4 Informationsrahmen
Im Vorkapitel umrissene Tatsachen sind wichtig: Flüchtigere Informationen leiten sich aus einem größeren, älteren, stabileren Informationsgerüst ab, beziehen sich auf dieses. Umfänglich zu deuten sind sie einzig, liegt ein Grundverständnis des übergeordneten Rahmens vor. Und, es ist naturgemäß entscheidend, zu wissen, auf welchen Rahmen sie sich beziehen.
Beispiel: Maklerreports 1, 2, 3 weisen für Frankfurt am Main 1,2, 1,5 und 1,8 Mio. qm leerstehende Bürofläche aus. - Sämtliche Angaben können zutreffen. Eine (mögliche) Erklärung: Ein Haus bezieht sich auf das Stadtgebiet, das nächste schließt Eschborn und Offenbach-Kaiserlei ein, das dritte zudem Vordertaunus und südliche Nachbargemeinden der Kernstadt.
5 Informationsqualität
Informationen werden stets - zumindest unterschwellig - bewertet; sie wecken Klärungsbedarf, werfen Fragen auf:
Diese kurze Reihe genügt, um die Deutungsnotwendigkeit herauszustellen.
6 Verplausibilisierung
Den Gehalt von Informationen zu bestimmen, ist oftmals schwierig. Häufig alleine deshalb, weil eine Prüfung hochgradiges Fachwissen voraussetzt, teils auch, da sich mancher "Informant" ungern in die Karten sehen lässt. In vielen Alltagsfällen liegen widersprüchliche Informationen vor. Der einfachste Weg, dem bekanntesten Namen oder dem Mehrheitsvotum zu vertrauen, führt unter Umständen irre.
Beispiel: Um bei Maklerangaben zu verweilen: Drei Unternehmen melden für Frankfurt negative Flächenabsorptionsquoten um 10 %. Das vierte tanzt aus der Reihe: 60 % des Flächenumschlags seien absorbiert worden. 3 : 1 spricht eine klare Sprache, sollte man meinen. Doch weit gefehlt: Kandidat 4 liegt richtig. Nachweisbar, da er seine Zahl durch Flächenbilanzanalysen (Mietverträge usw.) untermauert.
Der aus dem Beispiel zu ziehende Schluss liegt auf der Hand: Nutzer, die wissen, wie jeweilige Informationslieferanten arbeiten, greifen auf die richtigen Daten zurück, eine Mehrheit Uneingeweihter zieht falsche Werte heran.
Tipp: Im Zweifelsfall kann es unerlässlich sein, mit den Informationslieferanten Verbindung aufzunehmen, sich Erhebungsverfahren erläutern zu lassen. Sofern diesbezügliche Auskünfte verweigert werden, erscheint die Quelle zweifelhaft.
Verplausibilisierungen kosten oftmals viel Zeit. Besteht regelmäßiger bzw. kontinuierlicher Informationsbedarf bezüglich eines Themenkreises, empfiehlt es sich, diesen Aufwand einmalig zu treiben. Konkret: Es wird die überzeugendste Quelle ausgefiltert und beständig genutzt. Gegenüber streuenden Zugriffen birgt dieser Ansatz u. a. den Vorzug, sich nicht ständig mit unterschiedlichen Systematiken, räumlichen Abgrenzungen oder begrifflichen Definitionen herumschlagen zu müssen. Weiterhin lassen sich konsistente Zeitreihen aufbauen. Dennoch ist diesbezüglich Aufmerksamkeit geboten, da teils systematische Umstellung stattfinden.
Beispiel: Inzwischen beinhalten die Leerstandsangaben diverser Makler Untermietflächen. Diese Neuerung übersetzte sich in explodierende Leerstandsquoten. In Frankfurt erreichte sie nahezu den zweifachen Wert des historischen Hochs von 1995. Bei gleicher Bezugsbasis liegt sie nur unwesentlich höher.