1 Intro
Hand aufs Herz: Können Sie aus dem Stegreif sagen, was eine Immobilie ist? - Wirklich? Und sind auch noch nach drei Minuten mit Ihrer Definition zufrieden? Falls dem so ist, sind Sie weiter als viele gestandene Immobilienwirtschaftler. - Kein Witz, nein, ganz und gar nicht. Eine entsprechende Frage eines Dreikäsehochs lässt manchen erwiesenen Kenner der Materie die Hände ringen. Nun werde ich - obwohl es reizt - hier keine kindgerechte Definition entwickeln. Wohl aber eine, die hilft, sich zu vergegenwärtigen, was eine Immobilie ist, was sie "ausmacht". Schaden kann das nicht. Und, für den Fall, dass Sie sich doch einmal bohrender kindlicher Neugier ausgesetzt sehen, haben Sie durchaus bildhaft übersetzbare Erklärungen parat ;-)
2 "Immobilie" - Standarddefinition
Der Begriff "Immobilie" bezeichnet unbewegliche Vermögenswerte, also Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte, Bauwerke, Gebäude und bauliche Anlagen. Da hier gefallene Einzelbegriffe selbst definitionsbedürftig sind, stellt diese "Definition" lediglich eine Reihung, keine inhaltlich befriedigende Begriffsbestimmung dar. - Zudem stimmt sie so nicht.
3 Ergänzte Standarddefinition
Tatsächlich sind Bauwerke bzw. Konstruktionen durchaus zu bewegen. Dass dem so ist, veranschaulichen spektakuläre Projekte, wie die räumliche Verschiebung des Portikus des Bayerischen Bahnhofs in Leipzig (2006) oder der Oberkasseler Brücke (Düsseldorf, 1976). Vor diesem Hintergrund greift die gängige Definition von "Immobilie" zu kurz und ist zu erweitern.
Bezogen auf Gebäude und bauliche Anlagen verdient die übliche Definition - zumindest gedanklich - die Ergänzung, dass unter "Immobilien" solche Objekte zu verstehen sind, deren Verlagerung einen üblicherweise nicht zu rechtfertigenden technischen bzw. finanziellen Aufwand bedingen würde oder, anders ausgedrückt, solche Objekte, deren räumliche Verlegung nur ausnahmsweise bzw. auf Grund besonderer Umstände in Betracht gezogen wird und eben einen ungewöhnlichen Aufwand erforderlich machen würde.
Die formulierte Definition spiegelt ein vergleichsweise statisches Verständnis von Immobilien wider, eine zuvorderst gegenständliche Betrachtungsweise. Auf den ersten Blick wirkt dieser Fakt nicht sonderlich "dramatisch", doch unterlegt ihn ein unzureichendes Immobilienverständnis. - Ein Verständnis, das wesentliche Dimensionen des Phänomens "Immobilie" außer Acht lässt.