Betriebsformen & Zentrentypen (Teil 1)

SB-Warenhaus

Diese Betriebsform ist als mindestens 5.000 qm Verkaufsfläche bietende Einheit definiert, die Lebensmittel nebst einem breiten Angebot an Ge- und Verbrauchsgütern in Selbstbedienung führt. Die Bezeichnung Warenhaus verweist auf einen vergleichsweise gering spezialisierten Angebotsfächer, wobei der Food-Sektor als Magnet fungiert. SB-Warenhäuser bieten bei einer Bandbreite von 35.000 bis 60.000 Artikeln durchschnittlich 52.000 Produkte. Im Mittel entfallen 70 % des Umsatzes auf den Food-Bereich. SB-Warenhäuser besitzen nahezu durchgängig vorgelagerte, teils reichhaltig bestückte Shopzonen. Größenbezogen differieren die Häuser erheblich. Große Vertreter dieser Betriebsform weisen fallweise Verkaufsflächen jenseits 12.000 qm auf. Die mittlere Größe beträgt einschließlich der gemittelt 500 qm großen Konzessionärszone um 7.000 qm. Die marktübliche Mietbelastung bewegt sich um 3,5 % des Umsatzes, die gesamten Raumkosten pendeln um 4,5 %. Verglichen mit klassischen Warenhäusern ist die Fähigkeit vertikaler Raumerschließung schwächer ausgeprägt. Mehr als zwei Geschosse sind wirtschaftlich kaum zu betreiben. Zweigeschossige Einheiten werden dann bezogen, besteht keine ebenerdige Alternative. Beispiele über zwei Ebenen entwickelter Häuser finden sich in Hannover, Eiche oder im PEP-Einkaufszentrum in München. Die Betriebsform bevorzugt verkehrsorientierte Lagen. Stellvertretend für andere Betreiber seien Globus (St. Wendel), Kaufland (Lidl & Schwarz), real (Metro) und Toom (Rewe) genannt.

Lebensmitteldiscounter

Es handelt sich um SB-Geschäfte mit gemessen an Super- und Verbrauchermärkten niedrigem Preisniveau und stark eingeschränkter Sortimentstiefe und -breite. Lebensmitteldiscounter besitzen gemittelt 780 qm Verkaufsfläche. Die marktübliche Bandbreite bewegt sich zwischen 650 und 950 qm. Durchschnittlich entfallen 75 – 80 % des Sortiments auf Lebensmittel. Je nach Betreiber, Marktgröße und Lage umfasst das Gesamtsortiment 1.000 – 3.700 Artikel; durchschnittlich sind es ca. 1.800. Der ursprünglich um 90 % liegende Umsatzanteil von Lebensmitteln verringert sich zunehmend. Am Rande interessant ist, dass Lebensmittel-Discounter als deutsche Erfindung betrachtet werden können und hierzulande weit höhere Marktdurchdringungen erreichen als in anderen Ländern. Discounter der ersten Generation waren überwiegend in Innenstadtrand- und Stadtteillagen anzutreffen. Da moderne Präsentationskonzepte nach größeren Flächen verlangen, bevorzugen sie nun Lagen an stark frequentierten Verkehrsachsen, in Gewerbegebieten, zunehmend auch in Einkaufs- und Fachmarktzentren. Tendenziell mutieren sie zu Standortgeneralisten. Die Betriebsform lässt sich in Hard- und Soft-Discounter gliedern. Hard-Discounter kennzeichnen Preisaggressivität und stark eingeschränkte Kernsortimente von Schnelldrehern (400 – 1.000 Artikel). Der Schwerpunkt liegt auf Eigenmarken. Markenartikel nehmen Sortimentsanteile bis zu 30 % ein. Neben das Stammgeschäft trat zunehmend der Vertrieb von Bekleidung, Unterhaltungselektronik und Hausrat. Das ursprünglich weitestgehend auf Trockensortimente beruhende Angebotsspektrum wurde um Obst / Gemüse, Frischfleisch und Tiefkühlwaren erweitert. Die Raumleistungen streuen je nach Betreiber erheblich. So erzielt der Branchenprimus über 8.000 EUR / qm, wohingegen das Schlusslicht knapp 3.200 EUR / qm umsetzt. Beispiele für Hard-Discounter bieten Aldi, Lidl, Norma und Penny. Gegenüber Hard-Discountern führen Soft-Discounter auf 2.000 – 2.500 Artikel erweiterte Kernsortimente. Der Sortimentsschwerpunkt liegt auf Markenartikeln, sodass sich verschiedene Betreiber bewusst als Marken-Discounter positionieren. Laut EHI liegt die mittlere Raumleistung bei 4.850 EUR / qm. Als typischer Vertreter sei die Edeka-Tochter Netto genannt.

