3.1.4 Hauptnavigation - Sinnverwirrung
Ein nutzungsoptimales Navigationsgerüst zu schaffen, bedeutet auch, zutreffende, eindeutige und tiefenscharf voneinander abgesetzte Bezeichnungen für einzelne Navigationselemente zu wählen. Hierzu ein Beispiel sinnwidriger begrifflicher Organisation: Eine Seite weist drei Hauptrubriken aus, von denen zunächst nur zwei bedeutsam sind: "Für Unternehmen" und "Für Investoren". Die jeweiligen Untermenüs enthalten wiederum zwei Punkte: "Finanzierungslösungen" und "Begleitende Dienstleistungen". - Der Leser bemerkt die unterschwelligen Unstimmigkeiten? Nein? Also sehen wir genau hin. Sind Unternehmen keine potenziellen Investoren? Und mögliche Investoren notwendig Privatleute? Die vollzogene Trennung stellt Besucher unwillentlich vor eine selbstdefinitorische Frage: Was bin ich? Hier wird eine psychologische Hemmschwelle aufgebaut.
Nun hat der Besucher vermutlich ein Interesse an dieser Firma bzw. deren Dienstleistungen. Also klickte er einmal hier, wieder zurück und dann dort. Wahrscheinlich wiederholt er den Vorgang, denn: in beiden Rubriken sind dieselben beiden Unterpunkte aufgeführt. Der nun restlos verunsicherte Besucher muss auf die dritte Ebene vorstoßen, um bemerken zu können, dass Unterschiede bestehen. Da Besucher erfahrungsgemäß sekundenschnell entscheiden, ob sie die jeweilige Seite durchforsten wollen, verspielt der verantwortliche Webdesigner in vorliegendem Fall geschäftliche Möglichkeiten. Die oben erwähnte dritte Rubrik - "Über das Unternehmen" - lässt schmunzeln: Ihr Text erweist sich als identisch mit der Einstiegsseite. - Wer denkt sich so etwas aus?
Fehltritte beschriebener Art sind keine Seltenheit. Im Test schnitt ein sattes Viertel beurteilter Seiten unbefriedigend bis ungenügend ab.
3.1.5 Linkdschungel
Ein weiterer aufbaubezogen wichtiger Grundsatz der Websitegestaltung ist es, dem Nutzer stets und ständig das Gefühl zu vermitteln, zu wissen, wo er sich gerade befindet bzw. bewegt. Der Nutzer muss im Bewusstsein surfen, bedientechnisch zu "regieren". Diesbezüglich weisen mehr als vierzig Prozent aller getesteten Seiten schwerwiegende Mängel auf, nahezu derselbe Anteil zumindest Schwächen.
Von den Testern einhellig beanstandet wurden auftretende navigatorische Sackgassen bzw. Labyrinthe. Selbst eine Reihe Websites mit hervorragend bewerteter Grundnavigation schnitt diesbezüglich unvorteilhaft ab. Ihr Defizit: Der Besucher landet auf Unterseiten, aus denen heraus er weder zurückfindet noch intuitiv weiterkommt. Ihm bleibt nur die Browserfunktion, um zur vorher aufgerufenen Seite zurückzukehren. Andere Seiten besitzen zwar rückverweisende Links, stellen diese jedoch an den Seitenanfang, nicht ans Seitenende - was logisch wäre. Fehlt nun noch der "Top-Button", ist Drehen am Mausrad angesagt oder eben ein Klick im Browserkopf. Bei tief verzweigten Navigationen ebenfalls entnervend wirkt es, fehlt eine Verlinkung auf die Portalseite.
Hierarchische Irrgärten bzw. fehlende Orientierungspunkte erweisen sich als problematisch. - Für jeden Nutzer jeder Website. Vor allem freilich für den jeweilige Seitenbetreiber, der sich vermutlich nicht in den zumeist überschaubar gehaltenen Favoritenregistern seiner Besucher wiederfinden wird. In Bezug auf dieses Testkriterium schnitten rund fünfzig Prozent beurteilter Seiten zumindest in Teilbereichen unbefriedigend ab. Tote Links erwiesen sich in mehreren Fällen als gehäuft auftretendes Ärgernis.