Potentialräume: 5 Typen

3 Räume passiver Aufwertung

Unter passiver Aufwertung ist ein funktionaler und (somit) wahrnehmungswirksamer Aufstieg ohne spektakuläre Projekte oder gebietsweit abgestimmte Planungen zu verstehen.

3.1 Entwicklungsauslöser

Auslösend kann u. a. die oben erwähnte Aufrüstung von Bahnhöfen zu Einkaufszentren wirken. Bereits Imageverbesserungen befruchten den Nahbereich, bedingen eine zeitlich ausgedehntere Belebung, die - nicht zu unterschätzen - erhöhtes Sicherheitsgefühl vermittelt. Infolge ihrer Gravitation verdichten gut mit dem Umfeld vernetzte Bahnhofscenter die Passantenströme entlang zuführender Wege. Ergebnis: Eine wachsende Zahl gewerblicher Nutzungen findet gedeihliche Daseinsgrundlagen vor. Und, es tragen sich gehäuft höherwertige Angebote.

Auch Niveau- und Luxuslagen des Einzelhandels kristallisierten mehrheitlich in Form passiver Aufwertung aus. Die Standortwahl eines Pionierbetriebes kann ausreichen, entsprechende Prozesse anzustoßen, die Wandlung eines Handwerksbetriebes (Schneider, Juwelier usw.) zum namhaften Handelsunternehmen, zum Markeninbegriff.

Ein weiteres Beispiel passiver Aufwertung bietet die Entwicklung mancher Stadtquartiere zu Szene- bzw. "In-Vierteln". Dahinter stehen vielfältige Triebkräfte. Beispielsweise fördert eine stark wachsende Studentenpopulation die Entstehung einer reichhaltigen Kneipenszene, Künstlerkolonien können imagebildend wirkend, eine spannungsreiche, sich von durchgeplanten Büroquartieren abhebende, kreative Branchen ansprechende Nutzungsmischung. So entwickelte sich Frankfurts Hanauer Landstraße zur städtischen Kreativmeile.

Weithin zu beobachten ist folgendes Phänomen: Ein Gebäudeeigentümer erneuert die Fassade, fügt Balkone an, baut das Dachgeschoss aus oder sattelt ein Penthaus auf. Umgehend folgen andere seinem Vorbild. Teils entspringt dieser Prozess plusminus gleichen Baujahren. Häufig ziehen Eigentümer jedoch vorzeitig nach. So präsentieren sich fallweise ganze Viertel gleichsam über Nacht neu gewandet. Nachdem Würzburg in Sachen aktiver Aufwertung unrühmlich abschnitt, sei Mainfrankens Perle hier als positives Beispiel angeführt: Das von Ringpark, Hauptfriedhof, Bahnlinie und Rottendorfer Straße eingefasste Geschosswohnquartier durchlief eine sehenswerte Aufwertung; seine (ohnehin solide) Sozialstruktur verbesserte sich.

4 Statische Räume

In diese Kategorie fallen Räume, die sich qualitativ wie quantitativ wenig verändern. Diesen Raumtyp repräsentieren viele metropolitane Kernlagen, die Laufmeilen des Einzelhandels. Einmal in Fußgängerzonen umgewandelt, sorgsam gepflastert und mehr oder minder anheimelnd möbliert und begrünt, verharren sie weitgehend auf dem erreichten Niveau. Hier und da kommt ein neues Kaufhaus oder eine weitere Passage hinzu, doch verändert dies strukturelle Grundzüge selten. Wenig dynamisch zeigen sich weiterhin zahlreiche Wohnlagen, so die meisten Villenviertel - gehütete Reservate reicher Mitbürger - oder Wohnviertel mit altersmäßig ausgewogen durchmischter Bevölkerung sowie solidem Handels-, Gastronomie- und Dienstleistungsbesatz.