7 Zentralität
Wie bereits erläutert, werden Kommunen zentrenhierarchische Funktionen zugewiesen. Planerisch spielt die Einwohnerzahl dabei eine nachgeordnete Rolle; vorrangig dient die (gewünschte) Stadt-Umlandbeziehung als Meßlatte. Die örtliche Einzelhandelszentralität lässt sich in den Zentralitätsindex fassen. Dieser ergibt sich aus dem Quotienten von örtlichem Einzelhandelsumsatz (mal 100) und örtlichem Marktpotential. Bei Werten über 100 überwiegen Kaufkraftzuflüsse stets auftretende Abflüsse. Eine weitere Messgröße ist die Umsatzkennziffer (Umsatz am Ort dividiert durch mittlere Verbrauchsausgabe auf Bundesebene).
Wie Beispiele von Touristen- oder Kurorten belegen, verbinden sich hohe Zentralitäts- bzw. Umsatzkennziffern nicht zwangsläufig mit nennenswerten Mittelpunktsfunktionen für das Umland; derartige Städte und Gemeinden verzeichnen häufig sogar massive Eigenpotentialabflüsse.
Zu beachten sind zudem Maßstabsverzerrungen, Effekte unterschiedlicher Kaufkraft zwischen Stadt und Land, Siedlungsbezüge, spezifische Zentralitäten usw. Weist eine Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern eine Umsatzkennziffer von 120 auf, entspricht dies einer rechnerischen Vollversorgung von 24.000 Menschen. Damit eine Großstadt mit 500.000 Einwohnern einen Wert von 120 erreicht, müssen insgesamt 600.000 Menschen versorgt werden. Bei gleicher Umsatzkennziffer steht einmal eine Mehrversorgung von 4.000 und einmal von 100.000 Leuten zu Buche. Da Einzugsgebiete nicht beliebig auszudehnen sind, sollten Großzentren zwar über 100 liegende, aber im Vergleich zu kleineren Oberzentren niedrigere Indices aufweisen.
Bezüglich aufstrebender Klein- und Mittelstädte ist ein Sachverhalt anzuführen, der bei Zeitreihenuntersuchungen Fehlschlüsse zeugen kann. Ständig wachsende Eigenbevölkerung führt bei solchen Städten über kurz oder lang zwangsläufig zu sinkenden Umsatzkennziffern, insbesondere dann, erfolgt das Wachstum zulasten der Umlandgemeinden oder weist das Einzugsgebiet unterdurchschnittliche Wachstumsraten auf. Zuzug erhöht das örtliche Eigenpotential. Andererseits büßt die Stadt Zuflüsse aus dem Umland ein, da ein Teil der Zuzügler schon vorher in der Stadt einkaufte. So kann sich hohe Attraktivität in numerischen Zentralitätsverlusten niederschlagen! Wächst andererseits die Umlandbevölkerung überproportional, steigt die städtische Umsatzkennziffer tendenziell an - sofern nicht zu viele umgebende Kleingemeinden über Schwellenwerte gehoben werden, die Einzelhandelsnutzungen zulasssen.
Dass hohe Umsatzkennziffern nur bedingt mit gewachsener Zentralität zu erklären sind, zeigen in Randgemeinden großer Zentren angesiedelte Fachmärkte, SB-Waren- und Möbelhäuser, die örtliche Umsatzkennziffern in nachgerade unglaubliche Höhen katapultieren. So erreicht Eschborn Werte jenseits 300; dass an die Ausstrahlung der Innenstadt keine überzogenen Erwartungen zu stellen sind, ist klar.
Entsprechend zentralörtlicher Stellung und städtischem Branchenbesatz stellen sich je nach Bedarfsfristigkeit sehr unterschiedliche Umsatzkennziffern ein, das heißt für den kurz-, mittel- und langfristigen Bereich sind jeweils spezifische Zentralitätswerte anzusetzen. Beispielsweise kann eine Großstadt mit hohem Gesamtindex etwa folgendes Bild zeigen: