Factory Outlet Centers

1 Intro

Neu aufkommenden Betriebsformen des Einzelhandels eilte seit jeher der Ruf voraus, bestehende Handelsnetze zu beeinträchtigen: So erblickten manche Zeitgenossen in der Verbreitung der Warenhäuser den Anfang vom Ende des Fachhandels. Super- und Verbrauchermärkte waren umstritten, ihre größeren Nachfolger in Gestalt der SB-Warenhäuser, die Einkaufs- und Fachmarktzentren. Tatsächlich brachten neue Verkaufseinrichtungen Umwälzungen mit sich. Dennoch: Kein Vorläufer, keine je entwickelte Absatzform verschwand von der Bildfläche. Und, die wohl wichtigste Erkenntnis, unsere immer wieder tot gesagten Innenstädte blieben Handelsplätze von Rang.

In jüngerer Zeit entwickelten sich Factory Outlet Centers sich zum Reizthema deutscher Einzelhändler. Ihre Verbände liefen Sturm gegen diesen Zentrentyp; Stadtplanung und Raumordnung lehnten ihn überwiegend ab. – Warum? Wogegen richtete sich der zumeist heftige Widerstand eigentlich?

2 Factory Outlets

Der Begriff "Factory Outlet" – übersetzt "Fabrikladen" – stammt aus den USA. Er bezeichnet eine Verkaufseinrichtung, in welcher Hersteller ihre Produkte an private Endverbraucher bzw. gewöhnliche Einzelhandelskunden absetzen. Mit anderen Worten: Jeweilige Waren gelangen nicht in die Handelskette, sondern werden unter Umgehung von Groß- und Einzelhandel abgesetzt.

2.1 Alte Betriebsform

Der Begriff des Factory Outlets birgt alten Wein in neuen Schläuchen: Die Absatzform blickt auf eine lange Geschichte zurück. Hierzulande beschrieben sie die Wörter Fabrik-, Werks- / Ab-Werks- oder Direktverkauf. Gehandelt werden in aller Regel einfach zu handhabende, wenig erklärungsbedürftige, mühelos zu befördernde Alltagsprodukte. Teils verbreitete sich die Verkaufsform über ganze Regionen. Beispiele bieten die Textilindustrien des Spessarts oder Südthüringens Keramikproduzenten.

Fabrikverkauf diente – wenn auch nie ausschließlich – dem Abbau von Lagerbeständen oder der Vermarktung von Waren zweiter Wahl. Er bot einen Kanal, problembehaftete Produkte zu versilbern. Kennzeichnend für diese Absatzform war die räumliche Identität von Produktionsort und Verkaufsstelle. Letztere belegte Räumlichkeiten im bzw. unmittelbar am Werk. Für Fabrikverkaufsläden bzw. Outlets neuer Prägung gilt dies nicht notwendig: Sie treten oftmals fern des Herstellungsortes auf: Der räumliche Zusammenhang von Produktion und Verkauf löst sich auf. So betreibt WMF sehr zahlreich werksferne Läden.

Bundesweit bestanden 2004 etwa 1.500 Outlets alten und neuen Typs. Ein Blick in Schnäppchenführer zeigt, wo sie zu finden sind. Um alte und neue Factory Outlets voneinander abzugrenzen, empfiehlt es sich, erstere als Fabrikverkaufsstellen, letztere als Fabrikverkaufsläden zu bezeichnen.

Dieser Beitrag beruht auf einer dreiteiligen Serie des Portalbetreibers, die im German Council Report 02 / 2001, 01 / 2002, 02 / 2002 erschien (siehe Veröffentlichungen).