EfI-Englischkurs: Reise nach St. Petersburg

Einführung

Im Auftrag eines ausnehmend marktaktiven Unternehmens reisten Efi und Archi in die geschichtsträchtige Stadt an der Newa. Diesmal ging es darum, durch Immobilienmakler angebotene Hotelobjekte – wie üblich im Schweinsgalopp – unter die Lupe zu nehmen. Diesbezüglich steht die Geschichte in Zusammenhang mit Ereignissen, die im Wiener Immobilientreff geschildert werden. – Eine Anmerkung, die uns zur dort gestellten Rätselfrage führt. Herauszufinden war der Name des bekanntesten Sakralbauwerks der österreichischen Hauptstadt. Eine lösbare Aufgabe, nicht wahr? Ja, es handelt sich um einen Dom, um den Stephansdom. Nachdem dies geklärt ist, starten wir durch nach Sankt Petersburg. – Ach ja, auf ein Wort noch: Es ist November, bitterkalter Winter; ziehen Sie sich also warm an.

Im Text kursiv geschriebene Begriffe finden sich – wie gewohnt – am Seitenende übersetzt.

Reise nach Sankt Petersburg

Während des mehrstündigen Fluges gab sich Efi locker, doch war sie ein bisschen aufgeregt. Verständlich, immerhin war es ihre erste Reise nach Russland. Sie wusste, dass ihr Ziel für Jahrzehnte nach einem der Väter einer der übelsten Diktaturen der Weltgeschichte benannt gewesen war. Sie wusste auch, dass Sankt Petersburgs ursprünglicher Namenspatron, Zar Peter, zu den Pionieren eines MetiersBlutkirche zählte, das heute Industriespionage heißt.

Der Flughafen Pulkowo wirkte provinziell. Im näheren Umfeld machte Efi lose verdichtete Logistikeinrichtungen und Gewerbeimmobilien aus. Bald erreichte ihr Taxi einen großen Verkehrskreisel. Als fragwürdiger Blickfang grüßte ein den spröden Charme der Sowjetzeit verströmendes Hotel. Efi und Archi näherten sich dem Stadtzentrum. Anders als in Moskau ragten nirgends Wolkenkratzer auf. Der ewiglich schweigsame Taxler (vermutlich kein Enkel Fjodor Dostojewskis) sprach unvermittelt: "Newski Prospekt", verkündete er handwedelnd. Die 4,5 km lange Prunk- bzw. Prachtstraße bildet Sankt Petersburgs Hauptstraße. Hier reihen sich stattliche Palais des einstigen Adels, hier befindet sich das Gostiny Dwor, ein 280 m langer Konsumtempel im Stil des Frühklassizismus'. Im Vorbeifahren entdeckte Efi ein rückversetztes, verspielt anmutendes Gebäude. "Zwiebelkuppeln!", begeisterte sie sich. "Die Blutkirche", erklärte Archi, "Russischer Jugendstil, von St. Basilius in Moskau abgekupfert." (eine Fassadenansicht im Bild rechts). Efi atmete ergeben durch: nach Moskau musste sie irgendwann auch.

Wenig später trugen sich beide im vorgebuchten Hotel ein, nahmen den (wie in so vielen Hotels beengenden) Aufzug, legten ihr Gepäck ab und machten sich auf in die frostklirrende Stadt. Ihr Ziel: jedes Hotel, das sich ausmachen ließ. In manchen Abschnitten der Newski reihen sich mehr oder minder anziehende Herbergen wie Perlen an einer Schnur. Efi verschwand in allen auf der Toilette. Nicht, weil ihre Blase drückt, sondern um zu prüfen, ob die mit Sternen protzenden Objekt der jeweils ausgewiesenen Klassifikation entsprachen. – Der werte Leser wundert sich? Nun, als erfahrene Hotelbewerterin folgt sie einem Leitsatz: Sind öffentliche WC-Räume lausig, stimmt etwas nicht, auch wenn die Fassade noch so eindrucksvoll aufstrahlt. In einem örtlichen Vorzeigehaus, in dem Pjotr Iljitsch Tschaikowski einst flitterwöchelte, machte Efi diesbezüglich einige Fragezeichen aus. Archi – derweil anderweitig unterwegs – ebenso. Bars und RestaurantsMatrjoschkas erwiesen sich als erstklassig, die Bodenbeläge der Flure und dortige Beleuchtungssysteme schwächelten hingegen. Andere Häuser, ähnliches Bild. Efi ging höchst zielstrebig zu Werke, doch einem erspähten Laden konnte sie sich nicht versagen. Die scheinbar kuschelnden Matrjoschkas lachten sie gar zu herzig an (siehe Bild links).

Wie üblich liefen Efi und Archi verfrüht am Ort eines vereinbarten Termins ein. Sie betraten die blitzsaubere Lobby eines Hotels, das fünf Mitglieder der Maklerzunft zu unterschiedlichen Preisen angeboten hatten. Allesamt angeblich vom Eigentümer ermächtigt. Wohin Efi sich umgehend begab, kann sich der aufmerksame Leser denken. Archi verriet bereits die Empfangshalle genug. Ihre Innenarchitektur erzählte von einem, der sich als Künstler verstand, nur nichts, rein gar nichts von Hotelwirtschaft verstand. Das klingt hart, gewiss. Nur, liebe Leute: Wenn ihr ein Häuschen kaufen wollt, guckt ihr auch sorgsam prüfend hin, ob dieses oder jenes Merkmal euren Ansprüchen genügt. – Doch nun weiter mit dem Bericht.

