Einkaufszentren – Auswirkungen

1 Intro

Folgender Beitrag widmet sich einem Thema, das die Gemüter wieder und wieder erhitzt: Den möglichen städtebaulichen Auswirkungen von Einkaufszentren (zum Auswirkungsbegriff vgl. den entsprechenden Portalbeitrag). Der Artikel nutzt ein Fallbeispiel alltäglicher Planungs- und Genehmigungspraxis als Hintergrund. Er beschränkt sich darauf, einige wesentliche Gesichtspunkt herausarbeiten. – Fakten, die nur einen Schluss zulassen: Das gängige System ist dringend änderungsbedürftig.

2 Einkaufszentrum – Definition

Als Einkaufszentrum wird hier die am Reißbrett geplante, nicht die "gewachsene" Form verstanden. – Das Shopping Center. Es handelt sich um eine großflächige Versorgungseinrichtung, die einheitlich geplant und errichtet wird, verschiedenste Betriebstypen aller Größenordnungen einbindet und in aller Regel unter einem straffen Management betrieben wird. Ein wettbewerblich schlagender Vorteil derartiger Zentren liegt darin, dass sie innerhalb wie zwischen einzelnen Branchen bestehende Synergiepotentiale planmäßig ausschöpfen. Große Zentren bieten branchenbezogen Vollspektren an. Kennzeichnend ist ein Einschluss von Gastronomie- und Dienstleistungsbetrieben. Das Europäische Handelsinstitut definiert 10.000 qm Handelsgeschäftsfläche (nicht Verkaufsfläche) als unteren Schwellenwert für eine Einordnung als Einkaufszentrum. Stichhaltig begründbar ist diese definitorische Grenze nicht.

3 Genehmigung: Drei Lager

Geht es um die Genehmigung von Einkaufszentren, sind gewöhnlich drei Fraktionen mit unterschiedlicher Haltung auszumachen:

Es liegt in der Natur der Sache, dass Projektentwickler von Gegnern reflexartig unterstellte negative Auswirkungen ihres Vorhabens weit von sich weisen. Eine von mehreren stets und ständig vorgebrachten Behauptungen lautet, dass die Gesamtattraktivität der Stadt (oder in Großzentren eines Stadtteils) erheblich steigen würde. Verbreitet wird in diesem Zusammenhang eine erhöhte Kaufkraftbindungsquote bzw. ein steigender Zentralitätsindex in den Ring geworfen. Die Stoßrichtung ist unabhängig vom jeweiligen Vorhaben stets dieselbe: Projektentwickler versuchen, den Stadt- bzw. Gemeinderat für sich einzunehmen. Ihre Argumente sind die erwähnte Kaufkraftbindungen am Ort, eine verbesserte Verbraucherversorgung, die Schaffung neuer Arbeitsplätze und so weiter und so fort. Tatsächlich erliegen viele Stadt- und Gemeinderäte diesen "Argumenten" noch immer. – Obwohl erwiesen ist, dass großflächige Handelsbetriebe unter dem Strich mehr Arbeitsplätze kosten als bringen. Obwohl Kaufkraftbindungsquote und Zentralitätsindex an sich allenfalls bedingt als qualitatives Moment verstanden werden können (siehe den entsprechenden Portalbeitrag).

Die örtliche Händlerschaft läuft vielfach Sturm gegen großflächige Neuansiedlungen. Das ist verständlich, weil neue Großflächen den Wettbewerbsdruck in aller Regel erhöhen. Zumeist lassen sich ansässige Händler nicht davon überzeugen, dass ihnen ein neues Zentrum über Koppelungseffekte neue Kunden zuführt oder sonstige Vorteile beschert. Mehrheitlich rechnen sie mit Umsatzeinbrüchen oder Schlimmerem. Häufig durchaus berechtigt, wie teils flächendeckende Verheerungen im Gefolge von Neueröffnungen belegen.

Viele Zentrenplanungen bergen unstrittig Zündstoff. Gutachter werden bestellt, Raumordnungsbehörden aktiv. Der Projektentwickler ringt um eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, der ansässige Einzelhandel um einen ablehnenden Bescheid.