1 Intro
Geschlossene Immobilienfonds geraten wiederholt in den Medienfokus. - Einmal sachlich nüchtern beleuchtet, oft inhaltsleicht dargestellt, vielfach verrissen. Tatsächlich behauptet sich der Geschlossene Fonds seit Jahrzehnten als zeitweilig mehr, mitunter weniger nachfrageverwöhntes Anlageinstrument. Seine Geschichte prägten - wie die gesamte Immobilienwirtschaft - wiederholt Pleiten, Pech und Pannen, aber auch sehenswerte Erfolgsgeschichten, voran im Bereich von Holland-, US- oder Immobilien-Leasingfonds, deren bewegliche Initiatoren ihren Anlegern vielfach satte Erträge bescherten. Wenig beachtet wurde und wird die stille, die unspektakulär, doch stetig arbeitende Fraktion teils kleinerer, persönlich haftend geführter Gesellschaften. Dennoch: Unter dem Strich tendiert das Image der Branche ins Negative. Dass dem so ist, untermauert eine 2011 gestartete Informationskampagne des VGF Verband Geschlossene Fonds e. V.. Bei einer Sichtung von Überschriften diesbezüglich veröffentlichter Presseartikel fiel ein Fakt auf: In zahlreichen Medien wurde aus der »Informationskampagne« des Verbandes eine »Imagekampagne«. Der Beitrag wählt dieses Stichwort als Aufhänger, um das Wahrnehmungsbild der Branche belastende Faktoren aufzuspüren und abzubilden; dabei beschränkt er sich auf Immobilienfonds.
2 Imagekampagne - gerufene Geister
Ein Image, also die von Erfahrungswerten, Stimmungen oder dem Hörensagen getragene Wahrnehmung durch Dritte, lässt sich formen. In Maßen zumindest. Wenn einer klugen Strategie gefolgt wird. Eine erfolgreiche, auf eine positive Imageformung ausgerichtete Strategie gründet auf einem sprachlich durchdachten »Arbeitstitel«. Diesbezüglich unterlief dem Verband Geschlossene Fonds bei seiner in Pressemitteilungen verwendeten Begriffswahl ein bemerkenswerter Schnitzer: Im eigentlichen Wortsinn bedeutet Kampagne »Feldzug«. Vielleicht war der aggressive Bedeutungsinhalt den Beteiligten nicht bewusst. - Was, sofern zutreffend, Wasser auf die Mühlen der »Gegenseite« spült, die vielfach unterstellt, dass es Fondsprospekte mit Worten nicht immer genau nähmen. Womöglich wurde der streitlustige Begriff vorsätzlich gewählt. - Dann drückt sich darin ein womöglich wirklichkeitsfernes Selbstverständnis aus. Denn: Die Branche ist vermutlich zu klein, zu finanzschwach, um sich längerfristig in einem medialen Clinch behaupten zu können. - Gegen sich herausgefordert fühlende Fachjournalisten, vergleichende Anlagespezialisten, nicht notwendig freundlich gestimmte »Brüder« aus den Reihen Offener Immobilienfonds und andere mehr.
Selbstredend hebt die Informationskampagne darauf ab, das Produkt- bzw. Branchenimage aufzupolieren. Das Journalisten das Kind beim Namen nannten, dürfte auf Verbandsseite allerdings wenig Zustimmung ausgelöst haben. Denn: Image ist etwas Äußerliches, ein Oberflächen spiegelndes Bild, das allenfalls bedingt mit Inhalten in Einklang steht. Anders ausgedrückt: Image beruht auf Schein, nicht Sein. In dem Wort klingt eine trügerische Note mit. Alleine der gewählte Begriff untergräbt die Glaubwürdigkeit selbst gut und wahrheitsgemäß geschilderter Inhalte.
Zwischen amüsant und fragwürdig angesiedelt ist der eigentliche Kampagnentitel: »Das kleine Wirtschaftswunder«. Der Begriff »Wunder« ist es, der so gar nicht zum Thema passt, denn Wunder sind etwas Unerklärliches. Rational denkende Menschen dürften sie als erfundene Geschichten oder als Halluzinationen verwirrter Geister betrachten. Damit läuft der Ausdruck einer um sachliche Aufklärung bemühten Informationsinitiative zuwider. - Zumindest aus Sicht scharf- und feinsinniger Denker. Weshalb, lässt sich fragen, stellt die Branche ihr Licht unter den Scheffel? Sie war es, die ihre Erfolge durch Sachverstand und harte Arbeit begründete.