3 Das QualitätsZertifikat Planer am Bau
Grundsätzlich ist für die meisten Architektur- und Ingenieurbüros keine Zertifizierung zwingend vorgeschrieben. Ausnahmen regeln einzelne Normen wie z. B. bei der Planung von Brandmeldeanlagen nach DIN 14675. Aufgrund der internen und externen Vorteile ist eine Einführung eines QMS für alle Bürogrößen aber sinnvoll. Und mit einem vorhandenen QMS ist dessen Zertifizierung dann nur noch ein kleiner, aber wirkungsvoller Schritt.
3.1 Eine Idee lebt
Die Idee eines QualitätsZertifikats speziell für Architektur- und Ingenieurbüros wurde von den Initiatoren, den Bauingenieuren und langjährigen Bau-Consultants Dr. Knut Marhold und Dr. E. Rüdiger Weng erstmals im Wirtschaftsdienst Ingenieure & Architekten 12 / 2005 veröffentlicht. [Weng, E. R.: Gütesiegel für Architektur- und Ingenieurbüros: Ein interessanter Gedanke, Wirtschaftsdienst Ingenieure & Architekten 5 / 2005, S. 23 - 24]. Denn warum sollte es nicht auch für Architektur- und Ingenieurbüros eine Chance sein, sich über ein Gütesiegel zu profilieren und vom Wettbewerb positiv abzuheben? Denn Qualitäts- und Prüfzeichen schaffen Vertrauen und können für mehr Umsatz sorgen. Die Resonanz war sehr positiv, so dass am 19. Mai 2006 in Düsseldorf interessierte Architektur- und Ingenieurbüros zu einer konstituierenden Sitzung eingeladen wurden. Unter anderem wurde auf diesem Treffen der TÜV Rheinland von den Teilnehmern einstimmig als externer Zertifizierer ausgewählt. Denn der TÜV garantiert durch seinen hohen Bekanntheitsgrad und seine anerkannte Neutralität eine sehr gute Akzeptanz.
3.2 Der QualitätsStandard Planer am Bau
In weiteren Treffen mit den Pilotbüros und dem TÜV Rheinland wurde gemeinsam der QualitätsStandard Planer am Bau erarbeitet. Der Begriff Planer am Bau zielt darauf ab, dass im Bauprozess in Zukunft noch stärker das Ineinandergreifen der Disziplinen im Vordergrund stehen muss. So steht das QualitätsZertifikat allen Planern am Bau offen: Architekten, Vermessungsingenieuren, Baugrundgutachtern, Tragwerksplanern, Bauphysikern, Haustechnikern, Innenarchitekten ...
3.2.1 Zukunftssicherung und Imageförderung
Entwickelt werden sollte eine wirtschaftlich realisierbare betriebliche Umsetzung zukunftssichernder Methoden im Sinne der Hommerich-Studien [Hommerich, Ch.: Analyse der Kosten und Ertragssituation in Ingenieurbüros (Studie), Hommerich Forschung, Bergisch Gladbach, 2007] bei gleichzeitiger Nachweisbarkeit durch eine Zertifizierung sowie ein seriöses Marketing-Instrument. Denn Imageförderung tut Not in einer "belasteten Branche, in der "Pfusch am Bau" nicht erst seit dem Vorfall in Bad Reichenhall eine verbreitete Meinung in der Öffentlichkeit sowie bei Bauherren ist, was u. a. zu Preiskämpfen und damit zu den von Prof. Hommerich angesprochenen schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen vieler Büros führt.
3.2.2 Alternative zur ISO 9000 ff
Ziel war es auch, eine echte Alternative zu einer Zertifizierung nach ISO 9000 ff zu entwickeln, die auch von den zumeist kleineren Architektur- und Ingenieurbüros mit einem vertretbaren Aufwand realisiert werden kann. Trotzdem setzt der Erhalt des Zertifikats überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit, großes Engagement sowie eine betriebswirtschaftliche und strategische Grundausrichtung voraus.
Im Gegensatz zur ISO ist das Zertifikat speziell auf die Belange von Architektur- und Ingenieurbüros sowie deren Kunden zugeschnitten. Es wurde um einige rein formale Aspekte sowie Nachweise und Dokumentationen der ISO "entschlackt", dafür sind mehr branchenspezifische Aspekte berücksichtigt. Es ist mehr Bauherren-orientiert als Prozess-orientiert. Damit einhergehend ist es kostengünstiger und so aufgebaut, dass die Büros ihr QM-System ohne weitere externe Beratung einführen können.
3.2.3 QMS-Anerkennung durch Gruppenzertifizierung
Ein durch die Trägergemeinschaft für Akkreditierungen TGA freigegebenes Verfahren für die Zertifizierung und anschließende Überwachung von Unternehmen mit mehreren Niederlassungen oder verbundenen Unternehmen ist die so genannte Verbundzertifizierung, für die verschiedene formale Voraussetzungen gelten. Dabei arbeiten alle beteiligten Unternehmen nach einem QM-System, das nach einem einheitlich für alle Standorte geltenden QM-Standard beschrieben wird. Um ein solches QM-System zu auditieren und zu bewerten ist es nicht erforderlich, alle Standorte zu prüfen, sondern es kann nach einer Stichprobenverteilung vorgegangen werden. Der Zertifizierungsstelle sind jedoch die Bewertungsberichte der QM-Systeme aller Standorte zur Prüfung zur Verfügung zu stellen.
Im Falle des QualitätsZertifikats Planer am Bau ist eine Gruppenzertifizierung möglich, da es sich bei den zu zertifizierenden Büros prinzipiell um ähnlich strukturierte "Standorte" mit vergleichbaren Prozessabläufen handelt. Alle Büros "unterwerfen" sich vertraglich einem einheitlichen Standard dem TÜV Rheinland QualitätsStandard Planer am Bau. Als "Firmenzentrale" und Koordinator gegenüber der Zertifizierungstelle, dem TÜV Rheinland, wurde von den Initiatoren eigens eine Firma gegründet, die WM-Q Ltd. mit Sitz in Dürnau.