Immobilienwirtschaftliche Information

10 Informationskartelle

Trotz aller Vielfalt der Branche bildeten sich Oligopole der Datenbeschaffer-, -aufbereiter, -verbreiter. So bestehen Arbeitskreise, in welchen Marktmittler und Institute Zahlen abstimmen. Auf Kongressen, in der Presse verschafft sich eine kleine Anzahl von "Informanten" fortwährend Gehör. Manch rührige Charaktere nutzen Medien bzw. Foren der Zunft derart erfolgreich zur Selbstvermarktung, dass ihre Aussagen bzw. Zahlen kaum noch bezweifelt werden. - Selbst dann nicht, liegen ihre Vorhersagen regelhaft fernab späterer Gegebenheiten. Oft enorme Abweichungen sprechen nicht notwendig gegen ihren Sachverstand. Hier greift bisweilen ein "Prophetenproblem": So mag eine sauber analysierende Branchengröße zu dem Schluss gelangen, dass in Stadt XY binnen drei Jahren 100.000 qm Bürofläche fehlen, die Mieten anziehen. Was geschieht? Zwei Dutzend Entwickler ziehen 300.000 qm hoch, die Mieten fallen. Das Beispiel vereinfacht zugegebenermaßen, verdeutlicht indes wichtige Fakten:

11 Expertengläubigkeit

Sachverständige ermitteln unter Einbezug von Bodenrichtwerten Verkehrswerte, also Preise, die im üblichen Grundstückshandel erzielbar sein sollten. Diese Marktpreise bewegen sich verbreitet fernab hergeleiteter Werte.

Beispiel: Anhand des Bodenrichtwertes errechnet ein Gutachter für eine von einem denkmalgeschützten Gebäude bestandene Parzelle einen Bodenpreis von 130 Mio. EUR. Der mögliche Handelswert des ertragsbezogen optimal genutzen Objektes beziffert sich auf 50 Mio. EUR. Ergo hat der Bodenrichtwert nichts mit Verkehrswerten zu tun. Der Gutachter hätte zwingend einen grundstücksangemessenen Wert herleiten müssen, dies jedoch unterlassen.

12 Kostenfaktor

Die Beschaffung von Information kann Unsummen verschlingen (Gutachten, Machbarkeitsstudien usw.). Solche Fälle ausgeblendet, stehen kostenfreie Angebote neben kostenpflichtigen. Qualitativ können sich viele frei beziehbare mit zu bezahlenden Informationen messen, oft haben sie die Nase vorn. Voran im Internet finden sich hochklassige, frei abrufbare Berichte, Artikel, Glossare, Wörterbücher, Adresslisten usw.

Tipp: Bei kostenpflichtigen Angeboten empfiehlt es sich, vorab zu prüfen, ob angepriesene Inhalte dem Informationsbedarf gerecht werden. Bei Branchenreports usw. sollte zumindest ein Inhaltsverzeichnis gefaxt oder per eMail übermittelt werden. Bei Online-Diensten wie Datenbanken bieten seriöse Anbieter meist Testzugänge oder Einmalzugriffe.

13 Zwischenbilanz

Die wichtigsten Aspekte von Informationsbewertung bilden einen Dreiklang: