Standort- & Objektanalysen: Strukturierung

1 Intro

Diese Serie entsprang Anfragen von IK-Besuchern: Die einen mühen sich, Arbeiten sinnvoll aufzubauen, die anderen mokieren sich über verwirrende Gliederungen von Gutachten oder studentischen Arbeiten. Tatsächlich ist es eine Kunst, Analysen sachgerecht zu gliedern. Auch wenn es platt klingen mag: Je mehr der Analytiker von der jeweiligen Materie versteht, desto eher gelingen sachgerechte Gliederungen.

2 Nutzungshinweise

Nachfolgend vorgestellte Inhaltsverzeichnisse bilden (nachgebildete) Realfälle ab. Stadtnamen usw. werden durch erfundene Bezeichnungen ersetzt. Vorsicht ist gleichwohl geboten, Gliederungsblöcke 1 : 1 auf ähnlich gelagerte Projekte übertragen zu wollen. Teils mögen sie "passen", vielfach vermeidet ihre Nutzung grobe Fehlgriffe, doch erfordern Projekte mehrheitlich eine eigenständige Annäherung. Diese IK-Reihe wird schrittweise ausgebaut, so dass die Anzahl verwertbarer Vorlagen zunimmt. Dessen ungeachtet empfiehlt es sich stets, zu prüfen, ob diese als fallbezogene "Blaupausen" tragen.

Jeder präsentierten Gliederung geht eine Einführung voraus, die Hintergründe bzw. Sinn und Zweck jeweiliger Projekte erläutert.

3 Vorbemerkungen zum Thema

3.1 Hilfreiche Schablonen

Viele hauptberufliche Analytiker arbeiten Standardfälle anhand stehender Schemata ab; sie benutzen ein ums andere Mal dieselbe Gliederung. Das Schablonensystem funktioniert zumeist ordentlich, solange einfache Projekte anstehen. Zu dieser Kategorie zählen beispielsweise Untersuchungen, die sich den Erfolgsaussichten möglicher Ansiedlungen von Lebensmitteldiscountern oder Supermärkten widmen. Gewohnheitsmäßig Schablonen zu nutzen, schläfert allerdings ein. So sah sich manches ins Ausland expandierende Handelsunternehmen mit unerwarteten Problemen konfrontiert, weil es einige marktprägende Punkte nicht auf der Liste führte.

Mit vielschichtigen bzw. kniffligen Projekten betraute Analytiker verabschieden sich vielfach frühzeitig von Gliederungsschablonen: Die Spitzenriege passt Arbeitsschritte fallbezogen an. Anders ausgedrückt: Sie vermeidet es, Projekte in Schablonen zu pressen.

3.2 Evolutionierende Gliederung

Die "Schulanweisung" erst zu gliedernd, dann zu schreiben, trägt praktisch nur bedingt. Je komplexer der Fall, desto unsinniger ist es, sich an vorab aufgestellten Gliederung "aufzuhängen". Mancher projektrelevante Aspekt offenbart sich erst im Laufe analytischer Arbeiten, teils ergeben sich gegenüber ansonsten stichhaltigen Ansätzen veränderte Gewichtungserfordernisse. Dem entsprechend entwickeln versierte Analytiker komplexe Gliederungen bisweilen quasi chaotisch, Instinkten folgend, ihrem Gespür.

3.3 Gliederungsmacht

Unterschätzt wird die unterschwellige argumentative Macht geschickter Textgliederungen, ihre Stimmungen beeinflussende, ihre suggestive Wirkung. Zu bedenken ist diesbezüglich, dass beileibe nicht alle Analysen darauf abzielen, sachlich begründete Ergebnisse zu gewinnen. Unverblümt gesagt: Zahlreiche Studien dienen dazu, politisch motivierte Wunschvorstellungen zu rechtfertigen.

Häufig gilt: Gut gegliedert, stechen inhaltlich unbefriedigende Texte schlecht gegliederte, an sich gute Argumentationen aus. Neben der Reihenfolge gelisteter Inhalte spielen zwei Gesichtspunkte eine entscheidende Rolle: 1.) Die Feinheit des Gliederungssystems, also die Anzahl aufgenommener Punkte bzw. der inhaltliche Detaillierungsgrad. 2.) Die Formulierung, die Wahl von Schlüsselbegriffen (positiv, negativ, neutral).