Hilfe für Südwest Sri Lanka

Bericht über die sechste Hilfsreise vom 08.10. - 29.10.2006 (Teil 1)

Die sechste Hilfsreise von Hans und Christine Heinrichs ging über drei Wochen. Mit den zur Verfügung stehenden € 70.000 konnte wieder viel erreicht werden.

Erster Tag

Heute setzten wir uns mit unseren singhalesischen Kontaktpersonen zusammen, die uns berichtet haben, was in den letzten drei Monaten organisiert und umgesetzt worden ist und was wir während unserer dreiwöchigen Anwesenheit zusammen erledigen können.

Zweiter Tag

Wir besuchten einen 37-jährigen Familien-vater, der insgesamt 10 Personen zu ernähren hat. Er hatte während des Tsunamis sein Tuk-Tuk (Minitaxi) verloren und musste nun im Angestelltenverhältnis die Hälfte des täglichen Umsatzes an den Besitzer abgeben. Durch den wieder aufgeflackerten Bürgerkrieg ist die Anzahl der Touristen sehr gering, so dass sein Einkommen zu wenig zum Leben aber zuviel zum Sterben war. Deshalb haben wir ihm mit der Anschaffung eines eigenen Tuk-Tuks die Möglichkeit gegeben, sich wieder selbstständig zu machen.

Am Nachmittag trafen wir uns mit unserem Schweizer Mitglied Lotti Loosli. Sie berichtete uns über sehr viele in absoluter Armut lebende Familien, die sie bereits für 23 mögliche Patenschaften vorausgewählt hatte. Außerdem haben wir die Termine festgelegt, zu denen die Familien mit bereits bestehenden Patenschaften und Fischerfamilien zur Übergabe von Regencapes und Schirmmützen besucht werden sollen. Weiterhin besprachen wir ein anstehendes Kindergartenprojekt und terminierten einen Brillentag. Des Weiteren vereinbarten wir Termine, um zwei Familien zu besuchen, bei denen die Kinder dringend Herzoperationen benötigen.

Dritter Tag

Der 54-jährige Techniker Christie muss in sechs Monaten (mit Erreichen des 55. Lebensjahres) seinen Arbeitsplatz räumen. Seine Altersvorsorge, ein eigener Reparaturladen und sein Wohnhaus, ist dem Tsunami komplett zum Opfer gefallen. Wir entschieden, ihm beim Wiederaufbau seines Geschäftes finanziell zu helfen, da er auch noch zugesagt hat, zwei ebenfalls vom Tsunami betroffene Lehrlinge auszubilden.

In Zusammenarbeit mit dem Lions-Club Bentota entschieden wir uns, für 80 Schüler einer Armenschule den sonst nicht möglichen Englischunterricht zu finanzieren, indem wir Schulmaterial und das Jahresgehalt für den Englischlehrer zur Verfügung gestellt haben. Anschließend besuchten wir eine Familie, für die eines unserer Mitglieder eine Patenschaft übernommen hat. Der Vater war beim Tsunami umgekommen. Die Mutter ist gelähmt. Die drei Söhne gehen zur Schule. Während der älteste Sohn versucht, seinen misslungenen Schulabschluss zu wiederholen, sucht der zweite Sohn nach erfolgreichem Schulabschluss nach einer Beschäftigung. Ohne ausreichende Englischkenntnisse hat er jedoch zur Zeit keine Chance. Deshalb ermöglichten wir ihm, für ein Jahr in eine Schule (Tuition-Class) zu gehen, in der zwischen vier und sechs Schüler privat unterrichtet werden. Wegen des sehr weiten Schulweges ohne Busverbindung haben wir ihm ein Fahrrad zur Verfügung gestellt. Einer weiteren Patenfamilie, die von einer englischen Hilfsorganisation mehrere Kilometer im Landesinneren ein Tsunami-Haus zur Verfügung gestellt bekommen hat, übergaben wir das Patenschaftsgeld. Der Vater als Gelegenheitsarbeiter findet nur sehr selten einen Job und muss regelmäßig mit seinem sehr stark spastisch behinderten Kind ins Krankenhaus. Eine Busverbindung ist jedoch sieben Kilometer entfernt. Deshalb beschlossen wir, dem Vater ein gebrauchtes Tuk-Tuk zur Verfügung zu stellen, mit dem er sowohl Fahrgäste befördern und somit Geld verdienen, als auch ins Krankenhaus fahren kann. Anschließend besuchten wir zwei weitere Patenfamilien, denen wir auf Grund einer sehr großzügigen Geburtstagsspende eines Mitgliedes stabile Holzhäuser bauen konnten und nun auch Toiletten und den Stromanschluss in Auftrag gegeben haben. Schließlich erfüllten wir den speziellen Wunsch eines Mitgliedes, einem armen, aber hochbegabten 9-jährigen Mädchen durch den Besuch einer englischen Privatschule die Basis für eine gute Berufsausbildung zu ermöglichen.

