Immobilienunternehmen im Netz: Websites im Test

3.2 Seitenoptik

Darüber, wie eine Seite bei Nutzern anklingt, entscheiden ihre optischen Qualitäten in mehr oder weniger ausgeprägtem Maß. An Kunstfragen thematisierende Websites stellen Besucher diesbezüglich andere Anforderungen als an immobilienorientierte Fachseiten. In diesem Kapitel geht es freilich nicht darum, geschmacksgeprägte optische Maßstäbe zu diskutieren, sondern um primär gebrauchsrelevante Momente.

3.2.1 Mangelde Lesbarkeit

Zahlreiche Webdesigner verwenden kleine Schriftgrößen. Teils scheinen diese gewählt zu werden, um mehr Inhalt bzw. mehr Inhaltsrubriken auf jeweiligen Portalseiten unterbringen zu können. Gleich aus welchem Grund auf kleine Schriftbilder abgehoben wird, benutzerfreundlich sind sie nicht. Dies gilt ungeachtet dessen, dass sich Darstellungsgrößen besucherseitig über entsprechende Bildschirm- bzw. Browsereinstellungen anpassen lassen.

Gemessen an zahlreichen anderweitigen Themenseiten dürften sich kleine Schriften bei Immobilienseiten ungünstiger auswirken, insofern die Besucherschaft mutmaßlich ein überdurchschnittliches Lebensalter aufweist und somit tendenziell schlechter sieht als die "Twittergeneration". Auffallenderweise scheinen Bankentöchter besonders zu kleinen, wenn nicht winzigen Schriften zu neigen. Dies betrifft beispielsweise Fondstöchter und Fondsabteilungen und / oder firmenkundenorientierte Gesellschaften, deren Klientel im Schnitt mehr als vierzig Lebensjahre zählen dürfte. Neben Miniaturschriften mindern leseunfreundliche Farbgebungen und kontrastschwächende Farbenspiele den Nutzwert vieler Seiten zusätzlich.

3.2.2 Bilder - Imageformung negativ

Ein Bild sage mehr als tausend Worte, behauptet ein gefügeltes Wort. Das trifft zu. Allerdings im Guten wie im Schlechten. Kippende Bilder, unsauber überarbeitete oder ersichtlich "gefakte" Fotos übersetzen sich in eine entsprechende Bewusstseinsverankerung. - Kippen abgebildete Gebäude, wird das Unternehmen als "Kipper" eingestuft, ist die Bildqualität lausig, gilt die Firma als windig. Der Einsatz von Bildelementen will also gut überlegt sein.

Selbst technisch gutes Bildmaterial kann negative Rückwirkungen entfalten: Bei verhangenem Himmel abgelichtete Objekte wirken mehrheitlich trist, allemal jedoch weniger ansprechend als bei Sonnenschein aufgenommene Gegenstücke. Zugespitzt verdeutlicht: Wer seinen Firmensitz unter schweren, schwarzen Wolken ablichtet, läuft Gefahr, dass Besucher sein Unternehmen als bedroht erachten. Oder: Wer sich auf die Fahne schreibt, florierende Fachmarktzentren zu vermarkten, darf keine menschenleeren Gänge und leeren Stellplatzareale abbilden; geschieht das, wird ein zumindest unterschwellig wahrgenommener Widerspruch aufgebaut.

Bilder spiegeln - das wird häufig übersehen - Ansprüche wider. Und Versprechen. Hübscht etwa ein im sprichwörtlichen Hintertuttling ansässiger, auf die örtliche Vermittlung von Einfamilienhäusern spezialisierter Immobilienmakler seine Website mit asiatischen Wolkenkratzern und amerikanischen Glitzerpalästen auf, wird das als unstimmig, womöglich gar als albern empfunden. Der Widerspruch zwischen beruflicher Ausrichtung und Netzpräsentation wird in solchen Fällen gleichwohl "durchgehen". Im gewerblich ausgerichteten Bereich kann ein unbedachter Rückgriff auf Fotos von Großimmobilien jedoch gewaltig "nach hinten losgehen". - Spätestens dann, hakt ein geköderter Besucher nach, und bleibt der Seitenbetreiber Nachweise entsprechender Immobilientransaktionen oder belastbare Kenntnisse schuldig.

Durchgeführte Seitentests ergaben, dass bei rund der Hälfte aller Adressen eine Schieflage zwischen bildhaft vermitteltem Anspruch und empfundener bzw. zugebilligter Kompetenz bestand. Bei fast vier Fünfteln bewerteter Seiten bemängelten die Tester einen ersichtlchen Bezug zwischen Text- und Bildmaterial.