6.1 Standortaspekte
Von FOC benötigte Kundenpotentiale bzw. Einzugsgebiete schwanken in Abhängigkeit von Verkaufsfläche, Angebotsbreite und -tiefe, dem Markenmix und anderen Faktoren mehr. Im Schnitt bewegt sich das erforderliche tägliche Kundenaufkommen um 15.000 Besucher je 10.000 qm Verkaufsfläche. Die Realisierung dieser Größenordnung erfordert ein mindestens 1 Mio. Menschen umfassenden Einzugsgebiet. - Angesichts angenommener Einzugsradien von 90 - 120 Minuten Pkw-Fahrzeit eine vielerorts zu erfüllende Bedingung.
In Deutschland werden FOC häufig fernab der Großstädte geplant. - Angeblich, um Konflikte mit dem regulären Einzelhandel zu minimieren. Überzeugen kann diese Begründung nur bedingt, da sich vermeintliche Abseitslagen oftmals als strategische, als zentrale Standorte entpuppen. Dies gilt, befinden sich FOC zwischen größeren Städten und nahe (über)regional bedeutsamer Verkehrsachsen. Angesichts beträchtlicher zeitdistanzieller Einzugsradien gelingt es bei entsprechender räumlicher Positionierung (und geringer Netzdichte), die Kundenbasis von 2, 3, 4 oder mehr Mittel- und Großstädten abzugreifen. Nicht zuletzt deshalb werden FOC bevorzugt außerhalb der Siedlungskörper angesiedelt. Das Flächengewicht verlagert sich zu Ungunsten zentraler Lagen. - Sofern es bei heutigen Standortpräferenzen bleibt. Zeitlich versetzt verstärkt sich der Zug auf die Grüne Wiese, da FOC Pilotfunktionen ausüben, Handels- bzw. handelsnahe Nutzungen anziehen; sie fungieren als Kristallisationskerne. Ein Blick auf die USA untermauert dies: FOC und herkömmlicher Handel verschränken sich räumlich. Musterbeispiele für derartige Standortgemeinschaften bieten Center der Mills Corporation, die auf bis zu 200.000 qm Verkaufsfläche einen bunten Mix großflächiger Betriebsformen vereinen. Bezogen auf Deutschland zeichnet sich eine gleichgerichtete Entwicklung ab. Damit würde auf Zentralisierung setzenden Planungsleitbildern widersprochen. Nur: Gleiches gilt in Bezug auf die Genehmigung "normaler" Fachmarkt- und Einkaufszentren ebenso.
6.2 Sortimentsaspekte
Den Angebotsfächer von Fabrikverkaufszentren tragen Branchen, die nicht nur typischerweise in Innenstädten vertreten sind, sondern deren Anziehungskraft begründen: Oberbekleidung, Schuhe, Sportbekleidung, Glas, Porzellan, Kosmetika. Auch bieten FOC Markenware und besetzen damit eine klassische Innenstadtdomäne. Sie verkaufen zu Preisen, die Citybetriebe alleine auf Grund höherer Standortkosten überschreiten müssen. Kurz:
Nun widersprechen FOC-Verfechter dem Qualitätsargument. Ansässige Geschäfte führten überwiegend Ware zweiter oder dritter Wahl, heißt es. Teils trifft das zu, nur kann diese Ausrichtung mitnichten als Wesensmerkmal moderner Fabrikverkaufszentren betrachtet werden. Wiederum mit Blick auf Nordamerika ist festzustellen, dass FOC ihr Niveau anheben. Eine Reihe Gründe spricht dafür, dass sich mit zunehmender Marktgeltung unvermeidlich der Zwang zum vermehrten Vertrieb von Ware erster Wahl einstellt.
Tatsächlich prägt britische oder amerikanische Fabrikverkaufszentren keineswegs ein Ramschimage. Richtig ist, dass sie vorwiegend Schnäppchenjäger ansprechen - nur ist das in den USA nahezu jeder. Und, wie Wandlungen des Einkaufsverhaltens verdeutlichen, fährt der Zug hierzulande in dieselbe Richtung. Dass betuchte Schichten ihre Scheu ablegten, in Hard-Discountern einzukaufen, belegt das zur Genüge. Schrumpfende Realeinkommen weiter Bevölkerungskreise, die Ausdünnung der Mittelschicht, die Logik tun ein übriges. Die Anzahl derer, die wohlwissend um preiswertere Konkurrenz 30, 40, 50 % höhere Beträge zahlen, ist allemal verhalten einzuschätzen. Und, da heute jeder jede Kleidung zu jeder Zeit trägt, also keine ganz großen, der Jeanswelle vergleichbaren Moden mehr bestehen, kann auch das von FOC-Verfechtern vorgebrachte Argument, es würde reichlich Auslaufware abgesetzt, nicht überzeugen.
Fazit: FOC treten in unmittelbaren Wettbewerb zu herkömmlichen Handelsschienen.