Handel – Thesen zum Wesen

1 Intro

Dieser Kurzbeitrag weist über weite Strecken hin keinen unmittelbaren Bezug zum zentralen Thema des "Immobilien-Kosmos" auf. Er "passt" gleichwohl, insofern das Portal zahlreiche Beiträge beinhaltet, die sich mit Handelsimmobilien befassen.

2 Handel – Begriffsklärung

Handel bedeutete ursprünglich die Übertragung materieller bzw. (be)greifbarer Dinge in Form des Tausches. Im Wort Handel verbirgt sich nicht von ungefähr der Begriff Hand. Er zeigt zudem eine unmittelbare Verwandtschaft mit "verhandeln", aber auch "handeln" im Sinne von "tun". Handel war, ist und bleibt stets eine planmäßige Aktion. Er war auf Verhandlung beruhender Güteraustausch von Hand zu Hand, was heißt: Von Angesicht zu Angesicht.

3 Handel – Auslöser und Effekte

Handel entstand zwischen Menschen, die sich Dinge ihres natürlichen Umfeldes aneigneten und diese, die andernorts nicht zu finden waren, tauschten. Unschwer nachvollziehbar, boten sich zuvorderst Scharnierzonen zwischen unterschiedlichen Naturräumen als Handelsplätze an – beispielsweise zwischen Tief- und Hochland oder Land- und Meer vermittelnde Bereiche.

Der Begriff "vermittelnd" weist auf eine grundsätzliche Eigenschaft des Handels: Er wirkt ausgleichend, verbindend, grenzüberschreitend. Er verweist zugleich auf eine nahezu zwingend vorgezeichnete Entwicklung: Auf die Entstehung einer "Zunft" von Mittlern, die den Austausch organisierten bzw. übernahmen. Zu unterscheiden waren zwei Vermittlerkategorien:

Beide Gruppen gewannen im Gefolge aufkommender Konservierungs- und Bearbeitungsfähigkeiten an Gewicht. Ihre Bedeutung wuchs in dem Maße, in dem sich das Schwergewicht vom Austausch angeeigneter Naturgegenstände auf bearbeitete, schließlich rein künstlich hergestellte Dinge (= Produkte) verlagerte.

Handel gründete auf Begegnung. Begegnungswahrscheinlichkeit und -häufigkeit erhöhten sich mit wachsender Bevölkerungsdichte. Wachsende Kopfzahlen erzeugen Organisationsdruck, der wiederum Neuerungen auslöst – oder auf Innovationen gründet. Gleich, welcher Faktor überwiegt, die Anzahl vollzogener Tauschvorgänge nimmt zu. Die Produktvielfalt erhöht sich, die Zahl langlebiger Güter steigt. Der Austausch hochwertiger, spezieller Waren erfolgt über immer größere räumliche Distanzen hinweg. Frühzeitig entstanden einzelne, alsbald mehrere Erdteile umspannende Handelsnetze. Globalisierung entpuppt sich demnach als seit Urzeiten laufender Prozess.

Der Handel selbst wuchs in die Rolle eines gesellschaftliche wie materielle Neuerungen auslösenden Phänomens hinein. Er begründete – mehr als andere Faktoren – Werden und Siegeszug der Siedlungsform Stadt. Und diese beflügelte den Handel. Kurz: Stadt und Handel sind untrennbar miteinander verwobene Erscheinungen. Daran änderte sich wenig, wenngleich sich der Handel wandelte. – Technisch betrachtet tat er es übrigens in geringerem Maße, als eine oberflächliche Betrachtung nahelegt. Sicher, er beinhaltet längst die von einem festen Austauschort und einander begegnenden Menschen abgelöste Vermittlung des Nicht-Materiellen, so etwa von Information. Aber: Darin kristallisiert kein wirklich neues Phänomen aus. Der Handel transportierte und verbreitete stets Übermaterielles. Unvermeidlich, seiner verbindenden Natur, seinem Grenzen sprengenden Wesen entsprechend: Er beförderte immer auch Ideen, Ansichten, Denkweisen, Weltbilder.

4 Vom Handel zur Logistik

Nennenswert entwickelte Handelsbeziehungen beruhten stets auf der Lösung logistischer Aufgaben. Der Warentransport war zu organisieren, die Lagerung von Gütern, ihre weitere Verteilung. Der Handel blieb wesenhaft ein auf dem Handeln bzw. Verhandeln austauschwilliger Menschen beruhender Akt. Heutige Händler feilschen unverändert um Konditionen, versuchen möglichst günstige Einkaufspreise herauszuschlagen. Diese alte Seite des Handels blieb intakt. Zwei andere kranken:

5 Handel und Immobilie

Wie an anderer Stelle in diesem Portal festgestellt, können Immobilien als Schnittstellen menschlicher Aktivität bzw. Bewegung im Raum aufgefasst werden. Da florierende Einzelhandelsbetriebe – trotz schwindender Faszination – massenhaft Menschen anziehen, eröffnen sie anderweitigen Nutzungen tragfähige existenzielle Grundlagen, erzeugen Flächennachfrage. Immobilien in funktionierenden Handelslagen versprechen somit eine hohe Werthaltigkeit. Diese Aussage lässt sich auf Städte ausweiten: Orte mit entwickelter Handelsfunktionen, mit einer vielgestaltigen, vitalen, wenig anfechtbaren Handelslandschaft stellen grundsätzlich bessere Standorte für (die meisten) Immobilieninvestitionen dar, als ihre Gegenstücke mit schwach ausgelegtem Einzelhandelsgefüge und geringer versorgungsbezogener Bedeutung.