Bericht über die dritte Hilfsreise vom 08. - 31.10.2005 (Teil 2)
Dienstag, 18.10.2005
Vormittags bis 11.30 Uhr weitere Gebetszeremonien bis zum feierlichen Einzug von 56 Mönchen. Die Mönche verteilten sich auf alle Häuser (weitere Gebete) und wurden anschließend nach singhalesischem Brauch bewirtet. Selbst uns wurde die Ehre zuteil, durch die Mönche gesegnet zu werden.
Mittwoch, 19.10.2005
In der Wohnsiedlung fand eine Reggae Party für Bewohner, Verwandte und Nachbarn statt.
Donnerstag, 20.10.2005
Im Auftrag einer Anwaltskanzlei haben wir die weitestgehend zerstörte Grundschule in Payagala besichtigt und uns mit einem Verantwortlichen aus Colombo getroffen. Der Wiederaufbau der Schule wird durch eine Gemeinde aus Singapur bewerkstelligt; allerdings ist die Baugenehmigung noch nicht erteilt, so dass vor Ende 2006 die Schule nicht wieder in Betrieb sein wird. Dann wird festzustellen sein, ob die Schule noch Einrichtung und Lehrmaterial benötigt.
Für eine Familie, die ehemals im Zeltlager in Kalutara gelebt hat, haben wir uns entschieden, Baumaterial zur Errichtung eines permanenten Steinhauses zu erwerben. Der Familienvater ist Bauarbeiter und kann sich sein Haus mit dem zur Verfügung gestellten Material selbst errichten.
Freitag, 21.10.2005
An den Klinikleiter des Bentota Hospital übergaben wir die 8 abschließbaren Medikamentenschränke. Auf unsere Bitte hin hat uns der Klinikleiter eine Liste der am dringendsten erforderlichen Dinge wie z. B. Stethoskope, medizinische Geräte, Untersuchungsbett usw. zusammengestellt und übergeben. Hier werden wir versuchen, in den nächsten Monaten die erforderlichen medizinischen Geräte und Hilfsmittel sukzessive zu beschaffen.
Samstag, 22.10.2005
Die Stiftung einer deutschen Universalbank hatte uns einen Betrag von € 15.000 für die Bentota Gamini Schule zur Verfügung gestellt. In einem feierlichen Festakt wurde das Geld übergeben. Damit wird die Bibliothek ausgebaut und eingerichtet und es wird ein zusätzliches Klassenzimmer geschaffen.
Sonntag, 23.10.2005
Besuch des Behindertenheims „Sambodhi Home“ in Galle. Dieses Behindertenheim wurde durch den Tsunami sehr stark beschädigt. In diesem Heim kamen leider 52 behinderte Menschen ums Leben. Zur Zeit leben dort 62 geistig- und/oder körperlich behinderte Menschen, deren Lebensunterhalt (Essen, Trinken, Kleidung etc.) ausschließlich von Spenden bestritten wird. Wie ein großes Schild an der Außenfront verkündete, wird die Instandsetzung von „Malteser International“ durchgeführt. Die von der Straße einzusehende Außenfassade ließ auch den Eindruck entstehen, dass hier bereits Hilfe geleistet wurde. Kaum hatten wir jedoch das Innere des Behindertenheimes betreten, wurden wir eines Besseren belehrt. Alle angrenzenden Gebäude einschließlich Notküche waren in einem erbärmlichen Zustand. Wir haben bisher in Sri Lanka kaum etwas schlimmeres gesehen. Bemerkenswert ist, dass die 15 Minuten nördlich in Dondandura gelegene Niederlassung der Malteser bereits komplett renoviert ist. Unsere mitgebrachten Spenden wie z.B. Gaskocher, Gehhilfen, Medizin, Schulsachen, Reis und sonstige Lebensmittel wurden mit großer Dankbarkeit angenommen. Es ist für uns unvorstellbar, wie es hier weitergehen soll - menschenunwürdig ist viel zu milde ausgedrückt. Das Schild der Malteser International verkündete, Projektbeginn April - Ende Oktober 2005. Außer der Renovierung der Frontfassade ist hier in Sage und Schreibe 7 Monaten noch nichts geschehen. Hier werden wir versuchen, Schritt für Schritt weitere Hilfe zu leisten.
Montag, 24.10.2005, Besuch der Grundschule in Panadura.
Der Bedarf an Lehrern wird von der Regierung - je nach Anzahl von Schulklassen - gedeckt und bezahlt. Dies gilt leider nicht für Gebäude und Lehrmaterial. Die Schule verfügt aktuell zwar über Bücher, die auf dem Boden gestapelt waren, leider aber nicht über Schränke. Wir haben aus unseren Vereinsgeldern drei große Schränke für Schulbücher angeschafft. Die Musiklehrerin klagte, dass sie für den Musikunterricht keine Instrumente zur Verfügung habe. Wir veranlassten die Anschaffung von Flöten, Trommeln, Harmonikas, Triangeln usw. Auch dem Sportlehrer haben wir die fehlenden Sportgeräte angeschafft. Wir werden uns auch zukünftig bemühen, der Schule aus Vereinsmitteln entsprechend unseren finanziellen Möglichkeiten Lehrmaterial zur Verfügung zu stellen.
