Hilfe für Südwest Sri Lanka

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    Bericht über die zweite Hilfsreise vom 04. - 19.06.2005

    Inzwischen sind unserem Verein seit der Gründung € 252.300 Spenden zugeflossen. Die Anzahl der Mitglieder beläuft sich auf 245. Der Vorstand bedankt sich bei allen Spendern und Mitgliedern für ihre finanzielle Unterstützung.

    Die vereinsseitigen Teilnehmer bei der zweiten Hilfsreise waren Christine und Hans Heinrichs sowie Ute und Christian Berlinghof. Wie schon bei der ersten Reise, wurden sämtliche Reisekosten von den Teilnehmern selbst getragen. Mit insgesamt € 80.000 starteten wir die zweite Hilfsreise. Davon waren € 30.000 für den Weiterbau der 10 Steinhäuser bestimmt.

    Nach einem reibungslosen Flug sind wir mit unseren 14 Gepäckstücken, davon 11 mit Hilfsgütern gefüllt, ohne Hindernisse in Colombo angekommen. Unsere Befürchtung, dass der Zoll Probleme machen wird, haben sich Gott sei Dank nicht bestätigt. Wegen des umfangreichen Gepäcks warteten zwei Minibusse auf uns und haben uns ins Hotel gefahren.

    Schon im April hatten wir € 6.000 nach Sri Lanka überwiesen, da uns der Bedarf nach weiteren 40 Holzhäusern gemeldet worden war.

    Nachdem uns alle Vertrauenspersonen Bericht erstattet hatten, waren wir sehr neugierig auf den Bautenstand unserer Steinhäuser. Wir waren ausgesprochen positiv überrascht, wie weit der Baufortschritt war. Zwei Häuser waren bereits inklusive Dachpfannen gedeckt. Bei dem dritten war die Dacheindeckung in vollem Gange. Bis Ende Juni soll bei zwei weiteren Häusern der Dachstuhl inklusive Dacheindeckung fertig gestellt sein. Die anderen fünf Häuser sind noch im Rohbau. Der Zeitplan sieht vor, dass alle 10 Häuser inklusive Innenausbau bis zu unserer nächsten Hilfsreise im Oktober fertig gestellt sind und dann den zukünftigen Bewohnern übergeben werden können.

    Durch die starken Monsunregenfälle von März bis Mai haben sich die Bauarbeiten etwas verzögert. Die Zuwegung zum Grundstück ist ein wenig abenteuerlich, da die nicht befestigten Straßen durch den häufigen LKW-Verkehr extrem verschlammt und ausgefahren sind. Die Wegeverhältnisse sind für die Anlieger mehr als eine Zumutung. Deshalb haben wir die von uns eingeschaltete Bauaufsicht gebeten, eine Straßenbefestigung zu beauftragen.

    Ursprünglich war vorgesehen, dass die Wasserversorgung ausschließlich über den grundstückseigenen Brunnen erfolgt. Dies hätte aber zur Folge gehabt, dass die Häuser keine Trinkwasserversorgung (wie auch bei den meisten Häusern in diesem Bezirk) gehabt hätten. Da der nächste Wasseranschluss nur 1.000 m entfernt ist, haben wir den Bau einer Wasserleitung beauftragt, damit jedes Haus auch fließendes Trinkwasser hat. Für Strom- und Wasserversorgung und Straßenbefestigung müssen ca. € 13.000 einkalkuliert werden.

    Natürlich interessierte uns auch, wie weit die insgesamt 100 Holzhäuser im Bau fortgeschritten waren. 98 Häuser sind bereits bezogen. Die restlichen beiden Häuser stehen kurz vor der Fertigstellung. Bei der Inspektion der Häuser traf uns jedoch der Schock. In 48 Häusern schliefen die Bewohner auf Bastmatten, die auf dem nackten Betonboden lagen. An Mobiliar waren ein oder zwei Stühle vorhanden, in Einzelfällen mal ein Schrank. In einigen Häusern fehlten sogar die Moskitonetze. Trotzdem waren die Menschen glücklich und dankbar, ein Dach über dem Kopf zu haben. Wir haben dann spontan entschieden, dass für jedes der 48 Häuser entsprechend dem Bedarf der jeweiligen Bewohner, Einrichtungsgegenstände wie Bett, Schrank etc. angeschafft werden.

