Handelsflächenexpansion - Streiflichter

4.3 Center in die City?

Shopping Centers können zur Stärkung zentraler Lagen beitragen. Fallweise bietet ihre Errichtung das einzig Mittel, aus dem Ruder gelaufene Entwicklungen ansatzweise einzuregeln. - Naturgemäß um den Preis neuerlich befeuerten Flächenwettbewerbs.

Die Ansiedlungen von Einkaufszentren in Innenstädten oder deren Saumzonen verdient nicht notwendig Beifall. Zwei unter einem Dach vereinte Kaufhäuser, drei Fachmärkte und zwanzig Fachgeschäfte zusätzlich erhöhen die Attraktivität entwickelter Innenstädte womöglich weniger als eine Realisierung anderweitiger Nutzungen. Häufig entwerten neue Center gar Teile der Kernlagen. Im Extrem lösen sie eine Ausdünnung alter Konsummeilen aus. Dies kann etwa geschehen, nehmen zwei geschlossene, gleichsam selbstgenügsame Monolithen langgestreckte Einkaufsbänder in die Zange. Ein Beispiel findet sich in Ludwigshafen am Rhein (Rathaus-Center, Walzmühle).

Auch einzelne Einkaufszentren können unvorteilhaft wirken, wenn sie städtebaulich wesentliche Qualitäten vermissen lassen: Eine gelungene Vernetzung mit dem Umfeld, hohe Stimmigkeit mit dem Nutzungs-, Branchen- und Betriebsgrößenmix der Innenstadt, eine über ihren unmittelbaren Nahbereich hinausgehende Befruchtung des Handelsgeschehens. Die planerische Essenz lautet: Sind Center bislang überwiegend als funktionsoptimierte, in sich geschlossene Imitate gewachsener Kernlagen aufzufassen, sollten jene von Morgen als offene, funktionsoptimierende Elemente zentraler Lagen ausgelegt werden (-> Prinzipien der Zentrenplanung).

5 Das rechte Maß - Zahlentücke

Entwicklungsspielräume von Handelsgefügen auszuloten, ist eine Kunst für sich. - Abhängig von vielschichtigen Datenkränzen, dem Gespür, der Erfahrung der Beteiligten, selten losgelöst von Wünschen oder Befindlichkeiten verschiedener Interessengruppen. Welche Verkaufsflächenausstattung angemessen ist, welche Bedarfsstufenverteilung (kurz-, mittel-, langfristige Angebote), welche Betriebsformenmischung, welches räumliche Muster lässt sich nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit ermitteln. Die Anwendung von Standardformeln kann in die Irre führen. So birgt die gängige Ableitung des Flächenbedarfs aus bundesdurchschnittlicher Verkaufsfläche pro Kopf, örtlichem Kaufkraftindex und (möglicher) Einzelhandelszentralität eines Ortes einige Grundprobleme. Werfen wir einen Blick auf eine Reihe üblicherweise herangezogene Bewertungsgrößen bzw. hintergründige Zusammenhänge, treten mögliche Fußangeln zutage.