Zwei Herren begrüßten Archi und wenig später die nach beschlossener Toilettenexkursion einschwebende Efi. Sie ließ sich nieder und entkrampfte alsbald jenen der beiden Männer, der Archis geschliffenes Englisch kaum verstand. Efis während herausfordernder Südosteuropa-Einsätze zum sprachlichen Generalschlüssel für CEE-Ohren mutiertes Englisch stach neuerlich: der Russe verstand schlagartig jedes Wort. Wie auch immer: Man ging Auslastungsquoten, Zimmerpreise und andere bilanzielle Zahlen durch. Wie sich erwies, lebte das noch junge Haus von einer Spielbankkonzession. "Keine Geldwäsche", versicherte der Wortführer des einheimischen Gespanns. "Gewiss nicht", bestätigte ihn Archi, "Geld wäscht man in Dubai, in Moskau, Eremitagenicht im zivilisierten Petersburg." Efi bemerkte, dass beide spöttelten, dass sie einander mochten, freilich jeden Gedanken an einen Geschäftsabschluss begraben hatten. – Weshalb Männer so lange schwatzen, fragte sie sich, ein Gang aufs Örtchen hätte es doch getan.

Am Folgetag brachen Efi und Archi früh auf, um die Zeit bis zum ersten verabredeten Termin zu nutzen. Sie schlenderten zur Eremitage, bei der es sich entgegen der eigentlichen Begriffsbedeutung keineswegs um eine Einsiedelei, sondern einen gigantischen Gebäudekomplex handelt. Beherrscht vom märchenumrankten Winterpalast, beherbergt die Weltkulturerbestätte eines der weltweit bedeutendsten Kunstmuseen. (links eine Aufnahme über ein historisches Gebäude hinweg. Aufgenommen im Mai 2008 von der Dachterrasse des Kempinski-Hotels). Wirklich heran an das mit Schweiß und Blut eines ausgebeuteten Volkes bezahlte architektonische Glanzlicht kamen Efi und Archi nicht: Polizeiliche Hundertschaften in Kampfausrüstung sperrten bedeutsame Bauwerke und Plätze, weil Regierungsgegner demonstrierten bzw. die Regierenden die Demonstrierenden und all jene, die einer Demonstration zuneigten, einschüchtern wollten. Dennoch sahen unsere Reisenden noch viele interessante Dinge. So viele, dass es den Rahmen dieser Folge sprengen würde, ihre Erlebnisse und Eindrücke zu schildern.

Wie gewohnt schließt auch diese Kursfolge mit einer Wissensfrage: Wie lautete Sankt Petersburgs offizieller Name zwischen 1924 und 1991?

Übersetzungen

Abschnitt = section (bei Straßen usw.) ⇔ Adel = nobility ⇔ Aufzug = elevator (US); lift (UK) ⇔ Auslastungsquote = occupancy; occupancy rate ⇔ Beleuchtungssystem = lighting system ⇔ Blickfang = eyecatcher; eye-catcher; stopper ⇔ Bodenbelag = flooring ⇔ Dom = cathedral ⇔ Eigentümer = owner ⇔ Einsiedelei = hermitage ⇔ Empfangshalle (eines Hotels) = (hotel) lobby ⇔ Eremitage = hermitage ⇔ Fassade = facade / façadeFlug = flight ⇔ Flughafen = airport ⇔ Flur = corridor ⇔ Frühklassizimus = early Classicism ⇔ Gebäude = bulding; structure (im Sinne von Bauwerk bzw. Konstruktion) ⇔ Geldwäsche = money laundering ⇔ Gewerbeimmobilie = commercial property ⇔ Glanzlicht = highlight ⇔ Hauptstadt = capital; capital city ⇔ Hauptstraße = high street (einzelhandelsbezogen); main street (da hier innerörtlich) ⇔ Häuschen = litte house, small house, tiny house (ein winziges Haus) ⇔ Hotelbewerter = hotel appraiser (Wertermittler); hotel critic (im Sinne eines Kritikers) ⇔ Hotelobjekt = hotel property ⇔ Hotelwirtschaft = hotel industry ⇔ Immobilienmakler = real estate broker; real estate agent; realtor ⇔ Industriespionage (auch "Wirtschaftspionage") = industrial espionage; corporate espionage ⇔ Innenarchitektur = interior design ⇔ Jahrzehnt = decade ⇔ Jugendstil = Art Nouveau ⇔ Kampfausrüstung (polizeilich) = riot gear ⇔ Klassifikation = rating (auf Hotels bzw. deren Sternestandard bezogen) ⇔ Konsumtempel = temple of consumerism ⇔ Kunstmuseum = art museum; museum of art(s) ⇔ Laden (Geschäft) = shop (UK); store (US) ⇔ Logistikeinrichtung = logisticts facility ⇔ Objekt = property (da eine Immobilie) ⇔ Örtchen (umgangssprachlich) = john (US); loo (UK) ⇔ Platz = square ⇔ Prachtstraße = splendid avenue ⇔ Reise = journey; trip (hier durchaus treffend, insofern es sich um eine Kurzreise handelt) ⇔ Sakralbauwerk = religious building; sacral building; sacred building ⇔ Schweinsgalopp = breakneck speed; hell for leather (Affenzahn); ridiculous speed ⇔ Sowjetzeit = Soviet era; Soviet period; Soviet times ⇔ Spielbankkonzession = casino license ⇔ Stadtzentrum = city centre (UK); downtown (US) ⇔ Toilette (hier eine Toilettenanlage, keine Einzeltoilette) = lavatory (UK); restroom (US) ⇔ Unternehmen (Firma) = company ⇔ Verkehrskreisel = roundabout (UK); traffic circle (US) ⇔ Weltkulturerbestätte = World Heritage Site ⇔ Wolkenkratzer = skyscraper ⇔ Zar = tsar ⇔ Zimmerpreis = room rate ⇔ Zwiebelkuppel = onion dome