Kleines ABC der Standortanalyse

5 Kaufkraftniveau und Einkommensverwendung

Neben der im Einzugsgebiet lebenden Bevölkerungszahl erweist sich das Kaufkraftniveau als - meist überschätztes - Kriterium, sollen am Standort gegebene Marktchancen bestimmt werden. Das Kaufkraftniveau bezieht sich auf das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen innerhalb eines definierten Bezugsraumes (in Deutschland regelhaft das Bundesgebiet). Die jeweilige Höhe in Städten, Kreisen oder Bundesländern wird in Kaufkraftkennziffern gefasst. Dieser Index gibt an, in welchem Maße die örtliche Kaufkraft positiv oder negativ vom Durchschnitt abweicht.

Im zeitlichen Vergleich liefern Kaufkraftkennziffern Anhaltspunkte bezüglich örtlicher Entwicklungstendenzen. Es ist allerdings zu prüfen, auf welche räumliche Basis sich die Indexwerte beziehen. Seit Mitte der 90er Jahre finden meist auf Gesamtdeutschland bezogene Angaben Verwendung. Sich aus dem Wechsel von westdeutscher auf gesamtdeutsche Berechnungsgrundlage ableitende Sprünge sind zu berücksichtigen.

Im Rahmen der Standortplanung erweist sich neben dem Kaufkraftniveau die Einkommensverwendung als maßgebliche Größe. Die marktwirksame Kaufkraft ergibt sich, wird die Summe ausgabefähiger Einkommen um die Nettoersparnisse (Sparquote) gemindert. Von diesem Ausgabevolumen fließen unterschiedliche Anteile in Mieten, Einzelhandelswaren, Reisen, Hausbau oder Wohnungserwerb etc. Erfahrungsgemäß paust sich vom Durchschnitt abweichende Kaufkraft in unterschiedlichem Maße auf die Ausgabenhöhe in diesen Teilbereichen durch. So liegt die einzelhandelswirksame Kaufkraft strukturschwacher Regionen in aller Regel deutlich über dem ermittelten Regionalindex, in wohlhabenden Räumen verhält es sich umgekehrt. Hier fließen höhere Anteile in Mieten, Immobilien, Urlaub und Kultur. Bei Handelsstudien finden einzelhandelsrelevante Kaufkraftindices Verwendung. Ermittelt werden diese von der BBE-Unternehmensberatung (Köln) oder der GfK (Nürnberg).

Vom Mittel abweichende Kaufkraft prägt sich unterschiedlich auf das warenspezifische Ausgabeverhalten durch. Bei knappem Budget steigt der für Nahrungsmittel und andere Grundversorgungsgüter ausgegebene Einkommensanteil an, während bei verzichtbaren Artikeln mittel- und langfristiger Ausrichtung gespart wird.

Insbesondere in kleineren Städten mit hoher Kaufkraftkennziffer empfiehlt es sich, die Einkommensstrukturen zu prüfen. Je ausgeglichener diese ausfallen, desto zuverlässigere Aussagen erbringen Kaufkraftkennziffern. Große Unterschiede begründen hingegen teils Überschätzungen örtlicher Potentiale. So ziehen hundert Großverdiener die Kaufkraftkennziffer kleinerer Städte oder Gemeinden beträchtlich in die Höhe, kaufen hier aber selten mehr als ihren Alltagsbedarf - wenn überhaupt.