Die Rektorin der Schule, Mrs. Seneviratna, übergab uns einen Plan über ihre Wunschvorstellung eines zweigeschossigen Schulgebäudes für 8 Klassenräume. Wir haben uns von einem örtlichen Bauunternehmen eine Kostenschätzung fertigen lassen und leider feststellen müssen, dass unsere finanziellen Mittel für ein zweigeschossiges Gebäude nicht ausreichend sind. Auf Grund der größeren Menge an Beton und einer verstärkten Armierung (wegen des hohen Gewichts) auf dem sandigen Boden endet die Kostenschätzung bei ca. Euro 55.000,-. Die Kostenschätzung für ein eingeschossiges Schulgebäude mit vier Schulklassen für zusammen 160 Schüler und einen Lehrerraum beläuft sich auf ca. Euro 30.000,-. Wir haben uns deshalb für die eingeschossige Alternative entschieden. Der Baubeginn ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Stühle und Tische konnten gerettet werden und stehen in ausreichendem Maße zur Verfügung.
Dienstag, 25.10.2005
Heute haben wir drei Familien besucht, die uns unsere singhalesischen Freunde zur Übernahme von Patenschaften empfohlen haben. Bei der ersten Familie ist die Mutter seit 11 Jahren querschnittsgelähmt. Vor eineinhalb Jahren starb ihr Mann an einem Herzinfarkt. Zu allem Überfluss wurde dann auch noch deren Wohnhaus vom Tsunami völlig zerstört. Jetzt lebt die Mutter mit ihren drei Söhnen (11, 17 und 18 Jahre) in einem von einer befreundeten englischen Hilfsorganisation im Hinterland errichteten kleinen Steinhaus. Zwei der Söhne gehen noch zur Schule, der dritte Sohn bemüht sich um eine Lehrstelle als Mechaniker. Das einzige Einkommen, das diese Familie erhält, sind derzeit 800 Rupies (€ 6,67) im Monat als Lebensmittelhilfe von der Regierung. Wir haben der Familie 3.000 Rupies als Lebensmittelhilfe übergeben.
Die zweite Familie lebt mit Großmutter, Vater, Mutter und zwei Kindern in einer sehr kleinen Holzhütte im Hinterland. Das dritte Kind (Sohn, 13 Jahre) wurde wegen Platzmangel von Freunden aufgenommen. Die 14-jährige Tochter geht zur Schule. Die siebenein-halbjährige hat seit Geburt eine spastische und geistige Behinderung. Der Vater hatte als Bauarbeiter einen Unfall und dadurch eine Lähmung im rechten Fuß erlitten und kann deshalb nur bedingt arbeiten. Auch dieser Familie haben wir eine Lebensmittelhilfe von 3.000 Rupies übergeben.
Bei der dritten Familie hat der Vater zwar als Nachtwächter Arbeit. Die beiden Kinder (siebeneinhalb und 11 Jahre) sind seit Geburt spastisch und geistig behindert. Der 11-jährige Sohn geht zur Taubstummenschule. Der Verdienst des Vaters wird von den Kosten für Medikamente völlig aufgezehrt. Auch dieser Familie wurde eine Lebensmittelhilfe von 3.000 Rupies übergeben. Allen drei Familien werden wir die uns von Spendern angebotenen Patenschaften vermitteln.
Am Nachmittag haben wir dann noch ein Waisenhaus für Mädchen in Induruwa (Wijesinghe Childrens Home) besucht. Dort leben 54 Vollwaisen (im Alter von 3 bis 16 Jahren), die jeweils monatlich vom Staat 300 Rupien (€ 2,50) erhalten. Wir haben den Mädchen Plüschtiere, Spielsachen, Mal- und Schulutensilien mitgebracht. Die Freude war riesig.
Mittwoch, 26.10.2005
Eine große Freude konnten wir den Kindern in unserer Steinhaussiedlung in Hettimulla mit der Anschaffung von Spielgeräten für einen Kinderspielplatz machen.
Donnerstag, 27.10.2005
An 7 ehemalige Strandladenbesitzer, deren Geschäfte vom Tsunami völlig zerstört wurden, haben wir eine Existenzhilfe zum Aufbau eines neuen Ladengeschäftes übergeben.
Freitag, 28.10.2005
Dank der Kooperation mit Anita und Roland Pommer von „Hilfe für Sri Lanka e. V.“ in Großhansdorf konnten mit dem Spendenbetrag von € 1.000 zwei neue Brunnen für die Wasserversorgung von ca. 100 Familien finanziert werden. Die Umsetzung erfolgt durch Lotti Loosli.
Die nächste, wieder dreiwöchige Hilfsreise startet am 11.02.2006.