Fachgeschäft

Dieser Betriebsform gehören Geschäfte mit tiefem, service- und beratungsintensiven, vergleichsweise anspruchsvollem Angebot an. Sie belegen kleine und mittlere Flächen.. Erforderliche Mindestgrößen bewegen sich branchenabhängig zumeist zwischen 50 und 200 qm. Auch die Mietbelastbarkeit hängt maßgeblich von der Branchenzugehörigkeit ab. Die Spanne reicht von rund 3,5 % bis 9 % des Umsatzes, fallweise darüber hinaus. Fachgeschäfte repräsentieren den klassischen Einzelhandel. Vielfach handelt es sich um eigentümergeführte Betriebe, zunehmend jedoch um eine filialisierte Betriebsform. Beispiele liefern Benetton, Orsay, Pimkie, (Mode), Jean Pascale (Lederwaren) oder WMF (Haushaltswaren). Im weiteren Sinne zählen auch Fabrikverkaufsläden zum Kreis der Fachgeschäfte. Diese Betriebe werden herstellerseitig geführt, umgehen also den regulären Einzelhandel. Ehemals unmittelbar an Produktionsstätten gebunden, nehmen sie längst auch von diesen entkoppelte Standorte ein. Ebenfalls den Fachgeschäften zugerechnet werden können Betriebe des Ladenhandwerks. Wichtige Vertreter sind Bäckereien und Metzgereien, die vermehrt als reine Verkaufsoutlets geführt, also von ladenfernen Produktionsstätten aus beliefert werden. Ihre bisweilen strittige Zuordnung zu Handel oder Handwerk ist damit zugunsten des Einzelhandels entschieden. Fachgeschäfte sind Standortgeneralisten, die sich über das gesamte Spektrum von Lage- und Zentrentypen hinweg finden. Sie belegen Ladenlokale in gewachsenen Lagen, in Einkaufszentren oder Shopzonen von SB-Warenhäusern. Fachgeschäfte sind hochgradig auf Verbundwirkungen angewiesen. Last but not least zählen Spezialgeschäfte zur Familie der Fachgeschäfte. Ihr Angebot ist besonders tief gegliedert, sie genügen hohen Auswahlansprüche. Sie kennzeichnen ausnehmend hohe Sortimentskompetenz, entsprechende Beratungsqualitäten und hochwertige produktbezogene Dienstleistungen. Unterschieden werden können Non-Food- sowie Food-Spezialisten. Beispiele für Angehörige der ersten Gruppe bieten Anbieter von Brautmoden, Jagdmoden oder Waffen. Zur zweiten Gruppe zählen Vinotheken und Teegeschäfte. Non-Food-Anbieter bevorzugen Randlagen großstädtischer Cities, da sie vergleichsweise große Einzugsgebiete benötigen, jedoch in Spitzenlagen geforderte Mieten nicht zu tragen vermögen. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Spezialgeschäften hängt weit weniger von Verbund- bzw. Fühlungsvorteilen ab als die normaler Fachgeschäfte.