Vierter Tag

Im letzten Jahr berichteten wir, dass uns die deutschen Mitarbeiter einer internationalen Anwaltskanzlei ermöglicht hatten, ein Schulgebäude für eine "Armenschule", die von der Regierung keine Unterstützung erhält, in Auftrag zu geben. Heute hatten wir die Ehre, dieses Schulgebäude in Panadura mit vier Schulklassen und einem Lehrerzimmer in einer feierlichen Zeremonie seinem Zweck zu übergeben (wurde vom regionalen Fernsehen übertragen).

Fünfter Tag

Am frühen Morgen führte uns der Weg nach Kalutara. Dort inspizierten wir den Baufortschritt des im Juni beauftragten Erweiterungsbaus für die Mutter- / Kind Klinik. Die Rohbauarbeiten sind weitestgehend abgeschlossen. Der Innenausbau soll bis Januar 2007 fertig gestellt sein. Dann werden die vorherigen menschenunwürdigen Zustände vollständig beseitigt sein. Anschließend besuchten wir eine vom Tsunami leicht beschädigte Schule in Induruwa, an der rund 500 Schüler unterrichtet werden. Da der Spielplatz für die Grundschule in einem katastrophalen Zustand war, beschlossen wir, für die Schülerinnen und Schüler Spielgeräte (Rutsche, Wippe, Schaukel und Klettergerüst) anzuschaffen. Danach suchten wir den Bürgermeister von Bentota auf. Mit ihm haben wir u. a. besprochen, wann und wo wir den geplanten 2. Brillentag veranstalten, welche Kinder dringend eine Herzoperation benötigen und wie wir das Bezirkskrankenhaus weiter unterstützen können. Da die nächsten öffentlichen (kostenfreien) Zahnkliniken im 80 km entfernten Colombo oder im 40 km entfernten Ambalangoda sind, erschien es sinnvoll, im Bentota Hospital, wo entsprechende Räumlichkeiten vorhanden sind, eine Zahnarztstation einzurichten. Von der Regierung wurde zwar das Zahnarztpersonal zugesagt, jedoch keine Behandlungsgeräte. Deshalb haben wir uns entschieden, dem Krankenhaus eine komplette Zahnarztstuhleinheit für € 3.850 anzuschaffen. Mit dieser Hilfe können wir zumindest dazu beitragen, vielen, insbesondere jungen Menschen bei ihren Zahnproblemen zu helfen. Im Anschluss kontrollierten wir den Baufortschritt des neuen Grundschulgebäudes in der Bentota Gamini Schule. Die Bauarbeiten sind im vollen Gange. In aller Kürze wird die Decke über dem Erdgeschoss gegossen.

Am Abend sind wir dann noch bei der 8-jährigen Fatima vorbei gefahren, die zwischenzeitlich erfolgreich am Herzen operiert worden ist. Die ganze Familie ist sehr glücklich, dass es Fatima so gut geht.

Sechster Tag

Heute setzten wir uns mit der englischen Hilfsorganisation "Rebuild Sri Lanka" zusammen, um die von beiden Organisationen anstehenden Hilfsprojekte abzugleichen, damit Überschneidungen vermieden werden können.

