Immobilienentwicklung - Innovationsgrenzen

3 Alte Maximen

Eine geschichtliche Rückblende offenbart, dass einzelne Gebäude, Dörfer und Städte auf eine Art und Weise entwickelt wurden, die bestmöglich auf jeweilige Umfeldgegebenheiten abgestimmt war bzw. wesentliche Merkmale des Umfeldes gleichsam in die jeweiligen Gebäude und Siedlungskörper hinein verlängerte.

Bezogen auf Wohn- und Wirtschaftsgebäude stach dabei seit jeher der Grundsatz, Bewegungswiderstände möglichst gering zu halten. Dieses Ansinnen umzusetzen, bedeutet, inhäusige Nutzungsbereiche sowie unterschiedlichen Nutzungen dienende Gebäude bewegungs- bzw. prozesslogisch anzuordnen, sie menschlichen Bewegungsmustern anzupassen.

Durch diese zweifache Anpassung wurden Komfort und Nutzwert maximiert und fällige Arbeits- wie Kostenaufwendungen während der Nutzungsphase minimiert. Kurz: Es entstand wirtschaftlich optimierte Einheiten. Gedanklich lassen sich beide Leitlinien als statische Prinzipien verstehen, insofern sich in ihnen eine allgemeingültige, zeitunabhängige Zielrichtung ausdrückt, der jede Immobilientwicklung folgen sollte.

4 Grenzen der Innovation

Im Vorkapitel vorgestellte Fakten, verdeutlichen, dass durchschlagenden Innovationen im Bereich der funktionalen Entwicklung enge Grenzen gesetzt sind. Wie geringe Spielräume bestehen, wird ersichtlich, wenn wir nochmals zu oben erwähnten Bewegungsmustern zurückkehren. Diese gründen auf ererbten, grundsätzlich unveränderlichen Automatismen. Diese Erkenntnis lässt darauf schließen, dass sich die ständig als Richtschnur moderner Immobilienentwicklung bemühten Nutzerbedürfnisse im Kern kaum wandelten. Was Immobiliennutzer heute wie gestern suchen, sind bewegungsoptimal ausgelegte Immobilien. Wenn es nun zutrifft, dass bereits frühe Gebäudeformen bestmöglich an menschliche Bewegungsautomatismen angepasst waren, lassen sich schwerlich von diesen abweichende bewegungsoptimale Gebäudekonfigurationen erfinden. Mit anderen Worten: Die Suche nach innovativen, sich fundamental von alten, ausgereiften "Blaupausen" abhebenden Raumkonzepten gleicht der Suche nach dem Goldenen Mann.

Auch die Prinzipien menschlicher Organisation im Raum blieben über die Jahrtausende hin dieselben. Folglich herrschen alte Grundsätze, wie Immobilien bestmöglich an ihr jeweiliges Umfeld anzupassen sind, ebenfalls fort.

5 Fazit

In der Immobilienpresse wie auf den Websites von Entwicklern, Bauträgern und Immobilienfonds finden sich zuhauf innovative Immobilienprojekte angepriesen. Worin die eigentliche Innovation bestehen soll, erschließt sich vielfach nur bedingt. Dieser Fakt überrascht vor dem Huntergrund oben herausgearbeiteter Bezüge schwerlich. "Innovation" mag ein marketingtechnisch zugkräftiges Schlagwort sein, inhaltlich zu füllen ist es bezogen auf die funktionale Auslegung von Immobilien, also abseits haus- und bautechnischer Fortschritte, schwerlich. Schmückt sich ein Objekt bzw. Projekt mit der auf funktional-konzeptionelle Merkmale gemünzten Bezeichnung "innovativ", erscheint es ratsam, Vorsicht walten zu lassen. - Sei es als Nutzer, Anleger, Investor oder Finanzierer.