    Wir lernten auch einige Fischerfamilien kennen, die zwar wieder glückliche Besitzer eines reparierten Fischerbootes waren, aber kein Geld hatten, um sich neue Netze zu kaufen. Auch hier haben wir spontan entschieden, Fischernetze anzuschaffen.

    Unsere "Flotte" hat sich um zwei Boote auf nunmehr insgesamt 10 erhöht. Für einen Fischer haben wir ein neues und für einen anderen ein sehr gutes gebrauchtes Boot gekauft. Darüber hinaus haben wir 10 bedürftigen Fischern mehrere Fischernetze übergeben.

    Was wir nicht für möglich gehalten hatten, aber leider den Tatsachen entsprach, war, dass etwa 2,4 km im Landesinneren auf der Höhe von Kalutara, immer noch ein Zeltcamp mit 68 Familien und rund 250 Personen stand, die bisher außer den Zelten und Lebensmittelhilfen noch keine Unterstützung erfahren haben. Zwar waren auch Regierungsvertreter in dem Camp, die aber nach inzwischen fünfeinhalb Monaten nach der Tsunami-Katastrophe noch keine Lösung angeboten hatten. Das Zeltcamp befindet sich auf dem Sportplatz der benachbarten Schule in leichter Hanglage. Wir konnten uns bei einem heftigen Regenguss davon überzeugen, dass trotz gezogener Gräben das Wasser durch die Zelte lief. In einigen Zelten waren überhaupt keine Möbel vorhanden. Eltern mit ihren Kleinkindern schliefen auf dem nackten Zeltboden. Die Stimmung in dem Zeltcamp war auch ziemlich gereizt, weil von Regierungsseite nichts unternommen wird. Mit unserem begrenzten Budget konnten wir natürlich nicht allen Familien helfen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir dafür gesorgt, dass für sechs kinderreiche Familien, denen wir je ein Grundstück kauften, dort ebenfalls Holzhäuser errichtet werden. Damit diese Familien dann nicht in leere Häuser einziehen müssen, werden wir eine Grundausstattung bereitstellen, die aus - je nach Familiengröße - ein oder zwei Betten mit Matratzen, Moskitonetzen, einem Schrank, mehreren Stühlen und einem Tisch besteht. Wir haben uns dann noch mit einer englischen privaten Hilfsorganisation in Verbindung gesetzt und diese gebeten, ebenfalls einigen Familien zu helfen.

    Mit den vielen uns zur Verfügung gestellten Spielsachen und Plüschtieren haben wir in verschiedenen Zeltlagern und Holzhaussiedlungen sehr viele Kinder glücklich gemacht. Die leuchtenden Kinderaugen in all diesem Elend waren einfach unbeschreiblich.

    Wir haben, obwohl die Tsunami-Katastrophe nunmehr fast ein halbes Jahr vorüber ist, einige Familien vorgefunden, die zwar in stark beschädigten Häusern wohnen, aber über keinerlei Wohnungseinrichtung mehr verfügen. Auch hier haben wir für eine Grundausstattung mit Besteck, Tellern, Kochgeschirr und Einrichtungsgegenständen gesorgt.

    Entsetzt waren wir, als wir dann erfuhren, dass Eltern, die über keinerlei Job verfügen, nicht mehr in der Lage sind, das Schulgeld für ihre Kinder aufzubringen. Aus dem Kreis unserer Spender waren uns einige deutsche Familien bekannt, die bereit sind, Patenschaften zu übernehmen. Hier werden wir die Verbindung zu den Bedürftigsten herstellen. Wir würden uns darüber freuen, wenn sich weitere Personen, die bereit sind, für 5 - 6 Jahre eine Patenschaft für eine Familie zu übernehmen (ca. € 50 pro Monat), bei uns melden würden.

    Einem Näher, dessen Nähgeschäft den Fluten zum Opfer gefallen ist, haben wir die Möglichkeit eines Neustarts gegeben, in dem wir ihm eine Näh- und eine Kettelmaschine gekauft haben.

