Hilfe für Südwest Sri Lanka

Bericht über die erste Hilfsreise vom 19.02. - 14.03.2005 (Teil 1)

1. Vorbereitung auf die Hilfsreise

Der Spendenaufruf ist erfolgreich verlaufen. Innerhalb von zwei Monaten sind rd. € 180.000 eingegangen und bereits über 200 Mitglieder dem Verein beigetreten. Die Sachspenden wie mehrere Nähmaschinen, Werkzeuge, Bettlaken, Kinderspielsachen, Kugelschreiber und medizinische Hilfsgüter werden auf vier Paletten verstaut werden müssen. Nach vielen Telefonaten wissen wir jetzt, dass man die Paletten nicht höher als 1,6 m beladen darf, die Frachtpapiere Inhalt und Gewicht pro Palette ausweisen müssen, jede Palette eingeschweißt werden muss und in Deutschland keine Zollpapiere notwendig sind. Ein befreundeter Spediteur wird die Hilfsgüter kostenlos von München zu Lufthansa Cargo in Frankfurt transportieren.

Wir haben uns entschlossen, bei der ersten Reise für die Bedürftigen insgesamt € 75.000 mitzunehmen. Bereits im Januar hatten wir unsere Vertrauensperson Kamal in Bentota beauftragt, für € 2.000 dringend erforderliche Hilfsgüter einzukaufen. Kindernahrung, Reis, Trinkwasser und Moskitonetze waren Mangelware. Entsetzt haben wir reagiert, als wir erfuhren, dass Kinder ohne Schuluniformen nicht in die wiedereröffneten Schulen dürfen. Aber was tun, wenn sich das Meer alles geholt hat? Also erhielt Kamal den Auftrag, für weitere ca. € 500 Schuluniformen zu kaufen.

Wir haben mit vielen Vereinsmitgliedern diskutiert, ob es nicht richtiger sei, das viele Geld statt in Bar mitzunehmen, auf ein Konto in Sri Lanka zu überweisen und dort nach Bedarf abzuheben. Noch sind wir nicht im Besitz eines solchen Kontos und es wird uns auch wahrscheinlich schwerfallen, für unseren in Deutschland eingetragenen Verein dort ein Konto zu eröffnen. Was uns aber letztendlich bewogen hat, das Geld in Bar mitzunehmen, ist die Tatsache, dass der größte Geldschein in Sri Lanka eine 1.000 Rupie-Note ist, die wiederum einen Wert von € 8 darstellt. Einen 1.000 Rupie-Schein bekommt man in den seltensten Fällen in den dortigen Geschäften gewechselt. Wenn wir also einer Familie den Gegenwert von € 500 zur Verfügung stellen würden, müssten wir einen ganzen Schuhkarton voller Geld übergeben. Dies wiederum wäre viel zu auffällig. Da außerdem der € wegen seiner Stärke das beliebteste Zahlungsmittel in Sri Lanka ist, werden wir den Bedürftigen Euros übergeben. Wir werden bei unseren Hilfsbesuchen immer von zwei unserer vertrauten Singhalesen begleitet, zum einen als Personschutz, zum anderen als Dolmetscher. Wir wissen, dass dort unten die Buschtrommeln sehr gut funktionieren. Deshalb werden wir, um nicht auszuschließenden Überfällen vorzubeugen, die Hilfsregion alle zwei bis drei Tage wechseln.

2. Die erste Hilfsreise

An der ersten Hilfsreise nahmen drei Vereinsmitglieder teil, Christine und Hans Heinrichs aus München und Dagmar Koch aus Berlin.

Samstag, 19.02.2005

Der Flug ging pünktlich um 23.45 Uhr ab Frankfurt. Wir alle haben uns gefreut, dass wir dieses Mal einen Nonstop-Flug mit einer Flugzeit von 9,5 Std. hatten und nicht noch irgendwo in den Emiraten zwischenlanden mussten. Die Maschine war auch bis auf den letzten Platz ausgebucht, weil sie nach einem Zwischenstop in Colombo noch nach Phuket in Thailand weiterflog. Überraschung: Nach ziemlich genau der Hälfte der Reiseszeit bekamen wir eine Durchsage des Piloten, dass eine ältere Dame im Flugzeug eine bedrohliche Herzattacke erlitten hatte und wir nun nach Ankara / Türkei zurück mussten. Nun hatten wir unseren Zwischenstop!

