Folgender Beitrag zählt zu den "kosmischen Splittern": kurz, knackig, ein wenig bissig verfasst, als anregendes Häppchen gedacht. Wie Leserzuschriften belegen, handelt es sich bei diesem Text um ein (weiteres) inhaltsschweres "Kaliber".
1 Branchenunschärfe
Mit Immobilien verbinden sich vielfältige Vorstellungen, Sichtweisen, Wahrnehmungen und Empfindungen. Dabei herrschen ausschnitthafte Betrachtungsweisen vor. Selbst "gestandene" Immobilienwirtschaftler besitzen mehrheitlich kein umfassendes Verständnis von Immobilien. Diese Feststellung mag provokant klingen, erweist sich jedoch alleine mit Blick auf die enorme Vielfalt immobilienwirtschaftlicher Teildisziplinen bzw. die Branchenstruktur als begründet: Die Immobilienwirtschaft stellt kein scharf abgrenzbares Feld dar. Mehr noch: Sie erweist sich als fiktives gedankliches Konstrukt. Das erschließt sich spätestens dann, wird bedacht, dass Immobilien in (fast) sämtlichen Lebensbereichen bedeutsam sind. Unausweichlich sind in ihr zahlreiche Berufsgruppen aktiv, die ihr gemeinhin nicht zugerechnet werden.
2 Berufliches Kaleidoskop
So groß die Verbreitung von Immobilien, so groß die Vielfalt an mehr oder weniger scharf konturierten Spielarten von Objekten, so breit ist der Fächer fachlicher Disziplinen entwickelt, die sich mittel- oder unmittelbar mit Immobilienfragen befassen. Untereinander besitzen diese Fachbereiche mehr oder minder große inhaltliche Schnittmengen. Anders ausgedrückt: Angehörige verschiedener beruflicher Zweige oder Linien "ticken" unterschiedlich, setzen unterschiedliche Schwerpunkte, nehmen unterschiedlich wahr, sind vielfach in unterschiedlichen Begriffswelten verhaftet.
Den fragmentarischen Charakter der "Immobilienwirtschaft" verdeutlicht folgende, nahezu beliebig erweiterbare Liste ausgewählter Berufsgruppen, die sich mit dem Thema beschäftigen: Projektentwickler, Bauträger, Architekten, Innenarchitekten, Hoch- und Tiefbauingenieure, Steuer- und Rechtsberater, Haustechniker, Asset- und Property-Manager, Markt- und Standortanalytiker, Immobilienbewerter, Makler, Finanzierer, Stadtplaner, Handwerker (!) und andere mehr.
3 Verständniskreise
In Anbetracht oben nur schlaglichtartig angedeuteter Vielfalt wäre es mehr als erstaunlich, bestünden einheitliche Vorstellungen, Immobiliendefinitionen und Denkansätze. Dass diese nicht bestehen, ist - salopp gesagt - an sich kein Beinbruch. Im Alltag ergeben sich daraus dennoch Probleme, insofern einzelne immobilienwirtschaftliche Zweige dazu neigen, ihre jeweilige Sichtweise zu verabsolutieren. Etwas schärfer ausgedrückt: "Man" redet vielfach aneinander vorbei, ohne sich dessen bewusst zu sein. - Obwohl alle Beteiligten die Überzeugung hegen, Immobilien "wesenhaft" zu begreifen. Teils beruht dieses Bewusstsein auf einer Tatsache: Immobilien sind allgegenwärtig, gleichsam eine Allerweltserscheinung. Und, weil sie das sind, regiert sämtliche Beteiligte der Glaube, Immobilien zu verstehen. Nun offenbart die schier endlose Kette großer und kleiner Pleiten bis hin zu katastrophalen weltwirtschaftlichen Erschütterungen schlagend, dass dem so nicht ist. Schon ein Gang durch unsere Städte verdeutlicht das unmissverständlich: Leerstehende Bürogebäude, besucherarme Handelsobjekte, kränkelnde Hotels, nur halb vermietete Wohngebäude singen ein Lied von Irrtümern und Fehleinschätzungen jeweiliger Planer, Analytiker und Entwickler. Besäßen diese in Stein gefassten bzw. in Beton gegossenen Fehlurteile Seltenheitswert, könnten sie als individuelle Schnitzer abgetan werden. Ihre massenhafte Verbreitung legt hingegen einen Schluss nahe: Die "Immobilienwirtschaft" prägen "Systemschwächen".