    Mit den mehr als großzügigen Spenden der deutschen Partner und Mitarbeiter einer internationalen Anwaltskanzlei konnten wir das von uns vorgeschlagene Schulprojekt in Tangalle in die Tat umsetzen. Im ersten Schritt wurden die von der Flut zerstörten 25 Computerarbeitsplätze ersetzt. Neue Tische, Stühle und PC´s sowie ein Fotokopierer - die Gesamtkosten von ca. 3,8 Mio. Rupees mussten in bar bezahlt werden (größter Schein: 1.000 Rupees) - konnten der Schule in einem feierlichen Akt übergeben werden. Im zweiten Schritt erfolgt in Kürze die zur Verfügungstellung von Lehrmaterial für sämtliche Fachbereiche, die durch eine weitere großzügige Spende der Anwaltskanzlei ermöglicht wurde.


    Fazit

    Knapp sechs Monate nach der Tsunami-Katastrophe sind zwar die Schuttberge der zerstörten Häuser kleiner geworden, sie prägen aber in vielen Küstenregionen immer noch das Landschaftsbild. In den letzten drei Monaten sind sehr viele Zeltcamps Holzhäusern gewichen. Allerdings leben auch hier die Menschen unter erbärmlichen Umständen. Es gibt außerdem immer noch viel zu viele Zeltstädte, die bei den Witterungsverhältnissen (Hitze und Monsunregen) eine Zumutung für die dort lebenden Familien mit Kindern und Säuglingen darstellt. Nicht nur wir haben uns gefragt, was die Regierung für diese Leute tut, auch die Bevölkerung stellt sich die gleiche Frage. Die Regierung diskutiert nur und macht Planungen, die dann wieder verworfen werden. Ein Ergebnis ist nicht in Sicht. Für uns war auch nicht ersichtlich, was die großen Hilfsorganisationen mit ihren Millionenbeträgen an Spendengeldern für die Bevölkerung tun. Eine Ausnahme bildet Unicef, die an vielen Stellen Notunterkünfte bauen. Vom "Sri Lanka Rotes Kreuz" wird die Trinkwasserversorgung der Notunterkünfte aufrecht erhalten. Lt. Stern-Artikel vom 21.04.2005 gingen beim "Rotes Kreuz" € 124,6 Mio. Spendengelder ein. Bisher wurden erst € 33,7 Mio. Nothilfe geleistet. Warum sitzen die auf den Geldern? Die Bevölkerung benötigt die Hilfe jetzt und nicht erst in drei Jahren. Wären nicht die vielen privaten Hilfsorganisationen aus der ganzen Welt, wäre es um die Bevölkerung mehr als schlecht bestellt. Nur von diesen privaten Organisationen, insbesondere aus Europa, kommt den Tsunamiopfern direkte Hilfe zu Gute. Da nach wie vor der Tourismus noch nicht wieder Einzug gehalten hat und auch viele Geschäfte, Hotels und Restaurants noch nicht wieder eröffnet haben, ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Das von der Regierung versprochene Hilfsprogramm für die Fischer läuft nur sehr schleppend an. Einige Fischer sind zwar wieder in Besitz eines Bootes, haben jedoch keine Netze zur Verfügung und können sich diese auch nicht leisten. Andere Fischer haben ihren Motor aber kein Boot dazu. Es herrschen nach knapp einem halben Jahr immer noch chaotische Zustände. An der Südküste bei Kogalla berichteten uns Fischerfamilien, die fast ausnahmslos ihre Häuser verloren haben und auch den Tod von hundert Familienmitgliedern, darunter viele Kinder, zu beklagen haben, dass sie von der Regierung zweimal 5.000 Rupees (= insgesamt € 80) Entschädigung erhalten haben. Da die zerstörten Häuser ausschließlich in der 100 Meter Linie standen, dürfen diese auch nicht wieder aufgebaut werden. Ersatzland wird zwar in Aussicht gestellt, keiner weiß jedoch wann und wo. Nach wie vor ist die Hilfe der ausländischen privaten Hilfsorganisationen dringend erforderlich, da weder die großen Hilfsorganisationen noch die Regierung in der Lage zu sein scheinen, an dem Elend und der Armut der Tsunamiopfer etwas zu ändern.

    Unsere nächste Hilfsreise ist für Oktober 2005 schon gebucht. Es wäre außerordentlich hilfreich, wenn Sie uns weiterhin finanziell unterstützen würden. Wir versichern, dass 100% der Spendengelder den Bedürftigen zu Gute kommen.


    Die Menschen Sri Lankas bedanken sich!

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Aktualisierung: 30.11.2005© Elmar Pfeiffer, 80335 München (Impressum)Elmar.Pfeiffer@gmx.de