Sonntag, 20.02.2005

In Ankara standen wir dann etwa vier Stunden auf dem Rollfeld, als der Pilot uns mitteilte, dass bei der Maschine ein Sondercheck durchgeführt werden müsste, da die Maschine bei der Landung mit etwa 12 Tonnen Kerosin überladen war. Leider war natürlich in Ankara kein Mitarbeiter dazu in der Lage, so dass einer aus München angefordert werden musste. Ergebnis: Alle Passagiere (insgesamt ca. 270) wurden mit ihrem gesamten Gepäck wieder ausgecheckt und mit Bussen in ein flughafennahes Hotel gebracht. Dort ging es dann nach ca. 10 Std. Hotelaufenthalt wieder zurück an den Flughafen und wir konnten die inzwischen durchgecheckte Maschine wieder besteigen.

Montag, 21.02.2005

In der Hauptstadt Colombo hat sich durch die Flutkatastrophe überhaupt nichts verändert. Der Verkehr ist nach wie vor chaotisch, es existiert die Hauptstadtatmosphäre wie in früheren Zeiten. Erst 10 km außerhalb von Colombo, Richtung Süden, kann man die ersten Auswirkungen des Tsunami sehen. Zerstörte Wohnhäuser, Hütten und Geschäfte, halbzerstörte Boote und Bootwracks säumten die Straße in Richtung Süden. Die Eisenbahnschienen waren wiederhergestellt und die Menschen alle sehr beschäftigt. Großes Gerät war im Einsatz, um die Trümmer der zusammen gefallenen Häuser zu beseitigen. Je weiter man Richtung Süden kam, um so schlimmer waren die Auswirkungen der Flutkatastrophe zu sehen. Rechts und links der Straße wüste Zerstörungen, Schutt und Holzhaufen, obwohl schon sechs Wochen Aufräumarbeiten hinter den Bewohnern lagen. Der große Schock erreichte uns in einer Ortschaft vor unserem Einsatzgebiet, Maggona, kurz vor Beruwala. Hier stand kein Stein mehr auf dem anderen. Der Strand war gesäumt von Schiffswracks. Ein Polizeiboot lag halb versenkt im Wasser. Chaos wo immer man hinschaute. Hier leben die Menschen in Notunterkünften, über-wiegend in leichten Zelten. Ihre Häuser wieder aufbauen dürfen diese Menschen nicht, da inzwischen die Regierung ein Verbot ausgesprochen hat, Neubauten auf den ersten 100 Metern Strandlinie (im Gespräch waren auch 300 m) neu zu errichten. Damit wird in Zukunft der gesamte Strandabschnitt, der von der Straße und der Eisenbahnlinie begrenzt wurde, unbebaut bleiben. Bis auf wenige Holzhütten, die bereits vor dem Regierungsverbot wieder errichtet waren, wird es für diese Menschen schwierig, neue Häuser zu errichten, da landeinwärts bereits eine dichte Besiedlung vorhanden und kaum Grund und Boden zu erwerben ist. Zudem sind die Grundsstückspreise landeinwärts rapide in die Höhe gestiegen. Eine Lösung wurde den Betroffenen bisher weder von Regierungs- noch Bürgermeisterseite angeboten.

In Beruwala und Aluthgama sah es nicht viel anders aus. Dort, wo früher Ladenzeilen standen, ist alles dem Erdboden gleich. Vereinzelt sieht man noch Grundmauern, so dass man ahnen kann, wo die Häuser standen. Auch hier gibt es noch viele Zelt- und Notunterkünfte. Der Strand ist übersäht von Glasscherben und Geröll. Nur die im Betrieb befindlichen Hotels haben ihre Strandabschnitte gesäubert. Nur am Anfang von Bentota das selbe Bild. Der Bentota Beach Club (früher Robinsonclub) ist weitestgehend zerstört. Die langgezogene Halbinsel stellt sich inzwischen als Insel dar, da sich das Meer einen breiten Teil Land genommen hat. In der Zwischenzeit ist die „Insel“ aber wieder mit dem Festland verbunden.