ISchulte et. al. (Hrsg.): Immobilienwirtschaftliches Wörterbuch

Buchangaben

Schulte, Lee, Paul, Gier, Evans (Hrsg.): Wörterbuch Immobilienwirtschaft. Immobilien Zeitung Verlagsgesellschaft mbH, März 2005.

Rezensionsgrund

Diese Buchbesprechung entstand, weil gehäuft Fragen bzw. Bemerkungen aus dem IK-Kreis bezüglich des Wörterbuchs von Schulte et. al. eingingen. Vorausgeschickt sei, dass ich lediglich den deutsch-englischen Teil sowie das Vorwort betrachtete. Auch sei darauf hingewiesen, dass ich weder Anglist noch Germanist bin. Meinen immobilienbezogenen Englischwortschatz erwarb ich zuvorderst im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit sowie während der Arbeit an meinem Immobilienwörterbuch. So ging diese Rezenzion erst online, nachdem in der internationalen Immobilienwirtschaft aktive "native speakers" in ihr geäußerte Kritikpunkte als begründet bezeichneten. Sie möge Schulte, Lee, Paul, Gier, Evans unterstützen, ihr Werk – wie im Vorwort ihres Wörterbuches angekündigt – fortzuentwickeln.

Selbstvermarktung

Laut Vorwort der Herausgeber ist die Immobilienbranche angewiesen auf die "zahlreichen Wortlisten, die den Weg ins Internet gefunden haben, wo sie als erste Behelfe fungieren." – Ein erster Lapsus, denn diese Listen erarbeiteten Menschen, die zumeist kenntnisreich sind, sich zumindest jedoch bemühten, treffende Übersetzungen zu bieten. Der ersten, durch nichts belegten Behauptung folgt eine weitere unbegründete Aussage: "Spätestens dann, wenn ein Begriff ... keine eindeutige Entsprechung im jeweils anderen Sprachraum besitzt, müssen diese Wörterlisten ... versagen." Diese Aussage ist – in dieser verallgemeinernden Form – als gleichermaßen hohles und überhebliches Geschwätz einzustufen. Zwar überzeugen manche Wortlisten nicht, doch viele tun es; einige entwickelten ihre Autoren zu erläuternden bzw. kontextsensiblen Quellen, die tagtäglich von Angehörigen sämtlicher immobilienwirtschaftlicher Zweige genutzt werden. Und, dies auf wiederkehrender Basis, also keineswegs im Sinne "erster Behelfe". Logfile-Auswertungen meines Immobilienwörterbuches belegen das so schlagend wie eingesehene Zugrifflisten anderer Online-Werke. Mehr noch: Einige dieser geschmähten "Wortlisten" überzeugen derart, dass für Berufsverbände, Landes- und Bundesbehörden, EU-Instanzen, die UNESCO usw. tätige Übersetzer sie längst als Referenzen benennen. Apropos: Wieso das Werk teils zeilenmächtige, in den abqualifizierten Wortlisten zu findende Begriffsbatterien identisch wiedergibt, gibt zu denken: Kupferte da wer ab, ohne Quellen zu nennen?

Fremdvermarktung

Das Wörterbuch wurde von der Immobilien Zeitung lange vor seinem Erscheinungstermin angekündigt. Die IZ rief ihre Leserschaft dazu auf, Begriffe beizusteuern. Angesichts ihrer über Jahre hin ständig verbesserten inhaltlichen Qualität und gewachsenen Marktdurchdringung bietet die Redaktion um Jan Mucha eine hervorragende Vermarktungsplattform. Sie genießt berechtigt Vertrauen, veröffentlicht kritische Stimmen und "schwierige" Texte (wie meinen Zweiteiler Immobilien als Anlage, in IZ 23 & 24 anno 2001). Es darf folglich – so denke ich – ein ehrliches Bemühen vorausgesetzt werden, der Branche "anglistisch" auf die Sprünge zu helfen. Die Redaktion ließ Vorsicht walten, insofern sie auf einen weiten Kreisen der Branche bekannten Herausgeber setzte.

Frank-Peter Unterreiner – seines Zeichens u. a. FAZ Autor – empfiehlt das Wörterbuch in Werner Rohmerts Immobilienbrief Nr. 85. Herr Rohmert, von mir geschätzt, weil kompetent und kritisch, tat er damit m. E. keinen Gefallen. Herr Unterreiner wiederholte einige im Vorspann des Wörterbuchs zu findende Aussagen leicht abgewandelt. Über das Wörterbuch an sich erfährt der Leser wenig. Außer, dass die Herausgeber angeblich zwischen amerikanischem und britischem Englisch unterscheiden. Genau das unterlassen diese freilich über weite Strecken hin. Zu findende Differenzierungen wirken zufällig eingestreut, keineswegs systematisch angestrebt. Dessen ungeachtet gibt uns Herr Unterreiner – m. W. selten als Fremdsprachenexperte auffällig geworden – eine klare Botschaft mit: "Zumindest das "Dicke" ist ein Muss für jeden Immobilien-Profii".