zwei seit längerem betreute Patenfamilien und übergaben das Patenschaftsgeld.

Siebzehnter Tag

Den heutigen, mal wieder verregneten Tag nutzten wir zur Erledigung unserer Büroarbeiten.

Achtzehnter Tag

Am frühen Morgen fand eine feierliche Zeremonie zur Grundsteinlegung der Mutter-Kind-Klinik in Moragalla/Beruwala statt. Die Mönche des Tempels "Buddha Siri Vihari" haben uns für dieses Gebäude ein 500 m² großes Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Bürgermeister, mehrere Regional- und Distriktpolitiker und viele Familien aus der Umgebung wohnten dieser Feierlichkeit bei. Den Rest des Tages verbrachten wir in Gonegalle / Induruwa. Dort hatten wir in Kooperation mit dem Lions Club in Bentota einen Brillentag organisiert. Die Bevölkerung war durch Aushänge und Zeitungsmitteilungen informiert, dass in dem Gonegalletempel kostenlos Augenuntersuchungen durchgeführt wurden. Ca. 350 Personen wurden die passenden Brillen überreicht. Für 20 Personen haben wir die Kosten einer Augenoperation in Höhe von jeweils € 50 übernommen.

Neunzehnter Tag

Dank der großzügigen Unterstützung durch die Schüchtermann-Klinik in Bad Rothenfelde konnten wir dem Chefarzt des Bentota-Hospitals die freudige Mitteilung machen, dass wir alle Positionen seiner "Wunschliste" an medizinischen Geräten erfüllen konnten.

Im Krankenhaus wurde uns ein 6-jähriges Mädchen vorgestellt, das dringend eine Herzoperation benötigt. Die nach Abzug des Zuschusses des Präsidentenfonds und des durch die Eltern erbettelten Betrages notwendigen € 1.370 haben wir zur Verfügung gestellt.

Zwanzigster Tag

Schlussbesprechung mit allen Beteiligten, was bis zu unserer Rückkehr im Februar 2007 zu erledigen ist.