Hilfe für Südwest Sri Lanka

Bericht über die dritte Hilfsreise vom 08. - 31.10.2005 (Teil 1)

Am Samstag, den 08.10.2005 starteten Christine Heinrichs, Karin Tietz sowie Hildegard und Manfred Peter zur dritten Hilfsreise nach Sri Lanka. Hans Heinrichs folgte eine Woche später. Christine und Karin nahmen insgesamt zusätzlich 90 kg an humanitären Hilfsgütern mit, für die uns die Fluggesellschaft Condor nur € 140 berechnete. Hildegard und Manfred hätten bei ihrem Flug mit Lufthansa über Chennai mit Sri Lankan Airlines nach Columbo auch gern weitere Hilfsgüter mitgenommen, mussten aber im Vorfeld erfahren, dass nur Lufthansa bereit war, die Hilfsgüter kostenlos zu transportieren, die Sri Lankan Airlines aber pro Kilo € 18 Gebühren verlangte, obwohl die Hilfsgüter ja für die eigenen Landsleute bestimmt waren. Die Folge ist, dass die gesammelten Hilfsgüter erst im Februar nächsten Jahres ihre Empfänger erreichen werden.

Am Sonntag, den 09.10.2005 haben wir uns mit unseren singhalesischen Vertrauensleuten zusammen gesetzt und die anstehenden Projekte besprochen.

Montag, 10.10.2005

Kontakt zu zwei Patenfamilien aufgenommen. Telefonat mit Schulprojektleiter in Payagala zur Abklärung eventueller Unterstützung für die dortige Schule. Etliche Stunden mit dem Sortieren medizinischer und anderer Hilfsgüter verbracht (Gehhilfen, Kinderbekleidung, Spielsachen und Schulutensilien).

Dienstag, 11.10.2005

Besichtigung der vom Tsunami heftig betroffenen Grundschule in Panadura. Drei der fünf Schulgebäude sind völlig zerstört. Die beiden verbliebenen werden von einem Deutschen notdürftig repariert. Es handelt sich um eine Armen-Schule, die keine Aufbauhilfe der Regierung erhält. Zur Zeit besuchen ca. 120 Kinder diese Schule. Vor dem Tsunami waren es 1.200. Hier besteht großer Hilfsbedarf. Priorität ist der Bau von Schulgebäuden, da die Schüler zur Zeit auf mehrere Schulen weit verteilt sind. Eine deutsche Anwaltskanzlei hat uns die Unterstützung zugesagt. Besprechung mit der Rektorin über die Erfordernisse und eventuelle Bauvorhaben. Ein weiteres Treffen wurde für den 24.10. vereinbart zur Besprechung der Kostenvoranschläge.

Besuch der Holzhaussiedlung in Payagala. Die meisten der Familien leben immer noch in den von uns errichteten Holzhäusern. Wir waren sehr froh, dass nach 10 Monaten nun doch endlich auch das eine oder andere Holzhaus vom Roten Kreuz durch ein Steinhaus ersetzt wird. Die Freude über mitgebrachte Kinderkleidung und Spielsachen war bei den Familien sehr groß. Anschließender Besuch unserer Siedlung in Hettimulla. Hier stellten wir fest, dass die von uns finanzierte Straße jetzt geteert ist, nur die Feindecke fehlt noch.

Große Augen machten wir bei der Besichtigung unseres ehrgeizigsten Projektes, der wirklich toll gelungenen 10 Steinhäuser. Für die Bauzeit vom 8 Monaten hatten durchschnittlich 50 Arbeiter ein geregeltes Einkommen. Am Montag, den 17.10.2005, werden nach buddhistischer Tradition unsere Steinhäuser an die 10 Familien übergeben.

Am Abend trafen wir uns mit Richmond Wijeserkera (ehemaliger Schulleiter), um das Patenschaftsgeld für seinen Neffen (Eltern verunglückten tödlich beim Tsunami-Zugunglück) zu übergeben. Bei dem Gespräch schlug Herr Wijeserkera vor, ein Behindertenheim in Galle zu unterstützen, das schwer vom Tsunami beschädigt worden war. Dieses Behindertenheim werden wir am 23.10.2005 besuchen.

