Betriebsformen des Einzelhandels

Multifunktionszentrum

Diese Centerform beinhaltet zahlreiche Nutzungen – die meisten "normalen" Einkaufszentren auch. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die Leitfunktion des Einzelhandels in Multifunktionszentren deutlich schwächer ausgeprägt ist bzw. sein müsste als in herkömmlichen Einkaufszentren. Die Integration eines Multiplex-Kinos, und / oder Fitness-Bereiches erfüllt diese Maßgabe allenfalls bedingt. Kurz: Wahre Multifunktionszentren sind rar gesät. Merkmale eines solchen weisen – mehr oder minder ausgeprägt – die Galerie Roter Turm (Chemnitz), Leine-Center (Laatzen) und CentrO (Oberhausen) auf.

Der Nutzungsmix vieler "Multifunktionszentren" ist als Notgeburt zu bezeichnen: Es wird einbezogen, was nur geht, um statthafte Geschossflächenzahlen auszuschöpfen bzw. die Bodenkosten zu relativieren. Funktional stellen sich viele dieser Center denn auch als "Krücken" dar. Bevorzugter Standort: Verkehrsorientierte Lage, zunehmend auch innerstädtisch.

Fachmarktzentrum

(Siehe auch den Beitrag Lage- und Zentrentypen).

Gewachsene oder am Reißbrett entworfene Ballung von (→) Fachmärkten. Fachmarkt- und Einkaufszentren sind nicht immer exakt voneinander abgrenzbar. Die oft als Fachmarktzentrum angesprochene Kombination von SB-Warenhaus und Baumarkt fällt an sich nicht in diese Kategorie, insofern das SBW keinen Fachmarkt darstellt. Neben diesen Betrieben müssen somit diverse weitere Fachmärkte vertreten sein. SBW bilden freilich oft das Zugpferd von Fachmarktzentren. Als typische bzw. "reinrassige" Fachmarktzentren stellen sich z. B. InCenter (Dachau), Ring-Center (Offenbach), Südring Center (Groß Machnow) und TEC (Erfurt) dar. In Altwarmbüchen bei Hannover findet sich eine Mischung aus gewachsenem und geplantem Fachmarktzentrum. Bevorzugter Standort: Verkehrsorientiert an Ein- und Ausfallstraßen sowie in Gewerbegebieten.

Galerie / Passage

Bauliche Komplexe, die vorwiegend am höheren bis gehobenen Bedarf ausgerichtete kleine und mittlere Einzelhandelsbetriebe (Fachgeschäfte), oft unter Einschluss von Gastronomie und Dienstleistungen, enthalten. Galerien sind in der Regel mehrgeschossig entwickelt. Passagen bilden Verbindungen zwischen zwei oder mehreren ansonsten getrennten Standortbereichen. Sie sind auf hochfrequentierte Pole angewiesen, sollten eine gleichsam natürliche Wegeverbindung darstellen. Massenhaft verbreitete kränkelnde Beispiele belegen, dass sich Galerien / Passagen nur bedingt "konstruieren" lassen. Sehenswerte Beispiele: Hanse-Viertel, Levante-Haus (beide Hamburg), Fünf Höfe (München), Mädler-Passage (Leipzig). Bevorzugter Standort: Typischerweise Innenstadt (City) und starke Stadtteilzentren. Kleinvarianten auch in Nahbereichszentren. Das Bild auf der rechten Seite zeigt den zur Fußgängerzone weisenden Eingang einer bekannten Passage in München. – Ihr Manko: Ein wenig frequentierter zweiter Zugang.