Immobilienunternehmen im Netz: Websites im Test

3.2.3 Seitenidentität

Ein wichtiger Vermarktungsgrundsatz liegt darin, den Webauftritt möglichst unverwechselbar zu gestalten, ihn gleichsam als Marke zu verankern. Dabei spielen optische Momente eine nicht zu unterschätzende Rolle: Sie bestimmen hochgradig über den Wiedererkennungswert einer Seite. Ein Rückgriff auf vorgefertigte Seitenlayouts, die Wysiwyg-Editoren mitbringen, ist nicht grundsätzlich nachteilig zu bewerten, wenn diese Vorlagen individualisiert werden. Wenig empfehlenswert ist es hingegen, im Netz angebotene Instant-Dienste zu nutzen, die es gestatten, Websites innerhalb weniger Minuten zu erstellen. Dass deratige "Blaupausen" an Firmenseiten zu stellenden Ansprüchen schwerlich genügen können, liegt nahe.

Hohe Wiedererkennungswerte billigten die Tester gut der Hälfte geprüfter Seiten zu. Allerdings beruht diese augenscheinlich vorteilhafte Quote auf einem erheblichen Anteil von Webauftritten, deren "Identität" bzw. Wiedererkennungswert einer Anhäufung von Verstößen gegen gestalterische Grundsätze entspringt. Kurz: Sie zählen zur selbstschädigenden Kategorie "völlig daneben". Dennoch: gut vierzig Prozent aller Seiten schnitten bezogen auf das untersuchte Kriterium gut bis sehr gut ab. Auffallend viele Websites scheinen sich an Unternehmensfarben (Logos, Schriftzüge) zu orientieren, die vor dem Online-Gang ausgewählt worden sein dürften. Darauf weisen im Netz außerordentlich schlecht lesbare Grundfarben und Farbkombinationen hin.

3.3 Seiteninhalte

Dieses Kapitel leitet ein womöglich verblüffendes Streiflicht ein: Google entwickelte sich zum führenden Anbieter netzbasierter Suchdienstleistungen. Im Internet wimmelt es von Angeboten, die verheißen, Seiten Google-optimiert zu gestalten und auf einen oberen Platz der Ergebnislisten zu katapultieren. - Derartige Versprechungen dürften sich mehrheitlich als heiße Luft entpuppen. Schon deshalb, weil Google Inhalt zum obersten Bewertungsmaßstab bzw. "Rankingfaktor" erklärt. Ob dieser mittel- oder unmittelbar erfasst und gewertet wird, ist im Rahmen dieses Artikels belangslos. Das entscheidende Stichwort ist "Inhalt" oder - Neudeutsch - "Content". Dessen Art und Umfang entscheiden in weit stärkerem Maß als gewählte Layouts und verwendete Farbschemata darüber, ob ein Auftritt als unverwechselbar, als identitätsstark, als "Marke" wahrgenommen wird.

Bezogen auf Art, Umfang und Güte gebotener Sachinhalte schnitten einige Bankentöchter bzw. -abteilungen, immobiliennah aktive Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Portale größerer Maklerhäuser gut bis sehr gut ab. In der Spitzengruppe fanden sich keine Seiten von Immobilienfonds oder Projektentwicklern. Im Querschnitt sind branchenbezogene Fachinhalte rar gesät, nur wenige Seiten stehen im Rang bedeutsamer immobilienwirtschaftlicher Informationsquellen. Es herrschen Selbstdarstellungen vor. Verbreitet finden sich zudem unglaubwürdige Leistungsbeschreibungen. Gesamteindruck der Tester: je dürftiger der Inhalt, desto umfassender die Selbstdarstellung.

Darüber hinaus entstand der Eindruck, dass ein beträchlicher Anteil aller Seiten von Auftragnehmern gestaltet wurde, die sich nicht bzw. allenfalls oberflächlich mit dem Geschäftszweck jeweiliger Unternehmen befassten. Dass inhaltlich "leichtgewichtige" Seiten vorherrschen, betätigten gesondert durchgeführte Test: Kaum eine Seite tauchte auf vorderen Ergebnisseiten größerer Suchmaschinen auf, wenn auf ihren "angeblichen" Inhalt abgestimmte Suchbegriffe bzw. Begriffskombinationen eingegeben wurden. Bezogen auf Google dürfte das teils an niedrigen Page Ranks bzw. Trust Ranks liegen, die - hier schließt sich ein Kreis - zum Gutteil aus dürftigen Inhalten resultieren.