2.2 Multifunktionale Zentren
Aus dem Trend zur Rezentralisierung folgt der Trend, Einkaufszentren nicht mehr nur als reine Bedarfsdeckungseinrichtungen zu betrachten, in denen man seine Einkäufe erledigt, sondern diese zu Miniaturabbildungen der Städte zu entwickeln, in deren Zentren sie sich befinden. Die Idee ist nicht neu, wenn man griechische und römische Städte der Antike betrachtet. Was war das Forum Romanum anderes als die Verbindung von Kunst und Kommerz im Zentrum der Stadt? Leider ist in Nord- und Mitteleuropa das Wetter nicht so gut wie rund um das Mittelmeer, und so werden die neuen Foren, heute "Arkaden", "Galerien" oder "Passagen" genannt, überdacht und klimatisiert. Frühe Parallelen finden sich in den Markthallen von Paris oder Berlin, bereits im 19. Jahrhundert. Im Gegensatz zu den USA und Kanada, wo Shopping Malls um Jahrmärkte herum drapiert werden, stehen bei europäischen Varianten der Shopping Malls eher Dienstleister im Vordergrund.
Noch am ehesten dem traditionellen Warenangebot der Einkaufszentren vergleichbar sind die Agenturen der Telekommunikationsgesellschaften, der Post, der Banken und Versicherungen. Doch immer häufiger finden sich in Shopping Malls der vierten Generation Außenstellen der Arbeitsämter, der Stadtverwaltung (Bürgerbüro), der Kranken- und Sozialversicherungen sowie Ticketagenturen. Eine weitere Möglichkeit ist die Kombination traditioneller Retailer mit Bildungs- und Kultureinrichtungen:
Intelligent ist auch die Vernetzung mit Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Fitnessbranche:
Der allerneueste Trend in Polen ist die Verknüpfung der Errichtung von Shopping Malls mit Geschoßwohnungsbau. In Warschau entstehen immer noch zwanzigstöckige Wohnblöcke als Eigentumswohnungen, in die in Deutschland niemand mehr einziehen würde. Und das, obwohl das Umland von Warschau mit Ausnahme einiger Nobelvororte mit Gewächshäusern und Kleingartenkolonien besiedelt ist. Doch durch die hohe Verdichtung rechnen sich Investitionen auch trotz hoher Grundstückspreise. Außerdem wohnt - ganz in polnischer Mentalität - der Konsument direkt neben den Geschäften, die er besucht. Eine extrem erfolgreiche Entwicklung dieser Art in Deutschland ist übrigens das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in München.