Siebter Tag

Der Vormittag führte uns ins Hinterland des Fischerdorfes Payagala. Dort haben wir für eine Witwe mit zwei Kindern, die vor dem Tsunami zur Miete wohnte und keine Regierungsentschädigung erhielt, ein kleines Grundstück ausgesucht. Wir werden dort ein stabiles Holzhaus mit Stromanschluss und eine Toilette errichten. Seit dem Tsunami-Desaster versucht diese Frau, den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder durch Koch- und Putzdienste zu verdienen und hat nur ein ausgesprochen kleines und unregelmäßiges Einkommen. Deshalb haben wir uns entschieden, auch für diese Familie eine Patenschaft zu vermitteln. Die Mutter fand mit ihren Kindern seit dem Tsunami Unterschlupf bei ihren Verwandten in sehr beengten Verhältnissen. Diese sind aber nicht mehr bereit, drei weitere Mäuler zu stopfen. Anschließend besuchten wir den 6-jährigen Ramesh, der inzwischen dank unserer finanziellen Hilfe seine Herzoperation erfolgreich überstanden hat. Es war erfreulich zu sehen, wie gut es dem Jungen geht und wie toll er gewachsen ist. Er ist glücklich, jetzt zur Schule gehen zu können. Darauf folgend haben wir zwei Patenfamilien besucht, die sich sehr über ihr Patengeld und die mitgebrachten Plüschtiere, Luftballons und Gummibärchen gefreut haben. Der Nachmittag führte uns dann nach Haburugalla. Dort übergaben wir in einer kleinen Zeremonie den von uns gesponserten Brunnen an ca. 50 Familien. Außerdem besuchten wir in dieser Gegend eine schon vermittelte Patenfamilie und übergaben das Patenschaftsgeld. Am Abend trafen wir uns dann mit einigen Näherinnen, um die bereits bei der letzten Hilfsreise zugesagten drei Nähmaschinen übergeben.

Achter Tag

Heute suchten wir das Bentota Hospital auf. Der bei der letzten Reise gesponserte Brunnen war fertig gestellt, so dass die hauseigene Wasserversorgung auf Dauer sichergestellt ist. Wir übergaben diverses in Deutschland gesammeltes orthopädisches Material wie Finger- und Beinschienen, Verbandsmaterial usw.. Danach besichtigten wir ein 525 m² großes Grundstück, das wir zur Errichtung von drei stabilen Holzhäusern "für Oblachlose" erwerben werden. Außerdem haben wir zwei der 10 in Sri Lanka erworbenen Rollstühle an querschnittsgelähmte ältere Herrschaften übergeben. Von einem kleinen Dorf bei Kosgoda mit 39 Häusern und 100 Bewohnern sind in den letzten Jahren mehr als 100 Bittbriefe an den Bürgermeister, die Gemeindeverwaltung und die Regierung gesandt worden, um einen Ersatz für den versandeten Trink-wasserbrunnen zu bekommen. Eine Antwort ist bisher - möglicherweise bedingt durch schwierige Geländebedingungen (Erreichbarkeit, Bodenverhältnisse, notwendige Bohrungstiefe) und damit verbunden hoher Kosten (ca. € 1.500) - ausgeblieben. Das halbe Dorf lief zusammen, als bekannt wurde, dass wir uns für das Brunnenprojekt interessierten. Wir entschieden uns nach Rücksprache mit einem Brunnenbauer, der Bevölkerung bei unserer nächsten Reise im Februar den Brunnen errichten zu lassen. Die Freude war unbeschreiblich. Weiterhin besuchten wir mit unserem Schweizer Mitglied Lotti Loosli insgesamt 11 weitere bettelarme Familien, davon zwei Familien mit bereits bestehenden Patenschaften, denen wir das Patenschaftsgeld übergaben; weitere vier Familien kamen für neue Patenschaften in Frage, die wir deutschen Pateneltern gesondert vorstellen werden. Weiteren fünf Familien konnten wir in Form von Dachreparaturen, Hausreparaturen, Stromanschlüssen, Einrichtungsgegenständen, Lebensmittelhilfen und durch zur Verfügungstellung von Schulkleidung und Lehrmaterial unterstützen. Einigen Familien verhalfen wir durch die Anschaffung von kleineren Gerätschaften (z. B. Spinnräder zur Herstellung von Kokosseilen etc.) dazu, zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen. Ein Schicksal hat uns besonders bewegt. Eine 65-jähirge Witwe lebt in einer knapp 10 m² großen 1-Zimmer Lehmhütte. Ihre Kinder ließen sich seit vielen Jahren nicht mehr sehen. Sie versucht durch die Herstellung von Grasschlafmatten ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Verdienst reicht noch nicht einmal zum Erwerb der Grundnahrungsmittel aus. Täglich steht Hunger auf dem Speiseplan. Unser Mitglied Lotti wird regelmäßig Lebensmittelpakete vorbeibringen. Wir veranlassten, das mit Palmwedeln abgedeckte Lehmhaus abzudichten, da es überall herein regnete, den löchrigen Lehmfussboden mit einem Zementboden zu ebnen und ihr mit Bett, Schrank, Tisch und Stuhl ein würdiges Dasein zu ermöglichen. (Kinder sind uns allen wichtig, aber auch ältere Menschen dürfen nicht in Vergessenheit geraten.)

