Realrendite-Berechnung, Beispiel Unternehmensobligation

Der Artikel "Realrendite-Berechnung" (am Beispiel einer kommanditistischen Beteilgung an einem geschlossenen Fonds) rief Interesse wach, wie sich die Renditeberechnung bei einer Unternehmensobligation (auch Industrieanleihe oder Unternehmenschuldverschreibungen genannt) darstellt. Nun, hier die Antwort aus der Feder von Holger Taubenheim. Wesentliche allgemeine Aussagen des Vorläuferbeitrags finden sich in diesem Artikel bündig wiederholt.

1 Realrendite – Grundlagen (verkürzte Zusammenfassung)

Die Realrendite einer Kapitalanlage (z. B. Beteiligung als Kommanditist an einem geschlossenen Immobilienfonds oder z. B. Investment in Unternehmens- oder Bundesobligationen) ist in der Regel niedriger als die ausgewiesene, finanzmathematisch korrekt ermittelte Rendite, die gemäß der Methode des Internen Zinssatzes dargestellt wird. Die Realrendite unterscheidet sich von der Rendite nach der Methode Interner Zinsfuß (auch Methode Interner Zinssatz genannt) dadurch, dass die periodisch zufließenden Erträge (Ausschüttungen) während der Laufzeit regelhaft nicht wieder mit dem rechnerisch korrekten internen Zinssatz angelegt werden, sondern zumeist mit einem niedrigeren Kapitalansparzinssatz. Dies kann z. B. dergestalt aussehen, dass Ausschüttungen in einen Banksparplan eingezahlt werden. Dieser Sparplan verläuft zeitlich parallel zur Fondsbeteiligung bzw. den regelhaft im Depot verbuchten Wertpapieren (Obligationen). Die Auszahlung des Sparplanguthabens und die Liquidationsausschüttung des Fonds bzw. der Obligationsrückzahlung erfolgen dann zu einem gemeinsamen Zeitpunkt (Endstichtag). Somit liegt ein gewöhnlicher, aber maßgeblicher Cash Flow vor. Die Realrendite einer Kapitalanlage im Sinne dieses Artikels ist mithin nicht zu verwechseln mit der häufigen Darstellung als Nominalzins abzüglich Inflationsrate.

2 Realrendite – Berechnung

Am Beispiel eines Investments in Unternehmensobligationen über eine Laufzeit von 15 Jahren wird nachfolgend demonstriert, wie aus einer Rendite in Höhe von 4,48 % p. a. nach Steuern, die korrekt mit der Methode des internen Zinssatzes errechnet wird, wiederum eine reale Rendite in Höhe von 3,89 % p. a. nach Steuern berechnet wird. Im Ergebnis erhält man durch die jeweilige Aufzinsung jedes einzelnen Betrages (Abfluss und Zufluss) auf den End-Stichtag (Exit) die Realrendite, wobei die zwischenzeitlichen Zuflüsse aus Vereinfachungsgründen mit einem einheitlichen Zerobondaufzinsungsfaktor wiederangelegt werden (Prämisse) und nicht mit dem "systemimmanenten" Wiederanlagezinssatz in Höhe des Internen Zinsfußes.

2.2 Beispielrechnung

Neuemissions-Erwerb und Halten bis zur Endfälligkeit einer Unternehmensobligation durch einen Privatanleger, der die Abgeltungssteuer nutzt. Hier die wirklichkeitsnah angesetzten Rahmendaten

Die ausgewiesenen Rahmendaten bedeuten für einen Privatanleger – auch mit höchstem Steuersatz – bei einer Beteiligung von 50.000 € effektiv dreierlei:

Es bedarf keiner gehobenen finanzmathematischen Kenntnisse, um zu erkennen, dass dieser einfache Zahlungsstrom wie folgt strukturiert ist: Am Anfang werden 50.500 € eingesetzt, und am Ende fließen 50.000 € zurück. Zwischendurch erfolgen Erträge in Form der mit Steuerzahlungen saldierten Zinseinnahmen von 2.300,78 € pro Jahr an den Anleger. Das führt zu einer jährlichen Rendite von 4,48 % nach Steuern gemäß Methode Interner Zinsfuß. Diese Methode unterstellt "systemimmanent", dass die Rückflüsse neuerlich zu 4,48 % p. a. nach Steuern angelegt werden müssen, um tatsächlich eine Verzinsung von 4,48 % p. a. zu erzielen. Bei einer unterstellten Wiederanlage zu 2 % p. a. nach Steuern sinkt die reale Rendite auf 3,89 % p. a. nach Steuern. Die beiden rechts eingefügten Tabellen bieten einen zahlenbasierten Vergleich zu Realrendite und IRR-Rendite.