Objektbezogene Begriffe
Zum Kreis fast zart aufscheinender Begriffe zählt das »Liebhaberobjekt«. In diese Kategorie fallen im Wesentlichen zwei »Objektarten«. Einerseits verwinkelte bzw. ausnehmend schlecht geschnittene Immobilien. Andererseits - und noch öfter - bezeichnet das Wort eine Immobilie, die für all jene Interessenten durchs Raster fallen muss, die keine ausgezeichneten handwerklichen Fähigkeiten besitzen, nicht auf einer Baustelle leben wollen und / oder nicht gewillt sind, eine Kohorte Handwerker zu beauftragen. Nicht selten kommen beide Faktoren zusammen: Schlechter Zuschnitt und fragwürdiger baulicher Zustand. Romantische Gefühle kommen in solchen Gebäuden schwerlich auf. Im »romantischen Einfamilienhaus« auch nur ausnahmsweise. Gewöhnlich handelt es sich nämlich um ein verwinkeltes, technisch überaltertes Gebäude, an dem der nagende Zahn der Zeit tiefe Spuren hinterließ.
Bei einem »Haus mit Nebengebäuden« erweisen sich Letztere sehr häufig als unbrauchbare, im Grunde abrissreife Schuppen und dergleichen. Bis aus derartigen Arealen ein schmucker Garten wird, sind harte Arbeit und reichlich Geduld angesagt. Schön, wenn das angepriesene Haus bereits einen »Naturgarten« besitzt. Leider befinden sich von Maklern erwähnte Naturgärten häufig in einem dermaßen verwilderten Zustand, dass kostspielige Fäll- bzw. Rodungsaktionen, umfängliche Bodenverbesserungsmaßnahmen und eine völlige Neubepflanzung nötig sind.
Zu den kreativsten maklersprachlichen Umschreibungen zählt das »Raumwunder«. Der Ausdruck klingt chic, birgt freilich einen Wermutstropfen: Vielfach wird ein (sehr) kleines Haus beworben, das zwar zahlreiche Räume beinhaltet, die sich größenbezogen allerdings unmittelbar an oder unterhalb einer Grenze bewegen, die eine sinnvolle Nutzung zulässt. Kurzum: Es handelt sich um eine Immobilie, die allenfalls unter Freunden des Westentaschenformats Anklang finden dürfte.
Mit den Begriffen »Schnäppchen« und »einmalige Gelegenheit« werden in aller Regel beileibe keine begehrten oder begehrenswerten Immobilien bezeichnet. Im Gegenteil: Mit hoher Wahrscheinlichkeit preist der Makler erwiesene »Ladenhüter« an, Objekte, die niemand erwerben will, weil ihnen schwerwiegende Mängel anhaften.
Es gibt auch gute Botschaften. Etwa die, dass Makler Wohnobjekte bisweilen »provisionsfrei« anbieten. Natürlich erfolgen weder Verkauf noch Vermietung provisionsfrei, da der Makler im Erfolgsfall vom Eigentümer honoriert wird. - Sofern er nicht selbst Eigentümer ist. Vordergründig wirken diese Feststellungen aus Sicht eines potentiellen Erwerbers oder Mieters unerheblich. Tatsächlich drücken sich in der Provisionsfreiheit jedoch vielfach Objektschwächen aus. Oder eine Notsituation des Eigentümers. In beiden Fällen besitzt ein Interessent gute Karten, den aufgerufenen Miet- oder Kaufpreis erheblich zu drücken.
Schlussbemerkung
Vorliegender Artikel beschränkte sich darauf, das gebräuchliche Maklervokabular ausschnitthaft abzubilden. Das genügt vollauf. Der jeweilige Bedeutungsinhalt der meisten Wörter und Wendungen lässt sich bei sorgsamem Wägen erschließen, fast jede Chiffre entschlüsseln. - Sei es aus jeweiligen Begriffen oder aus dem Gesamtzusammenhang eines Angebotstextes heraus. Grundsätzlich empfiehlt es sich, ausschließlich Angebote bzw. Makler zu berücksichtigen, die trockene Fakten präsentieren.