4 Bevölkerungsentwicklung
Bevölkerungszahl und -entwicklung eines Ortes oder Gebietes stellen angesichts ihrer absatzbezogenen Bedeutung wichtige Standortfaktoren dar.
Die Bevölkerungsentwicklung wird maßgeblich von Wanderungsbewegungen beeinflusst. Zuwanderungsgebieten stehen Abwanderungsräume gegenüber; andere Städte, Gemeinden oder Landstriche weisen plusminus gleichbleibende Einwohnerzahlen auf. In vielen Fällen signalisiert Bevölkerungswachstum eine aufstrebende Wirtschaftsentwicklung, eine rückläufige Einwohnerzahl absteigende Tendenzen. Allerdings erweist sich diese Annahme nicht immer als zutreffend. Eindeutige Aussagen sind nur im überörtlichen Rahmen zu treffen. So verzeichnen dynamische Zentren teils deutlich abnehmende Einwohnerzahlen, weil immer mehr innerörtliche Teilräume unter Nutzungs- und Umwandlungsdruck geraten; mittlere und gehobene Schichten lassen sich jenseits der Stadtgrenzen nieder. Hiesige Orte wachsen beträchtlich - häufig ohne wirtschaftliche Bedeutungsgewinne zu verzeichnen. Wachstumsraten sagen für sich genommen also wenig aus. Beispielsweise verbergen sich hinter hohen Zuwachsraten Basiseffekte. Wächst eine Tausend-Seelen-Gemeinde um 50 %, weist sie noch immer keine tragfähigen Grundlagen für größere Nahversorger auf. Legt hingegen eine Stadt mit 150.000 Einwohnern um 5 % zu, leben hier 7.500 Personen mehr und diese bieten rechnerisch drei zusätzlichen Nahversorgern Existenzgrundlagen.
Neben absoluten Bevölkerungszahlen entfalten Haushaltsgrößen- und Altersklassengefüge Rückwirkungen auf die Inanspruchnahme von Versorgungseinrichtungen. Bei größeren Haushalten treten die Ausgabenstruktur verändernde Rationalisierungseffekte auf. Der Familienstand beeinflusst die Nachfrage unmittelbar. In kinderreichen Städten bzw. Stadtteilen verkaufen sich Kinderkleidung, Babywäsche und Windeln besser als in Rentner- und Pensionistenvierteln. Letztere bieten Kinderärzten, Kindergärten und Schulen ungünstige Standortbedingungen.