Mittwoch, 12.10.2005

Treffen mit Nilani Kumari (Näherin - Strandladen). Durch den Tsunami verlor sie ihre berufliche Existenz, mit der sie ihre gesamte Familie ernährte. Wir übergaben ihr eine einmalige Finanzhilfe eines Lions-Clubs zur erneuten Existenzgründung. Anschließendes Treffen mit Margaret Reed von einer privaten englischen Organisation mit dem Namen „Rebuilding Sri Lanka“ zum Erfahrungsaustausch. Da auch diese Gruppe seit Januar tätig ist und sie ebenfalls - wie wir - in Payagala Holzhäuser gebaut haben und vieles mehr, konnten wir nochmals abstimmen, so effizient wie möglich zu arbeiten.

Donnerstag, 13.10.2005

Besuch der Schule in Gomate, Bentota mit Namen Darmapala Vidiyalya. Ca. 200 Kindern dieser Schule wurden Schuhe und Schuluniformen übergeben. Wir waren von dem herzlichen Empfang sehr gerührt.

Erneuter Besuch (siehe Reisebericht 1) des Bentota Hospitals. Krankenhausführung durch den Chefarzt und Klinkleiter. Bei dieser Führung konnten wir uns von den für Europäer unvorstellbaren Zuständen überzeugen. Es fehlt an allem! Noch nicht einmal die Medikamente können in abschließbaren Schränken untergebracht werden. Spontan entschlossen wir uns, 8 Medikamentenschränke anzuschaffen (siehe 21.10.2005).

Freitag, 14.10.2005

Besichtigungsfahrt in den Süden. Hier haben wir festgestellt, dass sehr viele Familien nach 10 Monaten immer noch in Zelten oder Holzhäusern leben! Aus Gesprächen mit vielen betroffenen Familien konnten wir erfahren, dass außer der anfänglichen Lebensmittelhilfe von Seiten der Regierung keine weiteren Mittel mehr bei den Familien angekommen sind. Durch diverse Spenden von Privatpersonen konnten jedoch vereinzelte Bauprojekte in Angriff genommen werden. Übergabe von Gehhilfen an drei behinderte Personen.

Samstag, 15.10.2005

Erfahrungsaustausch mit Lotti Loosli; sie ist Schweizerin, die den Tsunami hier selbst erlebt hat und seither hier lebt und aktiv Hilfe leistet.

Sonntag, 16.10.2005

Übergabe des zweiten Patenschaftsgeldes an Ayantha (blindes Mädchen - siehe Reisebericht 2). Die Freude in der Familie über die Patenschaft ist sehr groß.

Montag, 17.10.2005

Beginn der dreitägigen Feierlichkeiten zur Einweihung unserer Steinhaussiedlung „Coconut Star Garden“. Der Start der Feierlichkeiten war eine Perehara (Prozession), bei der vom Tempel des Ortes Moragalla aus eine 500 kg schwere Buddhastatue unter Begleitung von Kandytänzern, Trommlern, Peitschenknallern, betenden Frauen und vielem mehr zu unserer Siedlung im Ort Hettimulla geleitet wurde. Hunderte von Menschen säumten die Straßen. Zeitweise wurde durch die Polizei die Hauptstraße gesperrt. In der Siedlung angekommen, wurde die Buddhastatue in dem vorbereiteten Tempel aufgestellt. Im Anschluss daran folgten mehrere Ansprachen, Fest- und Dankesreden. Anschließend erfolgte die feierliche Schlüsselübergabe an die zukünftigen Bewohner. Ab 21.30 Uhr wurde auf einem extra gebauten Podest mit Papierpavillon eine Gebetszeremonie durch mehrere Mönche eingeleitet. Diese dauerte die ganze Nacht an.