4 Immobilienferne
Vordergründig paradox anmutend, sind festgestellte Systemschwächen der Immobilienwirtschaft überwiegend keineswegs unmittelbar mit deren Kernfeldern verknüpft. Vielmehr zeichnet der seit Jahren ausgeweitete Einfluss nicht primär immobilienorientierter Berufsgruppen und Denkschienen für einen Großteil auszumachender Defizite verantwortlich. Deren gedankliche Ansätze und Handlungsmaximen mögen in angestammten Feldern gut und richtig sein, lassen sich jedoch schwerlich auf Immobilien übertragen. Die Misere beginnt schon damit, dass viele dieser fachlichen Zweige wirklichkeitsfremden bzw. nur ausschnitthaften Vorstellungen von Immobilien anhängen. Nun soll hier niemand angeschwärzt werden, doch ist es offensichtlich, dass rein finanzwirtschaftliche Denkansätze dem Thema "Immobilie" nicht gerecht werden (können). Zwar stellen Immobilien eine - wenn auch ausnehmend inhomogene - Assetklasse dar und stehen somit zumindest für renditeorientierte Anleger und Investoren im Wettbewerb mit anderen Anlageklassen. Nur wirkt es, vorsichtig formuliert, vermessen, wenn Rating-Töchter US-amerikanischer Banken versuchen, Immobilienbestände mit denselben Mitteln und Verfahren einzuwerten wie Aktien von Automobilherstellern (wie belastbar deren Ratings sind, fragt sich angesichts jüngerer Desaster ohnehin).
Das gewaltige Gewicht finanzwirtschaftlich getragener Betrachtungsweisen übersetzt sich in eine absurd anmutende Situation: Die Immobilie selbst findet vielfach kaum noch bewertungstechnische Beachtung. Über ihre Qualität bzw. den langfristigen Grad ihrer Ertragssicherheit entscheidende Merkmale bleiben gleichsam außen vor. Statt dessen werden Investments einseitig anhand von Mieterbonitäten, Mietvertragslaufzeiten und laufenden Zahlungsströmen beurteilt. Anhand von Zahlen, die kurzfristigen Marktausschlägen geschuldet sein können und nur bedingt fortschreibungsfähig sind. Derartige Ansätze heben auf abhängige Größen ab. Gestandenen bzw. "wahren" Immobilienwirtschaftlern sträuben sich die Nackenhaare angesichts derartigen Unverstandes. Ihnen ist klar, dass Immobilien ausschließlich aus übergeordneten raum-zeitlichen Gesamtzusammenhängen heraus treffsicher beurteilt werden können.
5 Fazit
Mit Immobilienfragen befasst sich ein breites Spektrum mehr oder minder spezialisierter Berufszweige. Als Immobilienwirtschaftler im wahren Sinn des Wortes sind gleichwohl einzig solche Berufsgruppen bzw. Beteiligte zu verstehen, deren Kernthema die Immobilie selbst ist. Es erscheint geboten, ein entsprechendes Verständnis zu entwickeln und - als "echter" Immobilienwirtschaftler - nach außen zu vertreten.