6.7 Arbeitsplatzgenerator?
FOC-Befürworter werben mit günstigen Beschäftigungseffekten; sie führen die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze ins Feld. Gegner halten entgegen, unter dem Strich würden mehr Stellen abschmelzen als hinzukommen. Sie berufen sich unter anderem auf Beobachtungen, wonach für einen im Discount-Bereich geschaffenen Arbeitsplatz 2,5 Stellen im traditionellen Handel verloren gehen. Nur bedingt leuchtet in diesem Zusammenhang der Hinweis auf Erfahrungen mit großflächigen Handelsbetrieben ein. Der Grund: Bei der Masse aller Outlets handelt es sich um Einheiten kleiner bis mittlerer Größe (50 - 500 qm, mehrheitlich 100 - 250 qm). Eine defizitäre Stellenbilanz lässt der im Zuge angestrebter Kostenführerschaft minimierte Personaleinsatz erwarten. Aber auch diesbezüglich finden sich Gegenargumente. Einmal werden Beratungsleistungen in FOC zunehmend selbstverständlich. Zum anderen greift eine auf den Handel eingegrenzte Betrachtung zu kurz: Durch Einkäufe in FOC erzielbare Einsparungen kommen großteils der Gastronomie, Dienstleistungen, dem Freizeitsektor zugute. Hier werden Arbeitsplätze geschaffen, zumindest jedoch gesichert.
6.8 FOC und City - Symbiose oder Katastrophe?
In Bezug auf das Verhältnis von FOC in Randlage zu gewachsenen Handelskernen unterstellen Befürworter Synergien. Sie nehmen an, dass FOC dem in zentralen Lagen ansässigen Handel Kunden zuführen, dieser Nutzen aus ihrer Ansiedlung zieht.
Nein, sagt die Gegenseite, Entzugseffekte überwiegen. Es mag sein, dass sich der eine oder andere Kunde in die alten Laufmeilen begibt, zugleich bleibt jedoch eine vielfache Anzahl fern.
Welche Einschätzung trifft zu? Nun, Erfahrungen mit peripheren Einkaufszentren belegen, dass Koppelungskäufe bzw. Synergien nicht nur regelhaft ausbleiben, sondern gewachsenen Zentren Kaufkraft entzogen wird. Städtebauliche Auswirkungen verbinden sich damit nicht zwangsläufig. Auch FOC können verträglich sein. Beispielsweise zeitigten in Boston und Seattle vergleichsweise citynah eröffnete Fabrikverkaufszentren keine negativen Auswirkungen. Zwar eigenen sich die Verhältnisse in diesen bevölkerungsmächtigen US-Metropolen schwerlich als "prognostischer" Maßstab für europäische Städte. Gleichwohl entzieht er einer grundsätzlichen Verteufelung des FOC den Boden. Fallweise treten gar positive Rückkoppelungen auf gewachsene Zentren bzw. einzelne hier vertretene Branchen und / oder Nutzungsarten auf. So besucht ein Zehntel der jährlich 2,5 Mio. Kunden des erwähnten Bicester Village auch die Innenstadt; ein beträchtlicher Anteil hiesiger Geschäftsleute vermeldet günstige Umsatzeffekte.
Herabgebrochen auf einzelne Städte bzw. Gemeinden entscheidet letztlich die Nutzungsstruktur der jeweiligen Innenstadt über das Auswirkungspotential von FOC. Auch in Deutschland bestehen Ortstypen, denen von FOC-Ansiedlungen zumindest keine Gefahr droht. Profitieren können etwa die Geschäftskerne traditioneller Touristenorte mit wenig alltagsrelevantem Branchenbesatz. Die Auswirkungen auf Mittelzentren mit gut entwickeltem Fachhandelsmix gestalten sich wahrscheinlich weniger rosig. Auch dann, würde eine nennenswerte Anzahl FOC-Besucher die Innenstadt aufsuchen, dürften Fachgeschäfte mit im Fabrikverkaufszentrum zu findenden Markenangebot mindere Überlebenschancen besitzen. Aus welchem Grunde sollten Kunden hier teuer kaufen, was dort preiswert zu erstehen ist? Die Annahme übrigens, FOC mit hohem Anteil in der jeweiligen Innenstadt nicht geführter Premium-Marken erwiesen sich quasi als neutral, sticht nicht: Substitutionseffekte sind vorauszusetzen; Premium-Ware für den Preis von "Durchschnittsmarken" erwerben zu können, lockt.
Fazit: In städtebaulich un- oder unzureichend integrierten Lagen errichtete FOC bergen die Gefahr, dass Geschäftsschließungen ausgelöst werden. Diese können wiederum Dominoeffekte nach sich ziehen. Im Extrem bleibt ein vernichtetes Funktionsgefüge, eine leergefegte Innenstadt zurück. - Ein Spiel mit dem Feuer.