Neunter Tag

Heute besuchten wir zwölf Familien in Kosgoda, Ahungalla und Balapitiya. Für fünf Familien bestanden bereits Patenschaften. Dort übergaben wir das Patenschaftsgeld und beauftragten die Lieferung von bitter nötigen Betten, Matratzen, Moskitonetzen, Schränken, Stühlen und einen Petromax (Lampe). Besonders gefreut haben wir uns über einen asthmakranken Familienvater mit fünf Kindern - er war auf Grund seiner Krankheit nicht mehr in der Lage, seinem Beruf nachzugehen -, für den wir bei unserem letzten Aufenthalt einen kleinen Lebensmittelladen auf seinem Grundstück in Auftrag gegeben haben, welchen er jetzt erfolgreich betreibt. Außerdem kann seine Ehefrau ein wenig dazu verdienen, da wir ihr die Ausstattung zur Herstellung von Kokosseilen zur Verfügung gestellt haben. Nicht nur der Gesundheitszustand der Kinder sondern auch deren schulische Leistungen sind erheblich besser geworden, so dass wir nun eine rundum glückliche Familie vorfanden.

Die Schicksale von fünf der weiteren sieben Familien waren so heftig, dass wir für diese neue Patenschaften vermittelt haben. Beispielweise führte uns Lotti zu einer Familie mit fünf Kindern zwischen vier Monaten und acht Jahren. Der 31-jährige Vater hat keine Ausbildung und verdient als Handfischer und Angelhelfer nur ca. € 20 im Monat. Die gesamte Familie litt Hunger. Sie lebt immer noch in einer nach dem Tsunami erstellten temporären Holzhütte, die nur aus zwei Zimmern und einem kleinen Küchenanbau besteht. Für uns unfassbar war, dass für sieben Familienmitglieder nur ein Doppelbett zur Verfügung stand. Durch das Patenschaftsgeld ist nun sichergestellt, dass die Familie regelmäßig die nötigsten Grundnahrungsmittel zur Verfügung hat und die Kinder regelmäßig zur Schule gehen können. Bei einer anderen Familie mit sechs Kindern, die ebenfalls seit dem Tsunami in einem zwei Zimmer umfassenden Holzhaus leben, müssen die beiden ältesten Kinder abends zur mehreren Kilometer entfernten Großmutter zum Schlafen gehen.

Schließlich schafften wir für eine Familie mit drei Kindern, bei der der Vater in Handarbeit Kokosmatten herstellt, zwei "Webstühle" an, damit er gemeinsam mit seiner Frau einen für die Familie ausreichenden Lebensunterhalt verdienen kann.