Maklersprache – Chiffren entschlüsselt

Intro

Immobilienmaklern haftet in vielen Ländern ein wenig schmeichelhaftes Image an. In Deutschland und Österreich rangieren sie diesbezüglich zusammen mit Politikern und Bankmanagern am unteren Ende einer langen Liste. Nach Erfahrungen des Verfassers schneiden Wohnimmobilienmakler besonders unbefriedigend ab. Dafür zeichnen mehrere Gründe verantwortlich. Einen, mit den wichtigsten, beleuchtet folgender Artikel: die Maklersprache.

Werbung und Wahrheit

Makler arbeiten absatz- bzw. umsatzorientiert. Somit besteht eine verständliche Neigung, das jeweilige Produkt lockend zu verpacken. – Getreu einem alten Spruch: Mache die Braut hübsch. Übersetzt heißt das: Verkaufe ein Bild, eine Vorstellung. Darum geht es bei jeder Werbung: positive Emotionen zu erzeugen, die rationale Wertungen übertönen bzw. überblenden. Insofern fallen selbst blumig textende Makler keineswegs aus dem Rahmen des Gewohnten. Allerdings sind Immobilien – gleich, ob Verkaufs- oder Vermietungsobjekte – keine Allerweltsprodukte wie Waschmittel, Schuhe oder Mobiltelefone. Das sollten und müssten Makler begreifen. Wahrscheinlich verstehen sie das mehrheitlich sogar, nur hindern entsprechende Einsichten die wenigsten daran, verbale Kosmetik zu betreiben. Fakten zu bemühen, wäre langfristig sicherlich ein überlegener Marktbearbeitungsansatz. In dieser Hinsicht stellt sich Österreichs Maklerzunft vorteilhafter dar, ohne sich diesen Umstand an die eigene Fahne heften zu können. Vielmehr schrieb der Gesetzgeber vor, welche Daten Immobilienangebote zu beinhalten haben. Diesbezüglich verdient der zur Überregulierung neigende Staatsapparat ausnahmsweise Applaus. Bevor wir uns in durchaus reizvollen Ländervergleichen verlieren, konzentrieren wir uns auf das Kernthema dieses Beitrags, die Maklersprache.

Wörter und Wendungen im Klartext

Makler benutzen keine eigene Sprache, mag der Leser einwenden. – Stattgegeben. Gewöhnlich reden sie in Deutschland Deutsch und in Österreich eine österreichische Form des Deutschen, die zahlreiche hierzulande unbekannte Begriffe kennt. Wenn dennoch von Maklersprache die Rede ist, dann deshalb, weil sich die Branche zahlreicher Chiffren bedient. Das kann Missverständnisse auslösen und führt vielfach zu Verstimmungen. Allerdings sind diese keineswegs durchgängig der Maklerseite anzulasten. Würde deren Kundschaft Begriffsinhalte sorgsam wägen, den angesprochenen Marktmittler klar instruieren, bliebe beiden Seiten manche Enttäuschung erspart. Wie der richtige Makler gefunden werden kann, verdient einen eigenständigen Artikel. Eines der Gütekriterien sticht freilich genau in dem hier beleuchteten Zusammenhang: die Anzahl »stimmungsvoller« Adjektive. Begriffe wie »anheimelnd«, »beliebt«, »großzügig«, »hübsch«, »lebhaft«, »schön« und dergleichen spiegeln ein hochgradig subjektives Empfinden wider. – Womöglich jenes des Maklers, vielleicht das einer Kundenmehrheit. Dennoch stellen derartige Ausdrücke bloße Füllsel, keine belastbaren Fakten dar. Grundsätzlich gilt: Je mehr solcher Wörter eine Anzeige bzw. ein Exposé enthält, desto wahrscheinlicher handelt es sich um Blendwerk, das ungünstige Objekteigenschaften verschleiern soll. Nun wäre es ungerecht, jedem Makler Unlauterkeit vorzuwerfen. Manche glauben an das, was sie verbreiten. Denn: Rührige Marktmittler sind leidvoll gehärtet; sie gehen alltäglich mit Eigentümern um, die vermutlich nur in einer Hinsicht mit dem Finanzamt übereinstimmen: dass ihre Immobilie – und sei es eine wahre Bruchbude – viel wert ist. Vor diesem Hintergrund wirkt manche zu vermittelnde Immobilie aus Sicht des Maklers weit besser als sie es objektiv betrachtet ist.