1 Intro
Das Internet birgt vielfältige Informationen zum Thema Hochhaus. Griffige bzw. überzeugende Definitionen fand der Verfasser dieses Beitrages hingegen nirgends. Die online-Version der Encarta verkündet, laut einer technischen Definition müsse ein Bauwerk 12 Stockwerke besitzen oder sich 30 m erheben, um als Hochhaus zu gelten. Sehr erhellend. - Weshalb keine 15 m, 20 m oder 40 m? Gemäß deutscher Musterbauverordnung beginnt die Hochhausklasse, übersteigt die Vertikaldistanz zwischen mittlerer Geländehöhe bzw. Parterre und letztem Aufenthaltsgeschoss 22 m. Diese Festlegung geht auf Berlins baupolizeiliche Vorschriften von 1925 zurück; sie entspringt der Reichweite mobiler Feuerleitern. Nur: Je nach Land bewegen sich amtliche Hochhausgrenzen zwischen 13 m und 50 m. - Wohl nur ausnahmsweise unter Bezug auf Feuerleiterlängen. Amtsblätter zu wälzen, mag hilfreich sein, um das Thema zu erschließen. Dies indes liegt mir wenig, weshalb auch dieser IK-Artikel auf eigenen Überlegungen gründet.
2 Hochhaus versus Turm
Türme, Pyramiden, Turmpyramiden - wie in Tikal, Guatemala - stellten Höhenrekorde auf. Alle anderen menschlichen Bauwerke überragend. Sie allesamt traten bzw. treten ihre Höhenführerschaft an Hochhäuser ab. Im ausklingenden 20. Jahrhunderts überlebte sich der Zweck des höchsten aller Türme dieser Erde - des Fernsehturmes in Toron
to. Derweil schießen Hochhäuser immer höher auf (rechts einer der Zwillingstürme des World Trade Center in Colombo, Sri Lanka. Aufgenommen im Januar 2010).
Hier fragte sich, weshalb Türme und Pyramiden nicht als Hochhäuser durchgingen? Eine Erklärung bergen im Deutschen mit "Haus" verknüpfte Verben: hausen und behausen. Der Primärzweck von Häusern lag nie in Beobachtungs-, Frühwarn-, Orientierungs- oder Sendezwecken. Das sind typische Turmfunktionen. Wehr-, Leucht-, Fernsehtürme oder Wetterwarten veranschaulichen dies.
Hochhaus lässt sich in Erweiterung dieser Feststellung als
definieren. Es kennzeichnen während üblicher menschlicher Aktivitätsperioden vergleichsweise dichte ein- und auswärts gerichtete Bewegungsströme.
Wird meinem Verständnis von Immobilie als Schnittstelle menschlicher Bewegung bzw. Aktivität gefolgt, sind Hochhäuser als "Superimmobilien" zu begreifen. Als grundflächenbezogen überdurchschnittlich frequentierte Häuser, als Brennpunkte von Bewegung und Aktivität. Der Rückbezug besagt, dass bei gleicher Grundfläche mehr Nutzfläche gestapelt wird als bei "normalen" Häusern. - Und Türmen. Bei diesen werden enorme Baumassen und / oder Steigwege geschaffen, um eine bzw. wenige "Zweckzellen" für wenige Nutzer erreichbar zu machen. Der Bezug auf Nutzerzahlen bedingt, dass die Definition auch Silos und Kühltürme erfasst.